Fitting Fahrplan Tipp #1

Jan Frodeno oder Egan Bernal sind Weltklasse-Athleten, die in ihren Spezialdisziplinen eine individuelle Aero-Position nahe dem Optimum haben müssen, um erfolgreich zu sein und siegen zu können. Aber wie genau sieht der Weg zu einer aerodynamischen Position auf dem Zeitfahrrad aus? Wir haben für dich die entscheidenden Tipps zusammengestellt, um dich richtig schnell zu machen - und hier kommt Tipp #1!

Der Athlet erzeugt 80% des Luftwiderstands

Wenn es um die Ersparnis von Leistung oder allgemein um die Aerodynamik des Setups aus Sportler und Rad geht, denken die meisten zunächst an Optimierungen beim Material. Dies ist aber nicht die beste Herangehensweise, denn sie missachtet den gemessenen größten Widerstand im Wind: den Athleten selbst. Je nach Sitzposition und Körperkonstitution entfallen 70 bis 80 Prozent des kompletten Luftwiderstands auf den Athleten. Eine Größenordnung, die jeden Athleten dazu bewegen sollte, zuallererst an seiner Position feilen zu lassen, bevor er sich mit dem Material-Tuning befasst.

Damit auch du an dir und den 70 bis 80 Prozent Luftwiderstand, die du verursachst, arbeiten kannst, haben wir den STAPS Fitting-Fahrplan erstellt. Schau dir im weiteren Verlauf den ersten Tipp an, der dich näher an deine perfekte Aero-Position bringt.

Fitting Fahrplan_dynamische Analyse

Tipp #1: Dynamische Bewegungsanalyse im Labor

Wenn Artikel in Magazinen oder Beiträge in Foren sich dem Thema Aerodynamik annehmen, dann liegt der Fokus in den allermeisten Fällen auf Hochprofil-Laufrädern, windschlüpfrigen Rahmen, Zeitfahr-Helmen oder -Anzügen. Den mit Abstand größten Effekt auf den Luftwiderstand hat allerdings die Position des Athleten selbst. Auch wenn es vielleicht nicht so sexy klingt, aber die Optimierung der eigenen Position beginnt nicht etwa im Windkanal oder Velodrom, sondern im Fitting-Labor. Und auch eine schmale Arm- oder eine tiefe Kopfhaltung dürfen nicht die ersten Ansatzpunkte einer Aero-Optimierung sein.

Zuallererst geht es um die Basics wie beispielsweise Sitzhöhe, Nachsitz, Sattelneigung, Cleat-Position, Gelenkwinkelanalysen sowie einen körperlichen Funktionstest, um die Beweglichkeit zu analysieren – den Movement-Screen.

Fitting-Fahrplan

Denn eine schnelle aerodynamische Position kann nur auf ein gutes Fundament gebaut werden. Zu diesem Fundament gehört eine stabile Position auf dem Rad, die eine optimale Kraftübertragung überhaupt erst zulässt und zudem – in Abhängigkeit der sportlichen Disziplin – auch „komfortabel“ sein sollte. Jede noch so aerodynamische Position verliert ihre Wirkung, wenn der Sportler diese nicht lange halten kann oder einen hohen muskulären Mehraufwand betreiben muss, um diese einzunehmen beziehungsweise sich „klein“ zu machen.

Für uns bei STAPS gilt immer der Grundsatz, Maßnahmen nur zu ergreifen, die wir im Vorher-Nachher-Vergleich überprüfen können. Genauso handhaben wir es bei unseren Bike-Fittings: Die dynamische Bewegungsanalyse wird „quantifiziert“ über Videoanalysen der Gelenkwinkel und Druckmessungen an den drei Kontaktstellen zwischen Sportler und Rad (Sattel, Schuh, Armauflage). Eine Analyse der körperlichen Beweglichkeit ist zu Beginn des Fittings obligatorisch, um die Schwachstellen des Athleten festzustellen.

BikeFitting Druckmessfolien

Über Druckmessfolien im Sattel, in den Schuhsohlen und den Armpads erhalten wir in Echtzeit sofort Informationen darüber, ob das Becken stabil im Sattel ‚sitzt‘ und ob sich beim Anpassen von beispielsweise der Sitzhöhe oder dem Nachsitz die Kraftübertragung verändert.

Das biomechanische Fundament zur Optimierung der Aero-Position wird also im Labor gelegt. Bis dato haben wir im Velodrom oder Windkanal mit keinem Athleten, egal welcher Leistungsklasse, gearbeitet, der bereits als Voraussetzung des Aero-Tests eine perfekte Sitzposition innehatte. Daher gilt: Erst die Stabilität in Kombination mit der Kraftübertragung, dann die Aerodynamik!

Fitting Aerodynamik

Alle Fotos von Ina Rohden.