Unter dem Namen “Weekly Athlete” wollen wir euch regelmäßig von Sportlern berichten, die von uns betreut werden. Dabei wollen wir nicht nur von Weltklasse-Leistungen erzählen, sondern vor allen Dingen die persönlichen, sportlichen Ziele der Athleten in den Vordergrund stellen. Denn ein Wettkampfergebnis sagt selten aus, wie viel Tiefpunkte und Rückschläge den Weg holprig gemacht haben oder wie die Sportler aus kleinen Erfolgen in der Vorbereitung neue Motivation geschöpft haben. Bei der ersten Ausgabe von “Weekly Athlete” berichten wir vom Höhepunkt in der Ironman-Szene, der Weltmeisterschaft auf Hawaii, und richten unseren Fokus dabei auf die Profis Lange und Aernouts sowie die Agegrouper Tim, Killian und Markus.

Es war ein Tag der Rekorde: der Ironman Hawaii 2018. Im Rennen der Männer pulverisierte Patrick Lange den bisherigen Streckenrekord und legte eine Bestzeit von 7:52:39h hin. Und hatte nach dem Zieleinlauf immer noch genügend Kraft vor seiner Freundin in die Knie zu gehen. Vielleicht waren das genau die 1,6% Leistung, die wir bei Patrick im Rahmen eines Aero-Fittings auf der Bahn einsparen konnten, die ihm für den Antrag gereicht haben. Auch der Zweitplatzierte in Kona, Bart Aernouts, konnte einen neuen Rekord brechen, indem er unter der 8 Stunden-Marke blieb.

Die haushohe Favoritin bei den Frauen erwischte keinen guten Start, aber zeigte trotzdem einmal mehr, dass gegen sie kein Kraut gewachsen ist. Daniela Ryf löste den alten Rekord in Luft auf und setzt die Marke auf 8:26:18h – das war gute 20 Minuten schneller als die bisherige Bestzeit.

Auch von uns waren drei STAPS-Sportler auf der Insel und verfolgten ihre persönlichen, sportlichen Ziele. Für den einen war es der erste Ironman auf Hawaii im jungen Alter von 21 Jahren und für den anderen das 10. Finish in Kailua-Kona. Bereits in den vergangenen Jahren begleiteten wir einige Sportler nach Hawaii und erlebten dabei die unterschiedlichsten Geschichten bei der Vorbereitung und am Tag der Wahrheit. Vor allem Amateur-Sportler stehen vor dem Problem nur beschränkt viel Zeit dem Training opfern zu können und dadurch wird ein Ironman schnell mal zu einem Rechenspiel.

Das STAPS-Team aus Hamburg fieberte hingegen aus der Ferne mit und lud unter dem Motto „Aloha-Altona“, Freunde, Bekannte und Triathlon-Enthusiasten zum gemeinsamen Gucken der Live-Übertragung ein. Bei 26 Grad in Hamburg, Hawaii-Ketten und Palmen als Dekoration, Poke-Bowls und Kona Bier, verbreitete sich schnell hawaiianisches Feeling und wir hatten einen spannenden und coolen Abend zusammen, der sicherlich nächstes Jahr wiederholt wird.

Tim Rose – der Jüngling

Tim gehört mit seinen 21 Jahren zu den jüngeren Athleten im Starterfeld und es war für ihn die erste Teilnahme am Ironman auf der Insel. Insgesamt war der Wettkampf auf Hawaii sein vierter Ironman und durch den Sieg in seiner Altersklasse in Maastricht konnte er sich im Mai dieses Jahres qualifizieren. Tim wird von STAPS-Trainer Lukas betreut, der ihn spezifisch auf den Wettkampf vorbereitet hat. Für Lukas war es aus Trainer-Sicht wichtig, dass Tim ein solides Schwimmen abliefert, um dann eher konservativ die Radstrecke in Angriff zu nehmen und zum Abschluss Vollgas beim Laufen zu geben. Leider konnte Tim diese Taktik nicht wie geplant umsetzen, da ihn eine Erkältung in der Woche vor Rennbeginn heimsuchte. Im Wettkampf bekam er dann dafür die Rechnung und Tim erlitt einen energetischen Einbruch beim Laufen. Er musste sich zweimal übergeben und die Bronchien waren von der Krankheit noch angeschlagen. Dadurch wurden seine anvisierte Zeit und ein besseres Resultat verhindert, aber Tim zeigte sich trotz der Umstände zufrieden mit seinem Wettkampf:

Mein Ziel war ein gutes Rennen zu machen und mit der Leistung wäre ich am Ende in den Top-10 gewesen. Das hat ja durch die Krankheit in der Rennwoche leider nicht geklappt, weil sie für die Probleme im Rennen verantwortlich war. Unabhängig davon bin ich aber trotzdem stolz das Rennen dann doch erhobenen Hauptes ins Ziel gebracht zu haben“.

Auch sein Trainer Lukas war mit dem ersten Hawaii-Finish von seinem Athleten zufrieden und er ist sich sicher, dass Tims Zeit auf der Insel noch kommen wird.

Neben den sportlichen Rekorden, lebt der Ironman vor allem von seinen Emotionen und der unvergleichlichen Stimmung. Tim hat die Atmosphäre auf der Insel in Worte gefasst:

„Durch meine frühe Anreise habe ich ja die ganze “Entwicklung” in Kona mitbekommen aber ehrlich gesagt war bis zur Rennwoche nicht viel los. Dann wurde es aber von Tag zu Tag deutlich voller und vor allem draußen am Highway hat man es gemerkt. Trotzdem fand ich das Flair nicht so krass wie ich es aus den Erzählungen kenne. Da hätte ich mir schon mehr vorgestellt. Was jetzt natürlich nicht heißen soll, dass es uncool war und so gar keine Stimmung aufkam. Geil ist aber echt, dass man das Engagement der Locals merkt und sie mit Herzblut dabei sind. Die gratulieren dir ständig zum Rennen, als Volunteer haben sie an den Verpflegungen mega gut motiviert und die stehen einfach voll hinter dem Rennen! Das ist völlig anders als bei den Rennen in Europa.“

Killian Limmer – der Entspannte

Auch für Killian war der diesjährige Ironman auf Hawaii seine erste Teilnahme, nachdem er letztes Jahr die Qualifikation nur ganz knapp beim Ironman in Österreich verpasst hat. Seinen diesjährigen Startplatz sicherte sich Kilian an seinem Geburtstag, dem 1. Juli, in Klagenfurt mit einer Zeit von 9:31:30h. Von diesem Resultat motiviert war sein Ziel auch auf Hawaii eine Zeit unter 10h zu schaffen und gleichzeitig eine Platzierung unter den ersten 10 seiner Altersklasse zu belegen.

Für seine Trainerin Claudia war es im Vorfeld wichtig, dass Kilian den Ironman entspannt angeht, damit er für die letzte Disziplin noch genügend Reserven hat und er keinen „Wandertag“ einlegen muss. Beim Schwimmen suchte sich Killian gute Beine um mit zuschwimmen und sich damit aus dem größten Getümmel rauszuhalten. Doch kurz nach der Wende erwischte es ihn und er bekam einen heftigen Tritt ins Gesicht, sodass sich die Brille am Gesicht festsog. Dadurch bekam Kilian leichte Schwindelgefühle, die erst nach dem Ausstieg aus dem Wasser wieder verschwanden. Auf dem Rad fand Killian schnell einen guten Rhythmus, den er ohne ein Tief bis zum Ende durchhalten konnte. Auch die Ernährungsstrategie ging während des Radfahrens optimal auf und er konnte „entspannt“ in die Laufschuhe wechseln. Die letzte Disziplin konnte Killian mit einer Pace zwischen 4:30 und 5:00 angehen und musste zum Glück keinen Gehpausen einlegen.

Damit hat Killian sein Ziel mit einer Zeit von 9:48:40h weitaus unterboten und war mit seiner Leistung sehr zufrieden. Nur die Anderen aus seiner Leistungsklasse waren dieses Jahr überraschenderweise sehr schnell unterwegs, weswegen es für Killian „nur“ für einen 15. Platz gereicht hat.

Markus Ganser – der Jubiläumsfinisher

Markus kann man bereits als „alten Hasen“ bezeichnen, denn er finishte am Wochenende seinen 10. Ironman auf Hawaii. Die Qualifikation sicherte er sich mit einem vierten Platz beim Ironman Lanzarote Ende Mai. Zusammen mit seinem Trainer Niklas definierte Markus für jede Disziplin Zwischenziele, um bereits während des Wettkampfes kleine Erfolge feiern zu können.

Bei der ersten Disziplin bedeutete dies, dass Markus sich möglichst aus dem Trubel raushält und das Schwimmen eher verhalten angeht. Dies gelang ihm auch und er konnte ohne größere Schwierigkeiten nach 1:07h aus dem Wasser steigen. Daraufhin folgte seine Paradedisziplin, denn Markus ist ein außergewöhnlich starker Radfahrer und zählt in seiner Agegroup zur absoluten Spitze. Aufgrund negativer Erfahrungen im Vorfeld, nahm er sich jedoch beim Radfahren ein wenig zurück, um für den anschließenden Marathon noch Kraft zu haben. Trotz dosierter Fahrweise absolvierte er den Radsplit in 04:39h und meinte nach dem Wettkampf dazu:

„Ab aufs Rad und in diesem Jahr nicht Vollgas und Blinker links, sondern sehr bedacht und immer so 270 Watt auf der Uhr. Trotzdem bin ich eigentlich überall vorbei, nur halt nicht so schnell 😉“

Das dritte Ziel war es schließlich, einen möglichst gleichmäßigen Marathon zu absolvieren ohne dabei gegen Ende einzubrechen, denn das war häufig bereits das Problem. Auf diese Problematik hatte sich Niklas in der Vorbereitung speziell fokussiert und beispielsweise den Trainingsaufwand beim Laufen verstärkt. Zudem absolvierte Markus spezifische Koppeleinheiten mit Wettkamp-Intensität. Leider konnte er trotz seiner passiven Fahrweise auf dem Rad nur bis zum Halbmarathon seine anvisierte Pace laufen. „Es ging gar nix mehr, keine Power, mir war teils schwindelig und ich hatte echt Bedenken das Ziel zu sehen.“, so sein Statement nach dem Rennen. Markus musste sich mit großem Kampf bis zum Finish durchbeißen. Einer der Ursachen für den Einbruch sieht er in der kurzen Akklimatisation, da er aus beruflichen Gründen erst kurzfristig anreisen konnte.

Niklas bewunderte in der Vorbereitung immer wieder die eiserne Disziplin und die Aufopferungsbereitschaft von Markus. Nur wenige Athleten ziehen ihr Training so strikt zu jeder Tages- und Nachtzeit durch. Es kam nicht selten vor, dass Markus bereits vor 6 Uhr am Morgen auf dem Rad saß und mehrere Stunden Training absolvierte bevor er sein Geschäft (Radladen Ganser in Stolberg) aufschloss. In den letzten Vorbereitungsmonaten standen häufig mehr als 20 Stunden auf dem Trainingsplan, bevor unmittelbar vor Hawaii das Training reduziert wurde.

 

Der 10. Jubiläumsstart auf Hawaii sollte eigentlich sein Letzter werden – aber das kaufen wir ihm noch nicht ganz ab.