Seit dem 4. Juli ist die Tour de France in vollem Gang. Bereits drei Tage vorher fand am Startort in Utrecht der “2. Science & Cycling” – Kongress statt. Am 1. & 2. Juli trafen daGeesmann_Utrecht2015bei internationale Wissenschaftler auf die Trainer & Wissenschaftler der Tour-Teams. Mit dabei auch STAPS-Inhaber Björn Geesmann, der die wichtigsten Erkenntnisse mitgebracht hat. Diese werden wir in einer kleinen Serie vorstellen:

Hitze-Thema beschäftigt Tour-Teams

Die vorhergesagte Hitze für das Auftaktzeitfahren in Utrecht beschäftigte auf dem Kongress alle – die internationale Experten, die Tour-Teams, aber auch die Kongress-Teilnehmer, die in nicht-klimatisierten Hörsälen bei 35° Grad schwitzten.

Hervorgehoben wurden dabei zwei Themen: Die Akklimatisation and die Hitze und das Pre-Cooling vor dem Wettkampf.

“Heat acclimatization leads to impressive adaptations”

Der optimale Zeitraum für eine Akklimatisation sollte mindestens 7 bis 10 Tage betragen. Erst dann ist der Körper in der Lage, sich auf die erhöhten Temperaturen einzustellen und mit Mechanismen wie vermehrtem Schwitzen für eine bessere Kühlung zu sorgen (Daanen et al., 2011). Sollte sich der Körper einmal angepasst haben, ist es sehr erstaunlich, dass dieser – trotz Rückkehr zu normalen Temperaturen – bis zu einem Monat nachwirkend “hitze-beständig” bleibt (Weller et al., 2007).

Für die Vorbereitung auf die Mojawe-Wüste beim Race Across America oder vorhersehbare hohe Temperaturen wie beim Ironman in Frankfurt würde zur Hitzeanpassung z.B. ein 10-tägiges Trainingslager in heißen Gefilden (z.B. Lanzarote, Palm Springs oä.) circa 3 Wochen vor dem Wettkampf geeignet sein.

“Pre-cooling has positive effects on time-trial performance”

Foto: Twitter

Eine zu hohe Körperkerntemperatur ist leistungslimitierend. Als probates Mittel, um die Temperatur z.B. beim Aufwärmen vor dem Wettkampf normal zu halten, können zum Beispiel Kühlkleidungen verwendet werden. Das Prinzip lässt sich vereinfacht darstellen: Je mehr Körperoberfläche ich mit Kühlbekleidung ausstatte, desto höher die kühlenden Effekte. Vorsicht ist dabei etwas bei der direkt arbeitenden Muskulatur (z.B. Beine beim Radfahren) geboten, die nicht zu sehr runtergekühlt werden sollten.

Durch adäquate Pre-Kühlung steigt die Körperkerntemperatur dann im Wettkampf von einem tieferen Niveau an, wodurch die Limitierung durch zu hohe Temperaturen vermindert wird – am vergangenen Samstag in Utrecht ein sehr häufig beobachtetes Bild!

2 Kommentare
  1. Marc Jansen
    Marc Jansen sagte:

    Kann die Akklimatisation bzw. Gewöhnung an hohe Temperaturen auch durch ein Rollentraining erreicht werden? Meine Erfahrung ist, das mir zu Beginn des Rollentrainings die fehlende Kühlung Probleme bereitet. Bei wiederholtem Indoortraining werden diese jedoch weniger.

    • STAPS
      STAPS sagte:

      Hallo Marc,

      das ist auf jeden Fall sehr gut möglich. Verstärkt wird das sicherlich noch dadurch, dass du indoor keinen Fahrtwind hast und dadurch bedeutend weniger Konvektion. Das würde bedeuten, dass dein Körper vermehrt schwitzen muss, um dich zu kühlen.

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