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Laila Orenos - Sieg beim Ötztaler Radmarathon 2017

Rennanalyse Laila Orenos Ötztaler Radmarathon 2017

Obwohl unsere STAPS-Sportlerin Laila Orenos den Ötztaler Radmarathon zum vierten Mal in Folge gewinnen konnte, hing ihr Sieg an einem seidenen Faden. In der Rennanalyse wollen wir aufzeigen, wie ihr Wettkampf verlief und erklären, woher die Probleme kamen. Denn Laila hatte nach einer guten Performance plötzlich am Einstieg zum Timmelsjoch starke Muskelkrämpfe und während des Anstiegs war ihr so übel, dass sie nichts essen und kaum etwas trinken konnte.

Kühtai

Obwohl Laila mit diesem Anstieg normalerweise aufgrund der großen Tempowechsel die meisten „Probleme“ hat, konnte sie hier einen guten Rhythmus fahren und fühlte sich auch sehr gut. Die fürs Pacing vorgegebenen Wattwerte hat sie leicht übertroffen, die Herzfrequenzwerte waren allerdings in der Norm. Einen echten Push gab ihr die Abfahrt, als sie zusammen mit Nadja Prieling an allen Frauen vorbei gerauscht ist. „Das war das Highlight des Tages“, sagt sie rückblickend.

Brennerpass

Durch den stark herrschenden Gegenwind war der Brenner im ersten Teil sehr anstrengend zu fahren. Erst im zweiten Teil des Brenners lief es dann ruhiger für Laila, als sie zudem eine gute Gruppe erwischen konnte.

Jaufenpass

Hier ist sie gleich von Beginn an ihr Tempo gefahren. „Es fühlte sich auch hier gut an und ich konnte meinen Rhythmus gut bis oben durchziehen und einen Abstand herausfahren“, sagt sie. Bei der Abfahrt vom Jaufen war sie zügig unterwegs, aber nicht zu schnell, da sie sich für den Schlussanstieg erholen wollte.

Timmelsjoch

Gleich unten am Timmelsjoch bekam sie die ersten Krämpfe. Die konnte sie allerdings in den Griff bekommen und dachte, dass sie gleich danach ihren Rhythmus finden würde. Dies gelang ihr allerdings nicht. Dazu wurde ihr übel und sie konnte auf dem Weg zum Pass nichts essen und nur sehr wenig trinken. Die Krämpfe kamen dann im Gegenanstieg zur Mautstation sowie in der Abfahrt wieder zurück.

Renndatei Wattzahlen Laila Orenos Ötztaler Radmarathon 2017

Rennanalyse von STAPS-Coach Jonas Kraienhorst

Generell hat Laila im Vergleich zu ihrem Sieg im Vorjahr rund 10 Prozent weniger Leistung – in Relation zu ihrer individuellen anaeroben Schwelle – erbracht. Das liegt zum einen daran, dass sie am Brenner eine gute, schnelle Gruppe erwischt hat, zum anderen an dem Leistungseinbruch am Timmelsjoch. Dieser hat uns bei STAPS auch zunächst vor ein Rätsel gestellt. Als wir dann aber die Verpflegung an den jeweiligen Abschnitten separat betrachtet haben, ist uns schnell aufgefallen, dass Laila am Brenner zu viel gegessen hat.

Durch den Verzehr von je einem Riegel, einem Gel sowie das Trinken von 1,5 Flachen mit Kohlenhydratlösung nahm sie hier in einer Stunde 137 Gramm Kohlenhydrate auf. Das sind bei Laila 2,4 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht; die allgemeine Empfehlung lautet 1 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. In der Vergangenheit hat Laila zwar gezeigt, dass sie auch 90-100 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde aufnehmen kann, fast 140 Gramm waren dann aber deutlich zu viel.

Nimmt der Körper zu viele Kohlenhydrate auf, so können diese nicht mehr gut ins Blut gelangen. Diese hohe Konzentration an Kohlenhydraten kann – wie bei Laila leider geschehen – auch dafür Laila Orenos' Leistungswerte beim Ötztaler Radmarathon 2017sorgen, dass der Magen-Darm-Trakt streikt. So komisch es bei der Menge der aufgenommenen Nahrung klingen mag, die Krämpfe und der Leistungseinbruch sind Resultat eines Energiedefizits sowie eines unzureichenden Elektrolyt-Haushalts – im Blut bzw. in der Muskulatur. Durch die hohe Nahrungsaufnahme hat der Mix aus Kohlenhydrate und Flüssigkeit dazu geführt, dass die Osmolalität – umgangssprachlich die Dichte – des Nahrungsbreis zu hoch war. Der Magen-Darm-Trakt ist dadurch überfordert und kann die Oxidation der Kohlenhydrate nicht wie gewohnt fortführen. Hinzu kommt ein kleiner Teufelskreis: Durch den Leistungseinbruch ist zudem die Kohlenhydrat-Aufnahme, die ihren Peak zumeist im Bereich von etwa 70-80% der VO2max hat, reduziert. Es herrscht also ein Umstand aus zu großen Mengen Nahrung – speziell Kohlenhydraten – und Flüssigkeit und einer Drosselung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels. Dieser Umstand lässt sich während hoher Belastung nur noch recht schwierig korrigieren, da der Organismus ja Kohlenhydrate benötigt, um Leistung zu erbringen.

Lailas Gesamtkonstitution und ihrem starken Willen ist es zu verdanken, dass sie trotz diese immensen Schwierigkeiten und der reduzierten Leistung, als Erste durchs Ziel fuhr.

Wir haben Lailas Rennen einmal in Zahlen gefasst und mit dem Sieg aus dem Vorjahr verglichen:

Ötztaler Radmarathon 2017

Renndatei Wattzahlen Laila Orenos Ötztaler Radmarathon 2017

 

Ötztaler Radmarathon 2016

Renndatei Wattzahlen Laila Orenos Ötztaler Radmarathon 2017

Photocredit: Ötztal Tourismus

Text: Daniel Beck

Laila Orenos - Sieg beim Ötztaler Radmarathon 2017

Der vierte Sieg in Folge beim Ötztaler – Laila Orenos im Interview

Zu Boden ging die Schweizerin Laila Orenos erst, nachdem sie als Siegerin den Zielstrich beim Ötztaler Radmarathon überfahren hatte – nach 7:50:44 Stunden. Dafür aber mit aller Härte. Da die STAPS-Sportlerin von Muskelkrämpfen gepeinigt war, musste sie die vielen Glückwünsche im Liegen entgegennehmen. Wir gratulieren und haben mit ihr ein kleines Interview geführt.

War der vierte Sieg bislang Dein härtester?

Ganz gewiss. Ich habe mich zwar im vergangenen Jahr die ganze Zeit nicht so gut gefühlt – trotz des Sieges und der Rekordzeit, aber dieses Jahr war es brutal. Dieses Mal lief es eigentlich von Beginn an perfekt. Auch das Kühtai hoch konnte ich meinen Rhythmus finden und habe kaum Zeit auf die anderen Konkurrentinnen verloren, die am ersten Anstieg meist schneller sind als ich.

Wann kam der Einbruch?

Zu Beginn des Anstiegs zum Timmelsjoch hatte ich Krämpfe. Die habe ich zwar dank eines speziellen Muskelkrämpfe-Shots gut in den Griff bekommen, aber ich konnte die angestrebte Leistung plötzlich nicht mehr bringen. Zudem wurde mir dann auch sehr sehr übel, was zur Folge hatte, dass ich nichts mehr essen und nur noch wenig trinken konnte. Eine unglückliche Kombination.

Wie hast Du es geschafft, vorne zu bleiben?

Es war Glück im Unglück. Bei meinem Teamkollegen Ralf lief es nicht so gut und er ist von vorne zurückgefallen. Er hat mich dann auch immer wieder motiviert, dass ich genug Druck aufs Pedal gebe und kämpfe. Wäre Ralf nicht da gewesen, hätte ich das Rennen abgeschenkt. Ich wäre zwar zu Ende gefahren, aber ich hätte nicht mehr versucht, auf Biegen und Brechen hochzuklettern.

Es gab also dunkle Momente?

Ja, ich habe mich schon gefragt: Für was quälst Du dich jetzt, wenn Du doch eh gleich eingeholt wirst? Es war schon sehr sehr hart, denn mein Puls war weit über meiner Schwelle, nicht aber die Wattwerte. Es war die schlimmste Krise, die ich je in einem Rennen hatte. Ich habe mich im Endeffekt von St. Leonhardt bis ins Ziel gequält. Es ist ehrlich gesagt ein saublödes Gefühl, wenn Du langsam wirst und nur noch da hochkriechst. Ralf war auch beim Bergabfahren hinunter vom Timmelsjoch eine große Hilfe, da ich in seinem Windschatten bleiben konnte.

Ab dem Timmelsjoch wurde es dann besser?

Nein, ich habe mich über den Gegenanstieg gequält und in der Abfahrt kamen die Krämpfe dann wieder zurück. Am Ende waren sie so stark, dass ich im Ziel nicht mal mehr aus den Pedalen ausklicken konnte – es zog von der Zehenspitze bis in die Hüfte an beiden Beinen.

Ist solch ein Sieg unter Schmerzen im Nachhinein nicht viel schöner, weil er emotionaler ist?

Klar, umso schlimmer das Rennen ist, desto mehr hat man dann zu erzählen. Das perfekte Rennen gibt es so selten – 2015 war es das. Aber diesmal war es wirklich sehr sehr intensiv.

Hast Du eine Erklärung für die Krise?

Nein, das werde ich jetzt noch gemeinsam mit meinem Coach Jonas von STAPS analysieren.

Aber trotz aller Qualen, Du willst Deinen Titel 2018 verteidigen?

Ja, natürlich. Der Ötztaler Radmarathon ist ein sehr schönes Rennen. Das will ich auch noch so lange bestreiten, so lange ich sportlich da die vier Gipfel mit Anstand hochkomme. Da wird es dann aber nicht mehr um den Sieg gehen, sondern um den Spaß.

Die Rennanalyse von Laila und ihrem Coach Jonas veröffentlichen wir für euch in den nächsten Tagen – seid gespannt, wo der „Fehler“ lag.

Laila Orenos - Sieg beim Ötztaler Radmarathon 2017

Photo Credit Header: Ötztaler Tourismus

Photo Credit Beitrag: Daniel Beck

Ötztaler Radmarathon 2017 - Tanja Dittrich

Ötztaler Radmarathon 2017 – 42 STAPS-Sportler im Ziel

Die 2017er Ausgabe des Ötztaler Radmarathons geht als teilnehmer-stärkste Ausgabe in die Geschichtsbücher ein. Insgesamt 4.331 Sportlerinnen und Sportler sind am Sonntag in Sölden gestartet, um die 230 Kilometer und 5.500 Höhenmeter in Angriff zu nehmen. Von den 4.331 Startern erreichten 4.000 Sportler das Ziel, darunter 42 STAPS-Sportler. Damit haben sich in diesem Jahr 1% aller Ötzi-Finisher von uns auf die Veranstaltung in Tirol vorbereiten lassen. Vielen herzlichen Dank für euer Vertrauen!

Wir haben ein paar interessante Zahlen zu unseren STAPS-Sportlern für euch gesammelt:

Insgesamt 42 Athletinnen und Athleten, die wir auf den Ötztaler Radmarathon vorbereitet haben, sind erfolgreich in Sölden im Ziel angekommen. Darunter waren zwei Frauen – inklusive der Siegerin Laila Orenos – und 40 Männer.

Der Altersunterschied zwischen dem jüngsten und ältesten Sportler beträgt 46 Jahre. Mit 25 Jahren war Johannes Heumann der jüngste Athlet, Hans-Joachim Müller mit 71 Jahren der älteste. Das Beeindruckende: Trotz – oder vielleicht besser wegen – seiner 71 Jahre und seiner langjährigen Erfahrung finishte Hans-Joachim in einer überragenden Zeit von 10:52.16h.

Die durchschnittliche Zielzeit der STAPS-Sportler lag bei 09:52.57h. Auch wenn die Damen zahlenmäßig in der Unterzahl waren, waren sie doch deutlich schneller als die Männer: Mit Laila Orenos (07:50.44h) und Tanja Dittrich (10:02.55h) finishten die STAPS-Sportlerinnen im Durchschnitt in 8:56.24h und damit exakt eine Stunde schneller als die STAPS-Männer (09:56.11h).

Gerne möchten wir euch einige STAPS-Sportler vorstellen – unsere Ötzi-Portraits:

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Ralf SchönRalf Schön

Zeit: 10:33.15h

Bei STAPS seit: 2010

Alter: 48

Statement zum Ötzi: “2 Zähne zu wenig hinten!”

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Michael Jahn

Michael Jahn

Zeit: 08:53.41h

Bei STAPS seit: Februar 2016

Alter: 43

Statement zum Ötzi: “Das Training war hart, aber dies hat sich bezahlt gemacht und im vierten Anlauf steht eine 8 vorne! Auch wenn es am Timmelsjoch zwischenzeitlich nicht mehr ganz rund lief bei der Nahrungsaufnahme. Danke an Jonas für die gute Betreuung und Motivation in den letzen 1,5 Jahren.“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Tanja Dittrich

Tanja Dittrich

Zeit: 10:02.05

Bei STAPS seit: Dezember 2015

Alter: 28

Statement zum Ötzi: „Knapp daneben ist auch vorbei!“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Elmar Sprink

Elmar Sprink

Zeit: 11:13.50

Bei STAPS seit: 2013

Alter: 45

Statement zum Ötzi: „Spontaner Start bei einem tollen Event. Nach meiner Herztransplantation, ein Rennen mehr von meinem Zettel ;-)“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Sebastian Kelb

Sebastian Kelb 

Zeit: 10:49.18

Bei STAPS seit: 2016

Alter: 39

Statement zum Ötzi: “Leider lief der Ötzi in diesem Jahr gar nicht nach Plan. Die Analyse mit Coach Marc folgt, wenn ich zurück bin. 2018 wird besser!“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Andre Gantzke

André Gantzke

Zeit: 11:44.07

Bei STAPS seit: Februar 2017

Alter: 48

Statement zum Ötzi: „Der Weg war das Ziel mit Belohnung persönliche Bestzeit beim Ötztaler. Es war eine tolle Reise auf der ich viel gelernt habe.“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Mark Pigors

Mark Pigors

Zeit: 08:36.42

Bei STAPS seit: Juni 2017

Alter: 33

Statement zum Ötzi: „Hart, Härter, Ötztaler! Das Motto trifft voll zu.“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Bilgin Aydin

Bilgin Aydin

Zeit: 10:36.55

Bei STAPS seit: 2013

Alter: 45

Statement zum Ötzi: „Wenn du davon träumen kannst, kannst du es auch tun.“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Benjamin Michael

Benjamin Michael

Zeit: 07:54.35

Bei STAPS seit: Frühjahr 2017

Alter: 29

Statement zum Ötzi: „Der Mythos Ötztaler zieht auch viele MTBér in seinen Bann. Für mich ist der Ötztaler eine der härtesten Einheiten im ganzen Jahr und ich freue mich immer wieder mal ohne Schlammpackung ein Rennen bestreiten zu können. Leider hatte ich in diesem Jahr keinen guten Tag erwischt und dann am Jaufen und am Timmelsjoch ausführliche Kuchenpausen eingelegt.“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Bastian Meyendriesch

Bastian Meyendriesch

Zeit: 09:03.11

Bei STAPS seit: März 2016

Alter: 33

Statement zum Ötzi: „Trotz anhaltenden gesundheitlichen Problemen während des Trainings und starken Krämpfen der Beine im Timmelsjoch, Zielzeit fast als Punktlandung ? Nach dem Ötzi ist vor dem Ötzi!!!!!!! Da geht mehr!!!!!!!! ;-)“

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Jacobo Dominguez Ojea

Jacobo Domínguez Ojea

Zeit: 08:24.19

Bei STAPS seit: Dezember 2016

Alter: 40

Statement zum Ötzi: „The guidance and support from STAPS has been fantastic! It is definitely the best investment I have ever done to ride faster.”

 

Ötztaler Radmarathon 2017 - Rene Mayer

René Mayer

Zeit: 07:56.40

Bei STAPS seit: November 2016

Alter: 43

Statement zum Ötzi: „Ziel von unter 8 Stunden trotz eingeschränkten zeitlichen Trainingsressourcen dank optimaler Vorbereitung durch Jonas erreicht!”