STAPS-Sportler beim Ötztaler-Radmarathon 2018: Anastasia Kempinger

Um einen sportlichen Wettkampf erfolgreich zu bestreiten, fließt im Training vorher monatelang viel Schweiß, einige Entbehrungen müssen eingegangen werden und der innere Schweinehund ein ums andere Mal überwunden werden. Auch der Spaß darf dabei nicht zu kurz kommen, der Druck mit dem Näherkommen des Renntages nicht zu groß werden. Eine optimale Vorbereitung auf einen Radmarathon wie den Ötztaler ist komplex – neben dem reinen Training zählt die Ernährung, das passende Material und eine Pacingstrategie gilt es auszuarbeiten. Oft geht die Vorbereitung aber noch weit darüber hinaus: Es geht um die Integration des geliebten Sports in den Alltag, um das Überwinden von Tiefs im Training und um das Finden der richtigen Dosis aus Spaß und Durchhaltevermögen!

In unserem Portrait unserer Ötztaler-Starter 2018 haben uns viele unserer STAPS-Sportler ein Statement zu ihrer Vorbereitung gegeben. Wir haben uns dazu die Statements von Anastasia, Eugen und Christian herausgepickt und ihre Coaches Patrick, Niklas und Lukas nach ihren Einschätzungen zur Vorbereitung befragt:

STAPS-Sportler beim Ötztaler-Radmarathon 2018: Anastasia Kempinger

Anastasia Kempinger

Ich hatte eigentlich nicht gedacht, dass ich mich über einen längeren Zeitraum zum regelmäßigen Training überwinden kann. Das Training war immer sehr fordernd aber selten überfordernd. Sehr positiv ist, dass man trotz eines begrenzten Zeitaufwands doch zu einem sehr guten Trainingsergebnis kommt. Spaß hat das Training nicht immer gemacht, aber jetzt bei den Radmarathons weiter vorne mitzufahren und dabei auch mehr Spaß zu haben – dafür hat sich die Mühe doch gelohnt. Der Trainingserfolg und der Zuspruch von Patrick haben mich dann motiviert beim Ötztaler zu starten.

Wir haben uns von Anastasias Coach Patrick (STAPS München) ein Statement eingeholt:

Ich habe Anastasia als motivierte Athletin kennengelernt, die bis dahin jedoch keinerlei Erfahrung mit dem regelmäßigen Training nach einem Trainingsplan hatte. Ihr anfängliches Ziel war es, sich über sechs Monate strukturiert auf die anstehende Radmarathon-Saison vorzubereiten, um zum einen schneller zu fahren und zum anderen dadurch noch mehr Spaß zu haben. Das Besondere: Vom Ötztaler Radmarathon war damals noch gar keine Rede!

Das ganze Frühjahr über arbeitete Anastasia ihre Trainingseinheiten vorbildlich ab und wenn es einmal nicht so gut lief, kamen von ihrer Seite schon beinahe entschuldigende Worte. Somit bestand meine Aufgabe als Trainer vor allem darin, ihr aufzuzeigen, dass ich mit ihrem Trainingsplan zwar einen klaren Plan verfolge und jede Trainingseinheit ihre Daseinsberechtigung hat, ihr Plan aber keine Vorgaben enthält, die in Stein gemeißelt sind und um alles in der Welt einzuhalten sind. Dadurch gab ich Anastasia die Freiheit ihre Trainingseinheiten selbstständig etwas anzupassen, um ihr an stressigen Tagen oder an Tagen, an denen sie sich einmal nicht gut fühlte, den Druck zu nehmen. Bei STAPS sind wir der Überzeugung, dass sich nur so langfristig der Spaß am Training garantieren lässt.

Ein strukturiertes Training lebt vor allem von Kontinuität und diese erreicht man am nachhaltigsten durch Motivation und Spaß – Anastasia hatte beides! Von ihrer neuen „Freiheit“ machte Anastasia allerdings kaum Gebrauch und spulte ihr Programm über die sechs Monate vorbildlich und hoch motiviert ab. Ihrem Feedback nach fühlte sie sich durch den Plan nicht mehr unter Druck gesetzt und ich bekam keine entschuldigenden E-Mails mehr, wenn mal ein Intervall mit der falschen Trittfrequenz gefahren wurde oder gar eine Minute zu kurz war.

Nach den ersten erfolgreich absolvierten Radmarathons war dann klar: regelmäßiges Training nach Plan macht nicht immer nur Spaß, das schnellere Fahren bei den Radmarathons (und das Einsammeln männlicher Konkurrenten am Berg) allerdings schon.

Nach fünf Monaten regelmäßigem Training konnte Anastasia eine stolze Leistungssteigerung erzielen: Von 184 Watt bzw. 2,7 Watt pro Kilogramm Körpergewicht an der anaeroben Schwelle steigerte sie ihr Leistung auf 227 Watt und 3,4 Watt pro Kilogramm Körpergewicht  – der Lohn für ihr regelmäßiges Training. Etwas unsicher „gestand“ sie mir dann, dass sie einen Startplatz für den Ötztaler Radmarathon hat, sich aber nicht sicher sei, ob sie das schaffen würde. Da ich wusste, dass sie nach wie vor motiviert und mit Spaß trainiert, wir noch ein paar Monate Zeit hatten und zudem eine deutliche Leistungssteigerung erzielen konnte, war mir sofort klar, dass ihre Sorgen unberechtigt waren und einer erfolgreichen „Ötzi“-Teilnahme nichts im Wege stehen würde. Motiviert durch das bereits Erreichte und meine Zuversicht wurden aus sechs Monaten erfolgreicher Zusammenarbeit dann 12 Monate und wie ich letztes Wochenende vor Ort live miterleben durfte, finishte Anastasia ihren ersten „Ötzi“ (trotz widrigsten Wetterbedingungen mit Regen, Nebel und Kälte) souverän unterhalb von 12 Stunden.

Glückwunsch Anastasia und Danke für die tolle Zusammenarbeit!

STAPS-Sportler beim Ötztaler-Radmarathon 2018: Eugen Böger

Eugen Böger 

Die Vorbereitung mit Niklas war sehr gut. Fahre schon seit 10 Jahren mit Wattmessung und Trainingsplan (Onlineplattform 2peak), aber seit März mit persönlichem Trainer. Das sind Welten!

Die Einheiten waren immer genau richtig: gequält ja, aber immer im Rahmen. Habe mich oft über die Kraft in den Beinen gewundert. Schauen wir mal, ob meine Bestzeit von 12 Stunden und 7 Sekunden geknackt werden kann.

Wir haben uns von Eugens Coach Niklas (STAPS Köln) ein Statement eingeholt: 

Die Zusammenarbeit mit Eugen begann mit einer Leistungsdiagnostik Ende März bei unserem STAPS on Tour-Termin in Münster. Eugen sagte uns vor dem Test, er sei ein „Diesel“, der erst über eine gewisse Renn- oder Trainingsdauer seine Stärken ausspielen kann, sich aber mit kürzeren und intensiveren Belastungen schwertut.

Das Besondere bei Eugen war, dass sich seine subjektive Einschätzung des „Diesels“ nicht wirklich mit den Ergebnissen der Leistungsdiagnostik deckte. Seine maximale Laktatbildungsrate (VLamax) – die den anaeroben Stoffwechsel charakterisiert – deutete mit einem Wert von 0,61 mmol/l/s auf einen erhöhten Kohlenhydratverbrauch hin. Die maximale Sauerstoffaufnahme – die den aeroben Stoffwechsel charakterisiert – war mit 4.300 Millilitern pro Minute eher überdurchschnittlich, sodass intensive Belastungen eigentlich möglich gut fahrbar sein müssten.

Ende März hatte Eugen noch sein „Wintergewicht“, sodass seine relative Leistungsfähigkeit mit 2,66 Watt pro Kilogramm Körpergewicht an der anaeroben Schwelle noch zu gering war, um die anvisierten Anstiege des Ötztaler Radmarathons erfolgreich zu erklimmen.

Es ergaben sich also für Eugen zu Beginn der Betreuung folgende physiologischen Baustellen im Hinblick auf den „Ötzi“:

  1. Die maximale Laktatbildungsrate zu senken und darüber den Kohlenhydratstoffwechsel senken
  2. die maximale Sauerstoffaufnahme erhöhen, die zwar schon gut war, für eine Leistungssteigerung aber immer zuträglich ist
  3. das Körpergewicht über eine Reduktion des Körperfettanteils verringern und über eine Kombination aus Training und Ernährung peu á peu in Richtung Ötztaler-Gewicht bringen

Unter Berücksichtigung der physiologischen Baustellen, der Zielsetzung Ötztaler und der verfügbaren Trainingsmöglichkeiten, haben wir Eugen eine individuelle Rahmenplanung inklusive detaillierter Trainingspläne geschrieben, über die ich gerne einen kleinen Eindruck geben wollen:

Im wechselhaften Frühjahr fokussierten wir uns mit vielen kürzeren, dafür intensiveren Einheiten auf die Erhöhung der Sauerstoffaufnahme. So stand oftmals nur eine Einheit am Wochenende oder an den Feiertagen auf dem Plan, die man von der Dauer her als „Grundlageneinheit“ identifizieren würde. Die intensiven Einheiten mit Intervallen im Entwicklungsbereich und teilweise auch im Spitzenbereich waren in der Form neu für Eugen, zeigten aber auch schnell Wirkung. Die Anstiege im heimischen Sauerland konnten nach kurzer Zeit flüssiger gefahren werden und die entsprechenden Wattzahlen deutlich länger aufrechterhalten werden.

Richtung Sommer verlagerten wir den Schwerpunkt etwas mehr auf den Umfang, ohne diesen dabei übermäßig zu erhöhen. Stattdessen verbrachte Eugen auch zunehmend Zeit in seinem Zielleistungsbereich für den Wettkampf in Kombination mit spezifischen Trittfrequenzen. Außerdem sollte Eugen regelmäßig ohne vorherige Kohlenhydrat-Aufnahme in das Training starten, um seinen Kohlenhydratverbrauch zu senken.

Die letzten Wochen vor dem Wettkampf kamen Schlüsseleinheiten hinzu, in denen er auch in längeren Einheiten immer wieder signifikante Zeiträume bei seiner Zielleistung für den Wettkampf fahren sollte. Diese hatten auch zum Zweck, die gleichmäßige Leistungsabgabe über einen gewissen Zeitraum im Sinne des Renn-Pacings zu schulen und die Ernährungsstrategie für den Wettkampf zu testen.

Die letzte Leistungsdiagnostik zwei Wochen vor seinem Saison-Highlight zeigte die gewünschten Verbesserungen:

Die relative Leistungsfähigkeit an der anaeroben Schwelle stieg von 2,66 auf 3,19 Watt pro Kilogramm Körpergewicht. Die Leistung, die Eugen an den Anstiegen über längere Zeiträume aufrechterhalten kann, ohne dabei seine Kohlenhydratspeicher zu rasch aufzubrauchen, stieg von ca. 180 Watt auf einen Zielwert von 210 Watt. Die Diagnostik diente dabei nicht nur zur Festlegung der Pacing-Strategie für den Ötztaler, sondern stimmte Eugen im Hinblick auf sein Highlight auch Zuversicht.

Am Renntag setzte Eugen die Vorgaben zur Leistung und Energieaufnahme perfekt um. Trotz der schwierigen Wetterbedingungen konnte er seine bisherige Bestzeit um fast eine Stunde auf 11:06 Stunden unterbieten.

Herzlichen Glückwunsch zur neuen Bestzeit und dem erfolgreichen Finish, Eugen!

 

STAPS-Sportler beim Ötztaler-Radmarathon 2018: Christian Brause

Christian Brause

Pain is temporary! Lukas weiß allerdings, dass “temporary” ein zeitlich sehr weit dehnbarer Begriff ist und “Pain” wurde aus meinen Wortschatz mittlerweile entfernt.

 Wir haben uns von Christians Coach Lukas (STAPS München) ein Statement eingeholt:

Christian hat seine erste STAPS-Leistungsdiagnostik im Oktober 2016 im Rahmen der STAPS on Tour in Herrenberg gemacht. Zwar musste Christian sich ein ums andere Mal im Training auch „strecken“, bereits von Beginn der Zusammenarbeit an konnte er seine größte Baustelle – die maximale Laktatbildungsrate – aber erfolgreich verbessern.

Besonders für lange Rennen wie den Ötztaler Radmarathon ist dieser physiologische Parameter, der den Kohlenhydrat-Verbrauch sehr deutlich mitbestimmt, ein wichtiger Baustein für ein optimales Rennen. Zusätzlich ging es darum die aerobe Kapazität und damit die Möglichkeit über die Fette Energie zu generieren, zu vergrößern. Neben Christians Full-Time-Job und berufsbedingten Auslandsreisen war es in vier Trainingseinheiten pro Woche das Ziel, die Effizienz im Training optimal auszunutzen. Kohlenhydrat-arme Trainingseinheiten mit kratorientierten, unterschwelligen Intervallen zur Senkung der Laktatbildungsrate; hoch-intensive Belastungen an oder oberhalb der anaeroben Schwelle zur Steigerung der Sauerstoffaufnahme – Christians Plan kannte keine „planlosen“ Einheiten ohne konkretes Trainingsziel.

Es gibt nahezu keinen Fahrer, der seine 8 bis 12 Trainingsstunden pro Woche präziser und gewissenhafter abgefahren ist als Christian. Schmerzen, Leiden, Grenzen verschieben – was auf dem Plan stand, wurde durchgeführt und nicht selten kam es vor, dass Christian in seinem Wochenfeedback zum Training von neuen „Grenzerfahrungen“ berichtete. Aber der Erfolg kann sich sehen lassen: Begonnen mit einer Schwellenleistung von 3,5 Watt pro Kilogramm Körpergewicht, zeigte die abschließenden Diagnostik vor dem Ötztaler eine Schwellenleistung von 4,24 Watt pro Kilogramm. Topfit, hochmotiviert und ausgestattet mit einem guten strategischen Plan in Bezug auf Pacingstrategie und Nahrungszufuhr während des Rennens, konnten eigentlich nur noch die äußeren Bedingungen Christian von einer Sub-9-Stunden-Zeit abhalten.

Christian, Lust auf neue Grenzerfahrungen? Die 9-Stunden-Marke muss geknackt werden! 😉