„Gehen Sie an Ihre Grenzen und übertreffen sich selbst beim Club La Santa Ironman Lanzarote in einer beeindruckenden und einzigartigen Vulkanlandschaft.“ Mit diesem Aufruf wirbt der Ironman Lanzarote auf seiner Website. Wie unser Trainer Markus seinen Ironman auf der Vulkaninsel erlebt hat und wie er sich dabei seinen Lebenstraum erfüllen konnte, liest du hier.

Der Club La Santa Ironman Lanzarote war auch in diesem Jahr für alle Teilnehmer eine anspruchsvolle Herausforderung. Das überaus selektive Terrain auf der Vulkaninsel fordert eine entsprechende Leistungsfähigkeit und mentale Stärke: Wind, lange Anstiege und kurvige Abfahrten erfordern einen kompletten Athleten. Nicht zuletzt deshalb steht dieser Ironman auf der beliebten kanarischen Vulkaninsel auch für den Kampf gegen sich selbst. Prominente Triathlon-Profis haben sich hier versucht, manche sind gescheitert, andere haben auf der spanischen Insel im Atlantischen Ozean Zeichen gesetzt.

Der Wettkampf wird seit 1992 ausgetragen und feierte dieses Jahr am 25. Mai seine 28. Auflage. Der Club La Santa Ironman Lanzarote ist ein offizieller Qualifikationswettkampf für die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii. Das Rennen gilt zudem als gute Vorbereitung für den Ironman Hawaii, da dort wettertechnisch ähnliche Bedingungen wie bei der Weltmeisterschaft in Kona herrschen. Insgesamt 40 Startplätze wurden dieses Jahr für die Ironman Hawaii zur Verfügung gestellt – einer davon ging an Markus. Und so hat er seinen Tag erlebt:

Trotz Schlägerei ein gutes Schwimmen abgeliefert

Nach einer kurzen heftigen Schlägerei beim Start verlief das Schwimmen genau nach Plan. Die rauen welligen Bedingungen kamen mir entgegen und ich konnte recht entspannt im hinteren Feld der Profis mitschwimmen und kam nach 53:36 min mit einem Schnitt von 1:25min/ 100m aus dem Wasser. Die gute Schwimmzeit überraschte nach den Ergebnissen im Training ein wenig, zeigt aber, dass ich im Freiwasser (insbesondere mit Neoprenanzug und im Salzwasser) deutlich bessere Leistungen abrufen kann als im Becken.

Ruhige Herangehensweise und perfektes Pacing auf dem Rad

Auf der anspruchsvollen Radstrecke mit zum Teil heftigen Windbedingungen ließ ich es sehr ruhig angehen. Dies zeigt sich auch in den Leistungsdaten mit einem IF (Verhältnis von angepasster Leistung zur anaeroben Schwelle) von 0,71. Der Variabilitätsindex (Verhältnis von angepasster Leistung zur Durchschnittsleistung) von 1,11 würde bei einer flachen Radstrecke für ein schlechtes, da ungleichmäßiges Pacing, sprechen. Schaut man sich das Höhenprofil der Radstrecke an, wird jedoch schnell klar, dass hier an ein gleichmäßiges Pacing nicht zu denken war. Aus diesem Grund nutzte ich den Leistungsmesser auch hauptsächlich dazu, in den Gegenwindpassagen und Anstiegen nicht zu überpacen und versuchte keinesfalls eine konstante Leistung über die Strecke zu treten.

Analyse Radstrecke beim Ironman Lanzarote

Es machte sich bezahlt, dass ich mich noch am Tag vor dem Rennen zum Wechsel auf ein Vorderrad ohne Hochprofilfelge entschied und so den starken Windböen nicht zum Opfer fiel.

Abgesehen von einem kleinen Durchhänger bei Kilometer 140-150 (siehe Markierung in der Grafik), der wahrscheinlich dadurch bedingt war, dass ich zuvor in einem Schlagloch eine meiner Radflaschen mit Kohlenhydrat-Konzentrat verlor und mich daher mit der angebotenen Streckenverpflegung nicht ganz optimal versorgte, konnte ich die Radstrecke sehr entspannt absolvieren und hatte bis zum Schluss ein breites Grinsen im Gesicht, da ich richtig Spaß auf der Strecke hatte. Die Analyse der Leistungsdaten zeigt, dass ich insgesamt sehr zurückhaltend unterwegs war und auch an den Anstiegen nie riskiert habe eine höhere Leistung zu fahren.

Retrospektiv hätte man hier sicher etwas mehr Leistung treten können, da in den Abfahrten ausreichend Erholung stattfand. Als Beispiel lässt sich hier der Anstieg zum Mirador del Rio anführen (siehe Grafik) der mit einer Durchschnittsleistung von „nur“ 289 Watt gefahren wurde, obwohl danach eine sehr lange Abfahrt folgte, bei der nahezu keine Leistung erbracht werden musste (im Durchschnitt 71 Watt).

Anstieg Mirador del Rio

 

Abfahrt Mirador del Rio

Obwohl nach Analyse der Leistungsdaten das Radfahren etwas unter meinen Möglichkeiten lag, kann man natürlich im Nachhinein nie sagen, wie sich eine höhere Leistung auf dem Rad auf das anschließende Laufen ausgewirkt hätte.

Muskuläre Probleme bei der Abschlussdisziplin

Obwohl ich entspannt vom Rad stieg und mich sehr auf den anschließenden Lauf freute, lief es trotzdem nicht ganz so wie geplant. Die ersten circa 15km fühlten sich noch super an und ich war positiv gestimmt im folgenden Rückenwind-Abschnitt die Pace noch steigern zu können. Leider meldete sich dann mal wieder mein linker Oberschenkel und verkrampfte. Seit meinem Bandscheibenvorfall vor einigen Jahren habe ich immer wieder mit diesen Problemen zu kämpfen und bisher konnten weder Ärzte noch Physiotherapeuten eine solide Lösung finden.

Analyse der Laufstrecke beim Ironman Lanzarote

Trotz der muskulären Probleme konnte ich beim Marathon – nicht zuletzt dank der Unterstützung meiner tollen Support-Crew – noch den vierten Platz verteidigen. Die GPS-Aufzeichnung zeigt deutlich, wie die erfreuliche Nachricht, dass ich noch eine Chance hätte den 4. Platz zu verteidigen, mich wieder gepusht hat. Zum Ende des Marathons war es neben den muskulären Problemen dann auch immer mehr die Hitze, die mir zu schaffen machte, so dass ich mir an den Verpflegungsstationen die Zeit nahm mich gut runter zu kühlen. Der Effekt zeigte sich darin, dass ich danach die Pace wieder einigermaßen aufnehmen konnte.

Mit dem 4. Platz in der Altersklasse die Qualifikation für die WM geholt

Insgesamt war es ein verdammt harter Tag, aber ich hatte auch viel Spaß auf der Strecke und kann den Ironman Lanzarote jedem empfehlen, der ein faires, anspruchsvolles Rennen sucht. Für die Jagd nach Bestzeiten ist dieser Wettkampf jedoch nicht der Richtige 😊

Als sich bei der Slot-Vergabe herausstellte, dass es für mich für Hawaii reichen würde, ging natürlich ein Lebenstraum in Erfüllung! Aber selbst ohne den Hawaii-Slot wäre es ein tolles Erlebnis gewesen, den Ironman Lanzarote zu finishen.

Das gesamte STAPS-Team hat aus Köln, München und Hamburg mitgefiebert und wir freuen uns riesig mit Markus, dass er die Qualifikation geschafft hat – jetzt kann Kona kommen!