Am 22. September konnte Daniela Sämmler den dritten Ironman-Sieg ihrer Karriere feiern. Beim Ironman Emilia Romagna in Italien stoppte die Uhr bei 9:05:49 Stunden, womit sie gleichzeitig einen neuen Streckenrekord aufstellte. Nur 10 min später kam ein weiterer STAPS-Sportler ins Ziel: Alessandro Scarpello. Er konnte damit den 5. Platz in seiner Altersgruppe belegen und verpasste mit seiner Zeit nur ganz knapp den Hawaii-Slot. Während sich Profi-Sportler wie Daniela akribisch auf ihre Wettkämpfe vorbereiten können, muss Alessandro seine Trainings strukturiert neben der Arbeit und der Familie absolvieren und einplanen. Wir wollen euch nun zeigen wo genau die Unterschiede in der Trainings- und Wettkampfplanung der beiden STAPS-Sportler liegen und wie sie gemeinsam mit STAPS ihre anvisierten Ziele erreichen.

Der Agegrouper: Alessandro Scarpello

Alessandro hat bereits 6 Jahre Wettkampferfahrung und wird seit November 2017 von STAPS betreut. Er arbeitet als Wirtschaftspsychologe in Vollzeit und unternimmt auch gerne neben der Arbeit und dem Training etwas mit Freunden und seiner Familie.

Trainingsgestaltung

In der Vorbereitungsperiode liegt Alessandros durchschnittliche Trainingszeit bei 10 bis 11 Stunden pro Woche. Die Einheiten absolviert er entweder vor der Arbeit ab 5 Uhr oder danach ab 18 Uhr. Regelmäßige, lange Grundlageneinheiten bleiben neben einem Vollzeitjob und der Familie meist auf der Strecke, weshalb Alessandro und seine Trainerin Caro kreativ werden müssen: die Feiertage werden gezielt für längere Einheiten oder Rad-Blöcke genutzt und auch ein Urlaub mit der Freundin auf Mallorca kann schnell in ein „Mini-Trainingslager“ umgemünzt werden. Im Sinne des Soziallebens vor allem mit Freiwasser-Einheiten im Meer oder kürzeren Läufen, ohne dabei übermäßig lange Radeinheiten einzubauen. In seinem Haupttrainingslager auf Lanzarote im März konnte Alessandro sich voll und ganz auf seine Wettkampfvorbereitung konzentrieren und kam auf bis zu 30 Stunden Training in einer Woche. Allerdings müssen solche intensiven Blöcke auch verkraftet werden, sodass Alessandro seine „Hausaufgaben“ vorab in der Heimat erledigt hatte, um den Umfang auf Lanzarote richtig nutzen und umsetzen zu können. Neben dem Schwimmen, Radfahren und Laufen gehört auch Yoga oder das Fitnessstudio zu einer gewöhnlichen Trainingswoche, um an seiner allgemeinen Athletik und der Stabilisation des Körpers zu arbeiten.

Sportliche Entwicklung

Seit November 2017 dürfen wir Alessandro bei seiner Leidenschaft unterstützen und konnten gemeinsam tolle Ergebnisse erzielen. So konnte er seine Physiologie seit letztem Jahr immens verbessern und sein Körpergewicht um 7kg sowie seinen Körperfettanteil um 4 Prozentpunkte senken. Über eine Grundumsatzmessung haben wir zu Beginn der Betreuung seinen Kalorienbedarf ermittelt. Seit dem Frühjahr 2018 hat Alessandro unter Aufsicht von Caro die Methode des intermittierenden Fastens angewandt und die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend. Das Gewicht ging stetig nach unten, ohne jedoch das Training oder die Leistung negativ zu beeinträchtigen. Darüber hinaus wurde das Training an die neue Ernährung angepasst und beispielsweise morgens die Fettstoffwechseleinheiten absolviert und abends die intensiveren Einheiten, nachdem die Speicher wieder mit Kohlenhydraten aufgefüllt waren.

Bei seinen Leistungsdaten auf dem Rad sticht vor allem die Steigerung der VO2max hervor, die er in nur 8 Monaten um 10% anheben konnte. Die Gewichtsabnahme hatte indes einen großen Einfluss auf die relative anaerobe Schwelle, die er um fast 20% steigern konnte und somit im September bereit für einen Ritt auf den italienischen 180 Kilometern war. Zudem konnte er seine anaerobe Schwelle beim Laufen um 8% gegenüber dem Vorjahr verbessern - dies bedeutet eine Verbesserung von knapp 5 Minuten (von 40 auf 35 Minuten) auf 10 Kilometern.

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Wettkämpfe

Auf dem Weg zu seinem Highlight des Jahres, dem Ironman in Italien, haben wir zwei B-Wettkämpfe als Zwischenziele eingeplant. Die erste Überprüfung der Rennform fand am 3. Juni beim Mitteldistanz-Wettkampf im Kraichgau statt, wo Alessandro eine Gesamtzeit von 4:48:49 Uhr erzielte. Damit war er insgesamt zufrieden, jedoch war nach dem Wettkampf und der Analyse von Caro klar, dass der Fokus für die weiteren Einheiten auf der Verbesserung der Radleistung liegen sollte. Unmittelbar vor dem Ironman in Italien hat schließlich die Mitteldistanz in Hückeswagen am 11. August für einen Motivationsschub gesorgt. Sowohl beim Laufen als auch beim Schwimmen konnte Alessandro seine geplante Zeit übertreffen und daraus Vertrauen für die Langdistanz schöpfen.

Am 22. September stand schließlich der Höhepunkt für die Saison 2018 auf dem Plan: der Ironman Emilia Romagna. Der Tag lief perfekt für Alessandro und er konnte in allen drei Disziplinen seine anvisierte Zeit halten oder sogar unterbieten. Vor allem bei seiner „schwächsten“ Disziplin, dem Radfahren, konnte er seine und Caros Erwartungen mit einer Splitzeit von 4 Stunden und 53 Minuten übertreffen und legte so den Grundstein für einen erfolgreichen Renntag. Dass er sich mit seiner Endzeit von 09:15:43 Stunden und dem 5. Platz in seiner Altersklasse bereits sehr nah am Hawaii-Slot befand, krönte den Wettkampf in Italien und lässt auf nächstes Jahr hoffen.

Alessandros Statement zum Ironman-Wettkampf in Italien:

„Am Ende war ich nach für mich unglaublichen 9:15:43 im Ziel. Emotionen überwältigten mich einfach nur noch. Ich kann auch jetzt noch nicht beschreiben, wie ich darüber fühle. Die Qualifikation für Hawaii habe ich letztendlich um 5 Minuten verpasst. Bei der Slotvergabe war es mir im ersten Moment egal. Die Tage danach war ich doch ein wenig enttäuscht. Heute, ein paar Tage später, kann ich sagen, dass ich mehr als stolz bin. Die Zeit kann mir niemand nehmen, genau so wenig wie Platz 5 in der Altersklasse und Platz 47 Overall. Bis zu diesem Rennen dachte ich, dass Hawaii so gut unmöglich wäre. Jetzt weiß ich, dass Caro und ich das gemeinsam schaffen können und Hawaii weiterhin ein Traum ist, den wir realisieren können.“

 

Die Profi-Triathletin: Daniela Sämmler

Der Ironman Italien hatte für Daniela genau ein Ziel: die frühzeitige Qualifikation für den Ironman auf Hawaii in 2019. Durch das veränderte Qualifikationssystem für Profis in der neuen Saison zählen keine Punkte mehr, sondern ausschließlich Platzierungen, sodass mit dem Sieg der einzige Hawaii-Slot für die Frauen vergeben wurde.

Das Ziel war also klar: Nach einer hervorragenden Saison mit dem Sensationssieg bei der Challenge Roth, sollte in Italien das Ticket zur Weltmeisterschaft in Kailua-Kona gebucht werden.

Trainingsgestaltung

Die Saison von Daniela lässt sich eigentlich ganz grob in zwei Phasen einteilen: Bis zu den ersten Wettkämpfen im Mai und dann der Übergangsphase bis zum Saison-Highlight in Roth stand das tägliche Training im Fokus. Die groben Ziele: Die Manifestierung Dannis sehr guter Radleistung und die Verbesserung ihrer Laufform auf dem Weg zu einem 3-Stunden-Marathon.

Die zweite Phase der Saison kann schon fast nicht mehr unter die Kategorie Training fallen, da Daniela von Anfang Juli (Challenge Roth) bis zum Ironman Italien (22. September) auch noch am Ironman in Hamburg (29. Juli) teilnahm und sich damit eigentlich immer auf das nächste, anstehende Langdistanz-Rennen vorbereitete.

In diesen Phasen geht es für einen Profi weniger um den Ausbau physiologischer Baustellen, als vielmehr um die passende Erholung, Aktivierung und Detailoptimierung im Hinblick auf das nächste Rennen.

Wettkämpfe

Nach dem sensationellen Rennen in Roth und dem ernüchternden Ergebnis in Hamburg war es wichtig, den Fokus wieder vollständig auf Sieg zu stellen und die Konzentration bestmöglich hoch zu halten. Dabei sind auch für einen Vollprofi drei Langdistanz-Teilnahmen in einem Jahr – gerade auch innerhalb von drei Monaten – zu viel. Die frühe Qualifikation und die Planungssicherheit für 2019 waren aber Motivation genug, das Rennen um den Hawaii-Slot anzugehen.

Anders als bei Agegroupern sind End- oder Splitzeiten erstmal zweitrangig, der Blick auf die Konkurrenz ist deutlich entscheidender. So gestaltet sich eine Rennplanung zwar auch grob anhand von Leistungswerten auf dem Rad oder Minuten pro Kilometer beim Laufen, allerdings muss der Profi im Rennen deutlich häufiger agieren oder reagieren.

Nach einem suboptimalen Schwimmen konnte Daniela dann ihre Radstärke ausspielen, musste dafür aber auch einiges investieren. Das Ziel für den Radsplit war ein etwa 10-minütiger Vorsprung beim Wechsel auf die Laufstrecke, um den Marathon möglichst kontrolliert angehen zu können. Das gelang Daniela sehr gut und sie konnte den Vorsprung bis Kilometer 30 sogar auf phasenweise 17 Minuten auf die Verfolgerinnen ausbauen. Am Ende stand ein verdienter Sieg zu Buche, der aber viel härter erarbeitet war als es die Abstände vermuten lassen.

Daniela zum Rennen:

„Das war ein richtig richtig harter Tag. Sich für drei Langdistanzen in drei Monaten immer wieder im Training aufzuraffen, ist nicht einfach und erfordert viel Unterstützung von der Familie, den Freunden und dem Coach. Jetzt freue ich mich sehr über das Ticket nach Hawaii, die anstehende Saisonpause und die Vorbereitungen mit Björn auf eine spannende Saison 2019. Glückwunsch an alle Finisher, die sich heute ihre Ziele und Träume erfüllt haben und diesen tollen Tag genießen konnten. Aloha“

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Eins lässt sich in jedem Fall festhalten: sowohl für den Profi als auch den Agegrouper ist eine Langdistanz eine enorme körperliche Herausforderung und vermutlich für beide Lager gleich beanspruchend.

„In Italien war es toll zu sehen, dass wir mit Daniela und Alessandro zwei Sportler im Rennen hatten, die beide einen Plan verfolgt haben. Die gesteckten Ziele waren dabei ebenso wie die Vorbereitung kaum vergleichbar, ihre Erfolge konnten sie dann aber trotzdem in diesem Rennen feiern. Am Ende ist es genau das, was unsere tägliche Arbeit ausmacht: Sich immer wieder auf unterschiedliche Herausforderungen, Ziele und Persönlichkeiten einstellen und für und mit dem Sportler aus den gegebenen Voraussetzungen den bestmöglichen Erfolg herausholen. In Italien hat das super funktioniert und wir freuen uns sehr für die beiden“ so Björn Geesmann, Geschäftsführer von STAPS und Coach von Daniela, der das Rennen live an der Strecke verfolgen konnte.