Vor jeder Optimierung der Aeroposition empfehlen wir ein BikeFitting, um eine stabile Basis für die Position zu legen.

Egal, ob man Rennrad- oder Triathlonzeitschriften durchblättert, Foren durchstöbert oder einem die Werbeslogans der Fahrradbranche ins Auge stechen; eine Botschaft ist immer gleich: „Aero is everything!“ Frei übersetzt: Aerodynamik ist alles. Mittlerweile wird nicht mehr nur proklamiert, um wieviel Watt das eine Laufrad schneller ist als das andere. Selbst der Bierbauch wird seziert und auf seine aerodynamischen Eigenschaften getestet. Dabei steht eine Frage über allem: Wieviel Watt spare ich ein?

Aber ist diese reine Leistungsersparnis bei einer definierten Geschwindigkeit wirklich immer „everything“? Nein, überhaupt nicht. Denn die aerodynamischste Position und das strömungsgünstigste Material ist erst dann „alles“, wenn sie mit der Biomechanik des Athleten „matcht“. Was nützt einem Ironman-Starter die „schnellste“ Position, wenn er diese nur für wenige Minuten halten kann? Was bringt das im Windkanal hervorragend getestete Laufrad für Vorteile, wenn es nicht mit dem Rahmen harmoniert? Solche Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.

Alles muss bei der Suche nach der optimalen Position und dem dazu passenden Materialsetup berücksichtigt werden. Denn auch das Equipment wie Helm, Anzug und Laufräder werden von der Position des Athleten auf dem Rad extrem beeinflusst. ABER: Gerade, was das Material betrifft, muss eines in aller Deutlichkeit erklärt werden. Mensch und Material machen zwar 70 bis 80 Prozent des Luftwiderstandes aus. Aber der Mensch beziehungsweise seine Position auf dem Rad sind hier die größte Bremse. Nicht etwa der Helm oder Trikot und Hose.

70 bis 80% des Luftwiderstandes gehen vom Athleten selber aus, nicht vom Aero-Helm oder Aero-Anzug

Mit unserem STAPS getAERO bieten wir einen Aerodynamiktest, der all die unterschiedlichen Faktoren dynamisch berücksichtigt; während der Fahrer also Druck auf das Pedal bringt und Vortrieb erzeugt. Denn was nützen Windkanaltest, wenn der künstlich erzeugte Wind in einem bestimmten Strömungswinkel auf Maschine und Mensch trifft, der vielleicht sogar noch statisch auf dem Rad sitzt. Entscheidend ist doch, was das sich bewegende dynamische System aus Mensch, Maschine und Material für Widerstände erzeugt und wie sich diese verringern lassen. Lest dazu auch unseren Beitrag zur Aero-Revolution!

Mit unserem innovativen Aerodynamiktest ermitteln wir – unter Einbeziehung aller Parameter – folgende Werte: In welcher Haltung bringt der Athlet die meisten Watt aufs Pedal? Wie verteilt sich der Druck auf die Kontaktpunkte am Sattel, den Armpads beziehungsweise dem Lenker und Schuhsohle? Welche Position auf dem Rad vereint das Beste aus all diesen Messungen sowie Untersuchungen und ist überdies noch aerodynamisch günstig. Um all das für jeden Sportler ganz individuell herauszufinden, beginnen wir mit unserem Aerodynamiktest anders als gedacht nicht auf der Radrennbahn, sondern beim Bikefitting im Labor.

Vor jedem BikeFitting sollte ein Physio-Check erfolgen, der die Verkürzungen und Einschränkungen des Sportlers offen legt.

Erst der Physio-, dann der Aerodynamik-Check!

Je tiefer das Cockpit, desto besser? Je runder der Rücken, desto aerodynamischer? Zugegebenermaßen sind das rhetorische Fragen, die klar mit Nein beantwortet werden können. Denn all diese Fragen vernachlässigen das Wichtigste: das Individuum – den Sportler.

Bevor überhaupt aerodynamische Veränderungen an Mensch und Maschine vorgenommen werden, sollte überprüft werden, welche biomechanischen und physiologischen Eigenschaften der Radsportler oder Triathlet überhaupt mitbringt. Die eigene Athletik sollte zuallererst auf dem Prüfstand stehen. dabei sollte gecheckt werden, welche Range of Motion – die komplette Bewegungsamplitude – inklusive Mobilität, Flexibilität und Stabilität – der Sportler mitbringt.

Liegen beispielsweise Asymmetrien oder Dysbalancen vor? Sind bestimmte Muskelgruppen aufgrund jahrelanger, einseitiger Belastungen verkürzt? Oder wird der Bewegungsablauf aufgrund früherer Verletzungen oder Erkrankungen eingeschränkt?

Wir empfehlen unseren Sportlern daher ausnahmslos immer, mit uns vor dem Aerodynamiktest ein BikeFitting durchzuführen, bei dem eben solche Fragen beantwortet und im Weiteren (Aero)-Fittingprozess berücksichtigt werden.

Vor jeder Optimierung der Aeroposition empfehlen wir ein BikeFitting, um eine stabile Basis für die Position zu legen.

Dynamische Bewegungsanalyse im Labor – das PREAERO-Fitting

Eine schnelle aerodynamische Position kann nur auf ein gutes Fundament gebaut werden. Zu diesem Fundament gehört eine stabile Position auf dem Rad, die eine optimale Kraftübertragung überhaupt erst zulässt und zudem – in Abhängigkeit der Disziplin – auch „komfortabel“ sein sollte. Denn jede noch so aerodynamische Position verliert ihre Vorteile, wenn der Sportler diese nicht lange halten kann oder einen hohen muskulären Mehraufwand betreiben muss, um diese einzunehmen beziehungsweise sich „klein“ zu machen.

Mit einer dynamischen Bewegungsanalyse wird über Videoaufnahmen der Gelenkwinkel und per Druckmessungen an den drei Kontaktstellen zwischen Sportler und Rad (Sattel, Schuh, Armauflage) die Position „quantifiziert“. Über Druckmessfolien im Sattel, in den Schuhsohlen und den Armpads erhalten wir sofort Informationen darüber, ob das Becken stabil im Sattel ‚sitzt‘. Nur ein stabiles Becken kann auf Dauer den Beinen ermöglichen, permanent Leistung zu erzeugen – ohne unnötige Verluste.

Das biomechanische Fundament zur Optimierung der Aero-Position wird also im Bikefitting-Labor gelegt. Bis dato haben wir im Velodrom oder Windkanal noch keinen Athleten erstmalig angetroffen, der bereits eine perfekte Sitzpostition innehatte. Daher gilt: Erst die Stabilität in Kombination mit der Kraftübertragung verbessern und die Basis legen, dann die Aerodynamik optimieren!

Auch bereits beim BikeFitting lassen sich Sekunden im Aerobereich sparen

 Sekunden sparen beim Bikefitting

Aerodynamikerkenntnisse können nicht nur im Velodrom, sondern auch im Labor gewonnen werden. Wir haben für Euch ganz konkrete Beispiele, die wir während des PREAERO-Fitting mitberücksichtigen:

Sitzhöhe

Natürlich würde man seine Sitzhöhe nicht künstlich absenken, um mehr „aero“ zu sein. Aber eine tiefere Sitzposition hat nachweislich positive Effekte auf die Reduzierung des Luftwiderstands.

Sattel – Nachsitz, Neigung und Shape

Die Einstellung als auch die Wahl des Sattels haben immensen Einfluss auf die Aerodynamik. Sitzt man auf diesem unkomfortabel, rutscht man häufiger auf diesem rum oder begibt sich aus der Aeroposition heraus in den Basebar. Speziell jeder Triathlet sollte hinterfragen, wieviel Zeit er in einem Wettkampf dann doch auf dem Basebar verbringt und ob er diese Zeit nicht einfach und schnell durch eine optimale Sitzposition mit passender Sattelwahl lösen kann.

Cockpithöhe

Natürlich kann es große Vorteile haben, das Cockpit abzusenken. Aber wie tief kann man dieses einstellen, ohne an Sattel-Stabilität oder Kraftübertragung einzubüßen? Eine Frage, die sich im Labor sehr gut beantworten lässt.

Kurbellänge

Eine kürzere Kurbel hat bis zu einer gewissen Länge eigentlich keine Auswirkungen auf die Kraftübertragung, da das verringerte Drehmoment zumeist mit einer höheren Tretfrequenz ausgeglichen wird. Große Vorteile hat eine kürzere Kurbel aber zum Beispiel auf den Hüftwinkel zwischen Oberschenkel und Oberkörper, da dieser sich mit einer Reduktion der Kurbellänge vergrößert. Dadurch ergibt sich Potential, das Cockpit weiter zu senken oder den Sportler „länger“ zu setzen und ihn so aerodynamischer zu machen.

Armpadbreite

Eine Verkleinerung der Frontalfläche steht häufig mit einem Aero-Gewinn in Zusammenhang. Im Labor lässt sich zum Beispiel bestimmen, wie schmal der Abstand zwischen den Armpads gewählt werden kann und wie sich der Druck auf diese durch Veränderungen verteilt. Auch lässt sich unter Laborbedingungen überprüfen, ob Einschränkungen speziell im Brustbereich oder auf die Atmung vorliegen.

Die Aero-Revolution im Triathlon und Radsport – der STAPS getAERO

Zeit, die Aerodynamik im Velodrom in „freier Fahrt“ zu optimieren

Das Fundament ist jetzt gelegt, die reine Verbesserung der Aerodynamik ist an der Reihe! Durch eine stabile Position auf dem Rad kann der Sportler sein volles Aero-Potential ausschöpfen. Dabei kennt der Aero-Fitter schon die körperlichen Stärken und Schwächen des Sportlers und weiß aus der Erfahrung des BikeFittings, wie aggressiv er die Position ausreizen kann, ohne dabei an Komfort, Stabilität oder Kraftübertragung Einbußen zu riskieren.

Die Aerodynamik des Sportlers –ausgedrückt in seinem CdA-Wert (Luftwiderstand) – ist das Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. Eine Position kann nur aggressiv-aerodynamisch sein, wenn das Fundament stabil ist. Das Cockpit kann vor allem dann optimiert werden, wenn der Hüftwinkel angepasst ist und Potential für Veränderungen bietet. Und am Ende ist eine Verbesserung der Aerodynamik nur dann sinnvoll, wenn die Position vom Athleten auch gehalten und gefahren werden kann. Is aero everything? Jein – nur, wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen sind! Richtig muss es heißen: Performance is everything! Und da nimmt die Aerodynamik einen entscheidenden Anteil von ein.

Wir haben für Euch 5 Tipps auf dem Weg zur perfekten Aeroposition gesammelt: Der STAPS Advisor #2!

 

Photocredit Patrick Lange und Bart Aernouts: Christian Siedler

Photocredit Andi Böcherer: Marcel Hilger