Weekly Athlete_Inge Stettner

Wir starten ins neue Jahr mit unserer ältesten betreuten Athletin, die zugleich eine Ausnahmesportlerin ist: die Triathletin Inge Stettner. Inge hat 2016 den Weg zu uns ins Hamburger Institut gefunden und wird seitdem mit großer Freude von Marc trainiert. Aufgrund Inges Alter von 70 Jahren gibt es für das Trainer-Sportlerin Duo einige Hürden sowohl auf sportlicher als auch technischer Seite zu überwinden. Kann die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) im Alter noch gesteigert werden? Wo liegt noch Potenzial zur Leistungssteigerung? Wie kann ich meinen Trainingsplan von today’s plan ausdrucken?

Inges Wurzeln im Ausdauersport liegen in der Halbmarathon- und Marathondistanz. Jedoch kämpfte sie immer wieder mit Schmerzen in der Achillessehne, weshalb sie 2004, von einem Bekannten motiviert, zum Triathlonsport wechselte. „Mir wurde gesagt, Triathlon sei eine abwechslungsreichere Sportart, sodass sie für mich gesünder sei“, so Inge. Bis heute reizt sie die neuen Herausforderungen, die Abwechslung und die ständigen Grenzerfahrungen im Triathlon. Zudem liebt sie die Bewegung draußen in der Natur und auf unterschiedlichen Terrains.

Inges Lieblingsdisziplinen: Schwimmen mit Hürden, bergauf Radfahren und die Konkurrenz beim Laufen überholen

Die größten Herausforderungen beim Triathlon sieht Inge bei der Startdisziplin: „Das Schwimmen ist immer wieder anders und man muss sich flexibel darauf einstellen. Mal schwimmt man im See, im Fluss, im Hafen oder im Meer – dabei sind die Bojen, der Wellengang und die Strömung oft eine Herausforderung.“ Durch Analysen ihrer Schwimmtechnik von Marc deckten die beiden zudem einige Baustellen in der Bewegung auf. Inge ist aufgrund ihres Alters nicht mehr so flexibel und hat Probleme in der Beweglichkeit der Arme und des Kopfs, was sich negativ auf die Schwimmleistung auswirkt. Spezielle Beweglichkeits- und Stabilisationsübungen im Trainingsplan zeigen jedoch gute Fortschritte. Die zweite Disziplin musste die Triathletin erst lieben lernen. Vor schnellen Abfahrten habe sie immer noch eine Menge Respekt, weshalb sie am liebsten bergauf und mit einer kraftvollen Trittfrequenz von unter 80 Umdrehungen pro Minute fährt.

Als ehemalige Marathonläuferin ist die letzte Disziplin weiterhin ihr Steckenpferd. Inge merkt allerdings auch hier ihr zunehmendes Alter und erläutert: „Ich hatte so eine Freude von hinten an die Konkurrenz heranzukommen und sie beim Laufen zu überholen.“

Inge Stettner-Weekly Athlete

Wie motiviert man sich in dem Alter, in dem sich die Meisten zur Ruhe setzen?

Die Triathletin scheint ihren inneren Schweinehund gut im Griff zu haben und erklärt zielstrebig: „Meine Devise lautet: Du hast einen Plan und der muss absolviert werden. Es ist eine Aufgabe für mich dies zu bewältigen. Flotte Technomusik hilft mir dabei“. Diese Einstellung führt nicht nur dazu, dass ihr Trainer Marc ihre Einheiten auf today‘s plan akribisch plant, sondern auch mal flotte Technomusik mit passendem 60-er Beat suchen muss. Darüber hinaus arbeitet Inge viel an ihrer mentalen Stärke und erklärt dazu: „Beim Triathlon muss man einen langen Atem haben – man darf nicht gleich das Handtuch werfen. Die Sportart erfordert Durchhaltevermögen, was ich mir im Laufe der Jahre hart erarbeitet habe. Ganz wichtig ist zudem, dass man immer einen Plan B während des Wettkampfs hat. Das hilft über Krisen und Probleme, die man durchlebt, hinwegzukommen.“ Zudem ergänzt die Triathletin: „Eigentlich ist man beim Triathlon sehr mit sich selbst beschäftigt: man muss in seinen Körper hineinhorchen und die Botschaften umsetzen können.“ Bei diesem Prozess profitiert Inge von ihrer jahrelangen Erfahrung und versteht ihren Körper sehr gut.

Eine weitere Motivationsquelle sieht die Triathletin darin, dass man sich für die Wettkämpfe qualifizieren muss. Vom Laufsport kommend, war sie es gewohnt, dass man sich für die Rennen lediglich anmelden muss und das Startgeld zahlt. Die Qualifikationsrichtlinien im Triathlon spornen sie nun zusätzlich an.

Inge im Hannes Hawaii Tours-Trainingslager zusammen mit den STAPS-Trainern Björn und Lukas

Aus dem strukturierten Training und den unterschiedlichen Herausforderungen im Sport, zieht Inge auch wichtige Lektionen für ihr Privatleben: „Training hilft ja auch in komplizierten Lebenssituationen: man hat eine Struktur, es lenkt einen ab, man bekommt den Kopf frei und hat Zeit zum Nachdenken. Und wenn ich mich mal durchbeißen muss und es schaffe, freue ich mich umso mehr und die Welt sieht wieder etwas anders aus.“

Europameisterin auf der Kurz- und Sprintdistanz: Kann das 2019 noch getoppt werden?

Ihre sportlichen Höhepunkte waren im vergangenen Jahr die beiden Europameistertitel auf der Kurzdistanz in Tartu und der Sprintdistanz in Glasgow. Ein weiteres Ausrufezeichen setzte sie bei der Weltmeisterschaft in Australien mit einem 2. Platz in der Sprintdistanz. Ihre beiden Altersklassen-Siege bei der Europameisterschaft im IRONMAN 70.3 in Elsinore und beim 70.3 in Zell am See, bescherten ihr schließlich einen Startplatz für die 70.3 Weltmeisterschaft in Nizza in 2019. Dort lautet ihr Ziel den Sprung aufs Treppchen zu schaffen. Darüber hinaus möchte sie in der kommenden Saison 2019 bei der Weltmeisterschaft in Lausanne sowohl bei der Sprint- als auch der Kurzdistanz einen der vorderen drei Plätze belegen.

Inge Stettner-Weekly Athlete

Aus Trainersicht: Wo liegt noch Potenzial zur Leistungssteigerung?

Inges größte physiologische Baustelle sieht ihr Trainer Marc bei der  VO2max. Zu Beginn ihrer Betreuung wies sie auf dem Rad eine aerobe Leistungsfähigkeit von 43,3 ml/min/kg auf und konnte diese durch das Training bis zu ihren Saisonhöhepunkten im vergangenen Jahr auf 46,2 ml/min/kg steigern. Im Vergleich mit gleichaltrigen Frauen ist der Wert hervorragend, doch um im Triathlon vorne mithalten zu können muss an diesem Parameter weitergearbeitet werden. Da die  VO2max jedoch mit zunehmendem Alter nur schwer trainierbar ist, stellt die Konzeption des Trainings eine besondere Herausforderung für Marc dar. Man kann schon fast von einem Gewinn sprechen, wenn der Wert auf einem gewissen Niveau gehalten werden kann. Das Trainer-Sportlerin Duo war umso zufriedener, als die Testergebnisse der Leistungsdiagnostiken in den letzten Monaten gezeigt haben, dass der VO2max Wert seit Beginn der Betreuung um 6% gesteigert werden konnte.

Ihre größte Stärke liegt in ihrer sehr tiefen maximalen Laktatbildungsrate (VLamax) und daher einem sehr geringen Kohlenhydratstoffwechsel, was Inge vor allem auf den längeren Distanzen gut ausspielen kann. Mit steigendem Alter verändert sich die Zusammensetzung, als auch die Ansteuerung der Muskelfasern. Mit einer Mehrzahl an „langsamen“ und „ausdauernden“ Muskelfasern, die statt der schnellen und anaerob-arbeitenden eingesetzt werden, ändert sich auch die Energieversorgung der Muskulatur: von kohlenhydrat-reicherer, anaerober Energiebereitstellung vermehrt zu eher lipid-reicher, aerober Versorgung. Dieser Effekt ist zudem bei Frauen umso verstärkert im Vergleich zu Männern. Mit einer Laktatbildungsrate von 0,18 mmol/l/s übersteigt Inge daher nahezu alle Referenzwerte, die uns im Alltag mit „Normalaltrigen“ sonst begegnen.

Inge im Hannes Hawaii Tours-Trainingslager zusammen mit den STAPS-Trainern Björn und Lukas

Es sind nicht nur sportliche Hürden zu überwinden

Marc muss sich mit Inge nicht nur den sportlichen Herausforderungen stellen, sondern auch mal die eine oder andere technische Hürde nehmen. Seit dem Start ihrer Zusammenarbeit hat sich Inge einen Leistungsmesser besorgt und auch die Arbeit über unsere neue Trainingsplattform today’s plan war eine große Umstellung für sie. Marc konnte aber bisher alle technischen Probleme mit größter Zufriedenheit lösen – auch wenn dies hin und wieder längere Fernwartungen übers Telefon bedeutete.

„Insgesamt macht die Zusammenarbeit mit Inge riesengroßen Spaß, da es was Besonderes ist, wenn eine Frau in ihrem Alter noch so für diesen Sport brennt. Ich bin immer wieder begeistert wie viel Kampfgeist sie zeigt und wie sie ihre Grenzen ausloten will“, so ihr langjähriger Trainer Marc.