#ThrowbackThursday: Rückblick auf das RAAM 2014

#ThrowbackThursday: Passend zum aktuell laufenden Race Across America blicken wir zwei Jahre zurück. Unkommentiert und in der Originalfassung hier der erste Fazit-Versuch nach der Rekordfahrt des Heinemann XP-Teams:

Was für ein verrücktes Radrennen?!

Hallo an alle,

das Rennen ist vorbei. Wir haben gewonnen. Und wir haben den neuen Rekord für das 2er-Team! Aber eins nach dem anderen...

Tag 3 und 4 waren ok, aber nicht unbedingt auf Sieg-Kurs. Nach dem leider die Biking Vikings ausgeschieden sind, lagen wir zwar in unserer Altersklasse in Führung, hatten aber mit den "Flying Cyclasana Beasts" ein weiteres 2er-Team der älteren Altersklasse (50-59) vor uns. Eine Sache, die uns so irgendwie überhaupt nicht gefallen hat.

Am 4. Tag wussten wir, dass wir für einen neuen Impuls sorgen mussten und die Crew etwas verändern mussten. Ich habe dann am 5. Renntag in der Tagschicht in Axels Crew gewechselt und versucht, ihn nach dem ein oder anderen Durchhänger zurück in seinen Rhythmus zu holen. Die Flying Cyclasana Beasts waren teilweise aber auch schon über 2,5h vor uns und wir hatten die Augen zunächst erstmal auf der Verteidigung der Führung in der AK 18-50.Race Across America | Heinemann XP

Am 5. Tag habe ich versucht, Axel mit Hilfe seines Powermeters zurück in den Race-Modus zu bekommen. Seine erste Aufgabe für den ersten 2h-Turn: 1.200 kJ zu verbrauchen. Das sind in etwa 166 W im Durschnitt. Klingt nicht nach viel, wir hatten zuvor aber Turns, bei denen das nicht gelungen ist. Nachdem ihm im ersten Turn 50 kJ fehlten, war die Ansage für den zweiten Turn klar: 1.200 kJ + die 50 fehlenden kJ zu verbrauchen. Nach 164W und 177W, beendete Axel den dritten und letzten Turn in der Tagschicht mit 188 W im Durchschnitt.

Parallel dazu legte Anders einen wahnsinnigen Ritt nach dem anderen hin. Bis hin zu über 260W im Durchschnitt, teilweise noch am 6. Renntag.

Wir konnten also den Abstand nach hinten vergrößern und uns war am Anfang des 6. Tages klar, dass wir eigentlich nicht mehr eingeholt werden können. Nach vorne verringerte sich der Vorsprung der Flying Cyclasana Beasts in jeder Schicht um etwa 20-30min. Und dann begann der vielleicht verrückteste Renntag, den ich je erlebt habe:

Morgens um 6 Uhr begann meine Schicht. Etwas früher als geplant und zunächst bei Anders im Auto, da die Nachtschicht ziemlich müde war. Am Vorabend hatten wir noch über 1,5h Abstand, am Morgen dann nur noch 1h und 4 Minuten. Uns war klar, dass wir jetzt ziemlich viel auf Karte setzen mussten um  am Ende nicht nur den Rekord unserer AK, sondern den Gesamtrekord einzusammeln.

Wir haben Axel und Anders also nochmal voll angetrieben. Es gab fast keinen Turn mehr unter 200W im Durchschnitt und wir konnten den Abstand immer weiter verringern.Race Across America | Heinemann XP

Zu den Flying Cyclasana Beasts sei gesagt, dass die beiden Jungs ganz erfahrene RAAM-Starter sind. Einer der Fahrer ist Joel Sothern, der Sportler mit den meisten Rekorden beim RAAM. Die Jungs waren wirklich eisenhart...

An der Time Station in Hanover, PA - also knapp 90mi vor dem Ende - bekamen wir die Jungs in Sichtweite und waren die ersten Meilen direkt hinter ihnen. Nach über 2.900 mi hatte das Rennen also "so richtig" begonnen und es entwickelte sich ein Schlagabstausch, der uns wirklich alles abverlangt hat.

Wir haben die beiden etwa bei Meile 2.930 überholt und haben einen Vorsprung von 2 Minuten rausgefahren. Es wurde dunkel und wir waren langsam aber sicher ziemlich alleine auf der Strecke, auch ohne viel Verkehr. 10 Meilen vor der Time Station in Mt. Airy, MD rauschten dann aber die Flying Beasts an uns vorbei, mit dem dezenten, aber deutlich artikuliertem Hinweis: "It's time to play, guys!!!". Die Jungs waren definitiv heiß, auf ein ganz verrücktes Finish.

Axel gaben wir die Anweisung, dass er bis zur Time Station in Mt. Airy, MD erstmal nur direkt hinter den Jungs bleiben sollte. Wir waren uns zwar sicher, dass wir die stärkeren Fahrer haben, die Jungs der Flying Beasts waren aber wirklich unberechenbar. Taktisch haben wir uns einiges zurecht gelegt: Wir haben uns detailliert die kommenden Profile ausgerechnet, abgewogen ob wir die Zeitfahr-Räder oder die normalen Rennräder verwenden und haben uns dann auf den sehr wichtigen Wechsel in Mt. Airy vorbereitet, bei dem wir Anders wieder ins Rennen geschickt haben.

Der Wechsel hat perfekt funktioniert, die Flying Beasts waren weiterhin - bis auf 100m Sicherheitsabstand - vor uns und wir wollten erstmal dran bleiben. Ganz wichtig war die Erkenntnis, dass wir hinter den Jungs in Oceanside gestartet sind. Das heißt, dass unsere Racetime (die am Ende zählt) quasi noch um 2min kürzer war. Wir wollten die Jungs also so lange verfolgen und sie uns so zurecht legen, dass wir sie endgültig müde machen.

Anders - wie eigentlich kaum anders zu erwarten - fuhr nahezu Anschlag hinter der Konkurrenz her, bis ich irgendwann über Funk die Ansage von Rene bekam, dass Anders platt war und richtig kämpfen müsse. Ganz ehrlich: Ich hab mich darüber richtig gefreut. Mir war ganz klar, dass wenn Anders, der in den 6 Tagen Race Across America einen unfassbaren Ritt nach dem anderen hingelegt hat, kaputt ist, dann müssen die Flying Beasts gleich komplett eingehen.Race Across America | Heinemann XP

Und genau das passierte: Nach etwa 15 Meilen zwischen Mt. Airy und Odenton haben die Flying Beasts ihr Aufbäumen beendet und konnten einfach nicht mehr mithalten. Anders ist noch 5 Meilen mit Druck bis zum nächsten Wechselpunkt gefahren, wo wir Axel in einer leicht welligen Abfahrt wieder ins Rennen geschickt haben. Axel haben wir keine Ansage über den Rennstatus gemacht und ihm vorgegeben, dass die Jungs in Reichweite sind. Als Axel dann bis zur Time Station in Odenton, MD knapp 23 Meilen pro Stunde im Durchschnitt gefahren ist, war uns klar, dass wir das Rennen gewinnen werden und auch den Rekord brechen werden.

Wir wurden dann ab Ortseingang Annapolis von einem Official ins Ziel begleitet, beide Radfahrer konnten die letzten 5 Meilen in einer neutralisierten Zone genießen und die Anspannung war endlich vorbei.

Unterm Strich ein unfassbar verrückter letzter Tag. Axel und Anders sind ein beeindruckendes Rennen gefahren, aber auch die Flying Beasts, mit denen wir hinter noch ein Bier zusammen getrunken haben, haben eine sensationelle Leistung abgeliefert. Das war wirklich ganz großer Radsport...

In den nächsten Tagen werde ich mal versuchen mit einer sicheren Internetverbindung ein paar mehr Fotos hoch zu laden und noch etwas über das Rennen zu schreiben. Wir packen jetzt und fahren dann zur Party und zum Empfang im Zielbereich.

Die letzte Woche war wirklich toll, wir hatten im Team unendlich viel Spaß und haben alle unser Bestes gegeben. Eine echt sensationelle Erfahrung, die dann auch noch sehr erfolgreich geendet ist.

Bis bald,

Björn

Race Across America | Heinemann XP