Erfahrungen von Katrin Meyer bei der Challenge in Roth

In der vergangenen Woche haben wir Euch die Challenge Roth mit dem Bericht von Coach Björn zum Sieg von Daniela Sämmler näher gebracht. An dieser Stelle möchten wir ebenso all die Agegrouper huldigen, die in Roth, Frankfurt und bei allen anderen Rennen auf der Langdistanz eine tolle Leistung abliefern. Dazu haben wir für Euch einen Erfahrungsbericht von STAPS-Sportlerin Katrin Meyer, die ihr Langdistanz-Debüt in Roth in einer Zeit von 12:20:38h finishte. Katrins Erlebnisse am längsten Tag des Jahres:

Und auf einmal war er da. Der 1. Juli 2018. Der Tag, auf den ich die letzten sieben Monate hintrainiert habe. Der Tag der Challenge Roth. Der Tag meiner ersten Langdistanz, meines elften Triathlons überhaupt. Aber als Kölnerin ist diese Zahl irgendwie bezeichnend …

Es ist 5:00 Uhr, als ich aus dem Shuttlebus, der meine Mitstreiter und mich zum Schwimmstart brachte, verlasse. Es dämmert, die Lufttemperatur beträgt knackige 12 Grad. Ich biege von der Hauptstraße auf die Zufahrt zum Kanal, die eine 90 Grad Kurve beschreibt. Es ist das erste Mal an diesem Tag, dass ich kurz innehalten muss. Atmen. Die Sonne geht gerade über dem Kanal auf, epische Musik dröhnt aus den Lautsprechern. In der Wechselzone ist bereits emsiges Treiben. Und ich stehe da und weiß nicht, ob ich für den heutigen Tag bereit bin. Atmen.

Mein Rad hat die Nacht auch ohne mich gut überstanden. „George“ steht in perfekter Position, direkt am Mittelgang, gegenüber vom Aufstieg.  Noch einmal Luftdruck kontrollieren – passt. Ich klicke meine Schuhe ein, befülle meine Flaschen und platziere meine benötigte Verpflegung. Noch schnell den Radbeutel abgeben und schon ist über eine Stunde vergangen. Ich treffe kurz Björn und wärme mich in der Sonne auf. Kurz danach kommt auch schon Caro, die mich als Trainerin auf den heutigen Tag vorbereitet hat. Es kann nichts mehr schiefgehen. Es knallt, die Profis sind unterwegs. Caro gibt mir das Zeichen: Neo anziehen. Und viel zu schnell schickt sie mich auch schon auf die Reise. Ich verabschiede mich von meiner kleinen Supporter-Crew, die es zum Start geschafft hat. Atmen.

Es ist 7:00 Uhr. Ich stehe am Schwimmeinstig mit 250 anderen Ladies. Wir haben heute alle ein gemeinsames Ziel: Über uns hinauszuwachsen. Ich gehe ins Wasser, wo es deutlich wärmer ist als draußen und schwimme mit dem Pulk in Richtung Startline. Atmen. Der Schuss kommt und auf einmal geht alles von ganz selbst. Am Ende des Feldes positioniert, schwimme ich den Mädels vor mir hinterher. Ich schwimme mein Tempo, mit Kraft, lasse mich aber nicht mitreißen. Denn das ist eine meiner größten Ängste, dass mir die Luft ausgeht. Als schwache Schwimmerin habe ich noch viel Zeit vor mir. Als es nach 1,5 Kilometern um die erste Wendeboje geht, habe ich die Linie nicht perfekt getroffen, aber dafür kann ich dem Landkreis Roth nun ein 1-A GPS-Profil des Kanals zur Verfügung stellen. Den habe ich spitzenmäßig von links nach rechts vermessen. Der Rückweg läuft, ich bin besser drin. Die zweite Wendemarke ist gefühlt schneller da als die erste und schon bin am Ausstieg. Nicht schnell, aber ich habe meine Angstdisziplin hinter mir und stehe wieder mit beiden Beinen fest am Boden! Atmen.Erfahrungen von Katrin Meyer bei der Challenge in Roth

Ich laufe Richtung Wechselzelt, schnappe mir meinen Beutel und habe auch schon eine tolle Helferin neben mir, die mir meine Sachen abnimmt. Socken an, Brille und Helm auf und schon geht’s ab zum Rad. Den Weg kenne ich. Ich schnappe mir meinen „George“ und bin auch direkt am Start der Radstrecke. Aufgesprungen und ab geht die wilde Fahrt. Ich biege auf die Hauptstraße, an der schon so viele Leute uns Athleten auf die Strecke verabschieden. Nur noch 180 Kilometer. Atmen.

Schon nach der zweiten Kurve feuert mich der erste Teil meiner Crew mehr als lautstark an. Spätestens jetzt müssten alle wach sein. Doch dann bin ich mit Erfahrungen von Katrin Meyer bei der Challenge in Rothmir allein. Ich kenne die Runde von meiner Probefahrt, erinnere mich an viele Stellen und so vergehen die Kilometer gefühlt viel zu schnell. Es kommen der erste Hotspot in Greding, viel zu schnell der Kränzleinberg und schon bin ich zurück in Hilpoltstein. Und ich weiß, was jetzt kommt. Links und rechts von mir weisen mir die Drängelgitter den Weg, die grünen Werbebanner des Hauptsponsors leuchten in der Sonne. Ich biege ab und er ist vor mir: der Solarer Berg. Atmen. Tausende Menschen hinter der Absperrung jubeln uns entgegen. Atmen. Ich gucke den Anstieg hoch, die Absperrgitter hören weit hinten auf und ich sehe nur noch Menschen. Sie verschlucken die Straße und die Athleten sprichwörtlich. Man sieht nichts anderes mehr. Atmen. Ich sprinte an den beiden Triathleten vor mir vorbei, damit ich am Anstieg mein Tempo fahren kann. Es wird immer enger, der Anstieg steiler. Es ist kaum in Worte zu fassen. Die Fans an der Strecke tragen uns förmlich den Berg hinauf, sie feuern an, klatschen, klopfen einem auf die Schulter, machen Heiratsanträge. Ja, definitiv ein Moment, in dem einem die Tränen kommen. Wahnsinn! Atmen. Denn du darfst heute noch einmal hier hoch. Geil!

Auch die zweite Radrunde vergeht viel zu schnell. Ich halte mich an die abgesprochenen Wattbereiche, versuche konstant zu fahren. Nach und nach sammele ich immer mehr Mädels ein. In den wenigen Momenten, in denen ich merke, dass es sich etwas schwerer anfühlt, erinnere ich mich an die Worte von Björn: Bleib geduldig. Bleibe ich, denn schließlich darf ich gleich Laufen. Meine Supporter tauchen immer wieder unverhofft an der Strecke auf. Bis auf die Biermeile, da habe ich die Mädels vermutet … Schnapsdrosseln … Und ruck zuck ist es vorbei. Ich bin angekommen. In Roth. An der Wechselzone 2. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich 180 km Rad gefahren. Atmen.

Ich springe – mehr oder weniger elegant – von meinem Rad. Ein Helfer nimmt es mir ab. Ich finde meinen Beutel direkt, stehe im vollkommen überfüllten Wechselzelt und bin spontan überfordert. Eine Helferin nimmt mir meinen Beutel aus und mich an die Hand und schon sitze ich auf einer freien Bank. Sie hilft mir, meine Laufsachen anzuziehen. Die Griffe sind geübt und nach drei Minuten schickt sie mich los auf die Laufstrecke. Es ist geschafft. Nur noch Laufen. Nur noch 42 Kilometer bis ins Ziel. Krass. Ich kann es nicht fassen. Atmen.

Meine Beine sind schwer, der Hintern brennt (Videoaufzeichnungen dokumentieren eine nicht ganz so diplomatische Ausdrucksweise zur Verfassung meines Hinterteils). Wie immer laufe ich viel zu schnell an: 5:40er Schnitt hat Caro gesagt, die Uhr zeigt 4:14… Langsam! Bleib ruhig. Atme! Ich finde meinen Rhythmus. Und schon sind sie wieder da: meine Supporter. Und ich weiß, dass sie es sind, die mich – gemeinsam mit den vielen anderen Triathlon-Erfahrungen von Katrin Meyer bei der Challenge in RothFans – ins Ziel tragen werden. Unser Plan geht auf, ich halte mein Tempo im Bereich von 5:30 bis 5:40. Doch die Beine werden schwerer. Die LäuferInnen neben mir fangen an zu gehen. Soll ich das auch tun? Nein. Doch bei Kilometer 19 kommt die erste Erschöpfung. Ich muss kurz gehen. Gleich kommt eine Verpflegungsstelle. Ich trabe wieder los, reduziere mein Tempo, denke nun von Versorgungsstation zu Versorgungsstation. Alle zwei Kilometer eine kleine Pause, um mich zu vernünftig zu verpflegen. „Verpflegung mit hoher Energiedichte!“ kommt es vom Chef am Rand. Es läuft und läuft und läuft. Nicht so schnell wie erhofft, aber ich laufe. Im Gegensatz zu vielen anderen. Immer wieder sind meine Leute da, schreien mich an, laufen ein Stück mit, motivieren mich, sind für mich da. Ich muss zu diesem Zeitpunkt einfach nur noch laufen. Und so geht es dem Ziel entgegen. Die vielen Zuschauer sind noch immer an den Hotspots der Strecke und sorgen für Gänsehaut. Noch zwei Kilometer, noch einer, ich bin da. Das Eventgelände. Ich biege links ab, die Massen drängen sich an die Gitter, rufen unsere Namen. Atmen.

Erster Torbogen. Ich sehe den Einlauf ins Station. Nummer noch mal kontrollieren und nun ist er da, dieser Moment, der die letzten sieben Monate bestimmt hat. Auf den Rängen jubeln die zahllosen Zuschauer. Ich sehe meine Leute. Sie sind alle da. Sie lassen Konfetti für mich regnen. Eine letzte Ehrenrunde durch das Stadion. Genießen. Eine Stimmung, die ihresgleichen sucht. Mehr kann es vermutlich nicht geben. Ich bin da, ich bin im Ziel. Ich bin ein Challenger. Atmen!

Katrins Erlebnisse rund um den Triathlon kann man am besten auf ihrem Instagram-Account verfolgen!

Erfahrungen von Katrin Meyer bei der Challenge in Roth