Beitragsbild_AeroFitting_Alex Siegmund

Alex Siegmund ist mittlerweile Stammgast bei uns im Hamburger Institut. Ob zur Leistungsdiagnostik Triathlon RED, zur Überprüfung seiner Sitzposition mit einem BikeFitting oder zum gemeinsamen Ironman Hawaii gucken - Sockensieggi dürfte sich inzwischen bei uns in den Räumen gut auskennen. Mit unserem AeroExperten Jonas war er jedoch bislang nicht auf der Radrennbahn zum AeroFitting und so hieß es Anfang Januar für Alex: irgendwann ist immer das erste Mal! In seinem Erfahrungsbericht gibt er spannende Einblicke, wie der AeroFitting-Tag für ihn lief:

Hallo, ich bin Alex Siegmund, 29 Jahre jung und seit knapp fünf Jahren im Triathlonzirkus aktiv. Spätestens seit meinem Wechsel auf die Langdistanz in 2018 beschäftige ich mich intensiv mit Themen wie der Aerodynamik, Trainingsplanung oder dem richtigen Material. Alleine in den letzten 14 Monaten habe ich drei Leistungsdiagnostiken im STAPS Labor in Hamburg absolviert, ein AeroFitting habe ich selbst aber noch nie gemacht. Das sollte sich am 12. Januar 2020 ändern..!

Zur kurzen Einordnung der folgenden Informationen und Werte, kommen hier ein paar nackte und nüchterne Zahlen:

  • Langdistanzen: 2 (Challenge Roth 2018 & 2019)
  • Langdistanz Bestzeit: 8:40 Stunden (Challenge Roth 2019)
  • Rad Bestzeit Langdistanz: 4:36 Stunden (Challenge Roth 2019, NP: ca. 270w)

BikeFitting Alex Siegmund

Vorarbeit im September

Die Vorbereitungen auf das eigentliche AeroFitting begannen schon vor mehreren Monaten. Im September war ich zum BikeFitting im Hamburger STAPS Labor und habe mit BikeFitter Yannick auf meine Position geschaut. Diese war durch vorangegangene, professionelle Fittings und meine vernünftige Athletik/Beweglichkeit zwar schon gut, ein paar effektive Anpassungen hat Yannick dennoch vorgenommen. Herausgekommen ist dabei eine stabilere Position mit deutlich besserer Druckverteilung auf dem Sattel. Die Grundvoraussetzung für das aerodynamische Finetuning auf
der Radrennbahn in Büttgen.

BikeFitting Alex Siegmund
Im Vorfeld des Tests habe ich bereits intensiv mit AeroExperte Jonas kommuniziert, ihm meine Erfahrungen, meine aktuelle Position und Equipment mitgeteilt, das ich gerne testen würde. Durch diesen Austausch hatte Jonas gemeinsam mit seinem Kollegen Niklas bereits eine Idee, woran wir arbeiten können. Gemessen an der am Ende doch knappen Zeit, ist diese Vorarbeit von Jonas Gold wert gewesen..!
Im Dezember 2018 war ich bereits einmal im Velodrom, jedoch nur als Supporter. Die steilen Kurven haben mich jedoch schon damals beeindruckt und - da bin ich ehrlich - etwas eingeschüchtert. Ich wusste also was auf mich zukommt, wie ein solcher Test abläuft und, dass er auch körperlich anstrengend ist.

BikeFitting Alex Siegmund

Messung der Baseline

Vor den ersten Testdurchgängen durfte ich mich erst einmal einfahren. Auf den ersten Runden im Velodrom überwiegte vor allem der Respekt vor den Kurven. Anders gesagt: ich hab mir ins
Hemd gemacht… „Geschwindigkeit gibt Sicherheit“, hat Jonas mir mit auf den Weg gegeben. Gesagt, getan: also kräftig in die Pedale getreten und versucht mit der Neigung der Kurven „zu spielen“, also mich reinzulehnen. Nach ein paar Runden war ich aufgewärmt und die Angst größtenteils weg. Zeit also für die Baseline-Messung, also das Messen der Aerodynamik (abgebildet mit einem CdA-Wert) der aktuellen Position. Darauf basierend werden anschließend Verbesserungen (oder auch Verschlechterungen) festgestellt.

AeroFitting Alex Siegmund

Position first, Equipment second

Was mich positiv überrascht hat, war die Chronologie des Tests. Bevor wir das (zum Teil teures) Equipment getestet haben, ging es erst einmal an die Position (das heißt: Körperhaltung) und
Grundeinstellung des Cockpits. Wir haben den Sitz verlängert, die Pads weiter gestellt, nach vorne geschoben und nach jeder Veränderung einen Testdurchgang absolviert. Jeder Durchgang dauert ca. 12 Runden mit je 250 Meter und endet mit einem bangen Blick zum AeroExperten, der die Zahlen analysiert. Immer wieder hat mir Niklas erklärt worauf es bei der „aktiven Haltung“
ankommt: Den Rücken flach machen, den Kopf runter nehmen. Dadurch wird die Angriffsfläche, die ich dem Wind gebe, reduziert und folglich die Aerodynamik verbessert.
Das Schöne an diesem Vorgehen ist, dass solche Veränderungen a) kein Geld kosten und b) mit der Zeit weiterhin perfektioniert werden können. Die „aktive Position“ besser umsetzen und länger
halten zu können, kann trainiert werden. Über die Zeit kann hier also weiterhin gespart werden, während zusätzliches Equipment einen einmaligen Vorteil verschafft.

AeroFitting Alex Siegmund

7 Watt Ersparnis durch verbesserte Haltung

Ganze sieben Watt konnten wir im Vergleich zu einer schon guten Position herausholen. Die Veränderungen des Cockpits waren minimal - der Großteil der Veränderungen kam durch eine bewusstere Haltung auf dem Rad. Ein erster Erfolg der ersten Durchgänge, die bei einer konstanten Wattzahl im wettkampfrelevanten Bereich (ca. 280w) durchgeführt wurden. Nach Finden der schnellsten Position ging es an das Equipment. Diese Reihenfolge macht schon deshalb Sinn, weil beispielsweise Helme in unterschiedlichen Positionen anders abschneiden. Fünf unterschiedliche Helme und drei Einteiler haben wir getestet und miteinander verglichen. Mein aktueller Helm lag dabei genau in der Mitte. Zwei Modelle waren drei bzw. sechs Watt schneller, der Rest etwas langsamer. Gerade beim Helm kommen natürlich noch andere Faktoren wie das Sichtfeld, die Geräuschkulisse und der Komfort ins Spiel. Zu wissen welcher Helm bei meiner Position wie schnell ist, erleichtert die Kaufentscheidung (oder das Festhalten an meinem Helm) ungemein.
Beim Einteiler konnte ich nichts mehr sparen. Der Fe226 Einteiler war im Vergleich der drei Modelle der schnellste, sodass ich dort keine Veränderungen vornehmen werde. Die Gewissheit
zu haben, dass in diesem Bereich keine Kompromisse eingegangen werden, ist cool und motiviert mich.

Positives Fazit eines langen Tages

Rund viereinhalb Stunden lang war mein Test. Dabei bin ich rund 45 Kilometer im Kreis gefahren, also knapp 180 Runden. „Sparen“ konnte ich im besten Fall 13 Watt gegenüber meiner Ausgangsposition. Mit Sicherheit fallen manche Tests spektakulärer aus und können auch in den Bereich von 30 Watt und mehr gehen. Gemessen an meiner bis dato schon guten und recht aggressiven Position bin ich jedoch vollkommen zufrieden. In dem Leistungsbereich, in dem ich mich bewege, wird die Luft allmählich dünner und ein Leistungsgewinn von 13 Watt ist durch Training innerhalb eines Jahres als Age-Grouper mit begrenztem zeitlichen Budget eigentlich kaum zu realisieren. Im Falle des AeroFittings haben wir dieses Ergebnis in viereinhalb Stunden erreicht. Mit dem Training der Position bin ich außerdem zuversichtlich, dass ich weitere Watt sparen kann, weil Jonas und Niklas mir genauestens mitgegeben haben, worauf es bei der Position ankommt. Diese Expertise allein und das Validieren durch wissenschaftliche Tests ist in meinen Augen noch wertvoller als das Wissen um das schnellste Material.

Vielen Dank an dieser Stelle an STAPS, hauptsächlich an Björn, Yannick, Jonas und Niklas. Ich werde meine Hausaufgaben machen und hab einen neuen Ohrwurm fürs kommende Training: „Rücken flach, Kopf runter!“

Niklas Lehnen AeroFitting

Fotorechte: Ina Rohden