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Lukas Pöstlberger gewinnt die 1. Etappe des Giro d'Italia und holt sich das rosa Trikot

Pöstlbergers Ritt in Rosa – Leistungsdaten der 1. Etappe des Giro d’Italia

In typischer Pösti-Manier hat Lukas Pöstlberger für alle überraschend gestern die 1. Etappe des Giro d’Italia gewonnen und sich damit ins rosa Trikot gefahren.

206 flache Kilometer standen zum Auftakt des 100. Giro d’Italias auf dem Programm. Eine typische Sprinter-Etappe, für die sich die Sprint-Elite um Caleb Ewan (Orica-Scott), Sam Bennett (Bora-hansgrohe) und André Greipel (Lotto Soudal) in Stellung gebracht hat, um den Etappensieg und damit den Sprung ins Trikot des Gesamtführenden unter sich aus zu machen.

Sicherlich auf keiner Favoriten-Liste für den gestrigen Tag stand der spätere Sieger: STAPS-Sportler und Bora-hansgrohe-Profi Lukas Pöstlberger. Für den 25-jährigen Österreicher lag der Fokus der ersten Etappe der Jubiläumsausgabe des Giros in der Sprint-Vorbereitung für Kapitän Sam Bennett. Spätestens als 3,7 Kilometer vor dem Zielstrich die letzten Ausreißer des Tages gestellt wurden, war klar, dass es zum Sprint Royale in Olbia auf Sardinien kommen würde. Etwa 1.800m vor Ziel setzte sich „Pösti“ an die Spitze des Feldes, um seinen Kapitän auf dem winkligen Kurs in Position zu bringen.

Leistungsdaten Giro d'Italia Pöstlberger

Gesamtübersicht der Leistungsdaten der 1. Etappe von Lukas Pöstlberger

In einer scharfen Kurve öffnete sich dann unerwartet ein kleines Loch zwischen Pöstlberger und dem Rest des Feldes und der 25-jährige witterte seine Chance auf den ersten Etappensieg bei seiner Grand-Tour-Premiere. Mit vollem Einsatz und der bekannten #Pöstipower konnte Lukas den Vorsprung auf das Feld tatsächlich auf dem letzten Kilometer aufrechterhalten und sich den Etappensieg und das Rosa Trikot sichern.

550 Watt über zwei Minuten – die Differenz zum „Amateursport“

Für die 206 Kilometer benötige das Peloton um Lukas 5:15h Fahrtzeit – eine Geschwindigkeit von fast 40 km/h. Die durchschnittliche Leistung von Lukas betrug über die Gesamtdauer 201 Watt. Bei diesen Daten wird sich der ein oder andere Nicht-Profi vermutlich noch an den letzten ambitionierten Radmarathon oder die lange Ausgabe eines Jedermann-Rennens erinnert fühlen. Der Unterschied zwischen dem Profi- und „Amateursport“ liegt nicht im Durchschnittlichen, sondern vielmehr in den entscheidenden Phasen des Rennens, in denen der Profi zu weitaus höheren Leistungen und bestmöglicher Erholungsfähigkeit über kürzere Zeiträume in der Lage sein muss, um Rennen dieser Kategorie erfolgreich zu beenden.Leistungsdaten Giro d'Italia Pöstlberger

Betrachtet man die Verteilung der Leistung über die Renndauer, kann man festhalten, dass Lukas sich nahezu zwei Stunden in einem Leistungsbereich unterhalb von 200 Watt aufhielt. Für Lukas auf dem Papier eine Leistung unterhalb des Regenerationsbereichs. Der Knackpunkt ist, dass der Bora-hansgrohe-Profi aufgrund von Positionskämpfen und besonders dem entscheidenden Finale aber auch mehr als 30 Minuten oberhalb von 500 Watt unterwegs war – der Unterschied zum Amateur – und Hobbybereich.

Das Finale und der Ritt in Rosa

Sprintzug Giro d'Italia Pöstlberger

Der Sprintzug von Lukas Pöstlberger 3.500 Meter vor dem Ziel

Auf den letzten 3,5 Kilometer des Rennens war die Ausreißergruppe eingeholt und das Finale wurde durch die Sprinterteams endgültig eingeläutet. Eine Phase, in der Lukas bereits über vier Minuten mit mehr als 480 Watt im Durchschnitt fährt und diese vor allem nicht gleichmäßig pedaliert, sondern immer wieder beschleunigen und rausnehmen muss, um für sich und Sam Bennett eine optimale Position im Finale zu finden.

Das Setzen an die Spitze des Feldes und der 1.200 Meter lange Solo-Ritt zum Ziel

Als Lukas sich 1.800 Meter vor dem Ziel an die Spitze des Feldes setzt um Sam Bennett zum Sprint Royale abzuliefern, zeigt sein Leistungsmesser über 30 Sekunden mehr als 630 Watt an – der Moment, an dem Pösti gleichzeitig das Loch zum Feld reißt und sich einen Vorsprung erarbeitet. Ein kurzes Umschauen, die Realisierung, dass auch ein Solo-Ritt erfolgsversprechend sein kann und das 1,2 Kilometer lange „Einzelzeitfahren“ beginnt: 1.200m mit 560 Watt später und Lukas kann leicht rausnehmen, die Arme in die Luft reißen und seinen ersten Grand-Tour-Erfolg feiern.

Lukas Pöstlberger: ein junger Fahrer, der in den letzten Jahren immer engagiert und voller Elan gearbeitet hat, um seinen Traum als Radprofi zu leben. Dieser Erfolg ist der verdiente Lohn für sein unglaubliches Engagement.

Herzlichen Glückwunsch von STAPS, Lukas!

Photo Credit Titelbild: APA/AFP/LUK BENIES

Leistungsdaten_EuroeyesCyclassics

Im Fokus: Lukas Pöstlberger bei den Euroeyes Cyclassics 2016 in Hamburg

Das vergangene Wochenende stand an unserem Institutsstandort Hamburg ganz im Zeichen des Profiradsports. 168 Fahrer von insgesamt 21 World-Tour- und Pro-Continental-Teams starteten zur 21. Auflage des einzigen deutschen WorldTour-Rennens: den Euroeyes Cyclassics.

Insgesamt 217,7 km mussten die Profis – bei denen mit André Greipel, Marcel Kittel, John Degenkolb, Nacer Bouhanni, Alexander Kristoff und Caleb Ewan die nahezu vollständige Weltelite der Sprinter am Start stand – bewältigen. Zu überwinden war dabei im Finale des Rennens drei Mal der legendäre Waseberg, bevor es über die Elbchaussee und Reeperbahn ins Ziel auf der Mönckebergstraße ging.

Jüngster Österreichischer Staatsmeister und Etappensieger der Österreich-Tour

Bei den Profis am Start war auch der Österreicher Lukas Pöstlberger vom Team BORA-Argon 18, mit dem wir von STAPS seit mittlerweile drei Jahren zusammenarbeiten. Lukas sammelte seine ersten großen radsportlichen Palmarès bei Österreichs Talentschmiede Nummer eins, dem Tirol Cycling Team, welches wir auch seit vielen Jahren betreuen. Nach dem Lukas 2012 jüngsterPöstlberger | Leistungsdiagnostik Hamburg | Cyclassics Österreichischer Staatsmeister auf der Straße werden konnte, überzeugte er auch in den nachfolgenden Jahren immer wieder mit wichtigen Siegen bei Eintagesrennen und Rundfahrten. Der endgültige Durchbruch gelang dem 24-jährigen Oberösterreicher dann im vergangenen Jahr, als er neben der Gesamtwertung der Irland-Rundfahrt auch eine Etappe der Internationalen Österreich-Rundfahrt gewinnen konnte. Der verdiente Lohn: ein Profivertrag beim deutschen Pro-Continental-Team BORA-Argon 18.

Den Abstecher nach Hamburg nutze Lukas am Vortag des Rennens, um sich in unserem Institut in Hamburg-Altona einem Formcheck auf dem Ergometer zu unterziehen. Der Test war wichtig, um zu erfassen, wie sich seine aktuelle Leistungsfähigkeit zusammensetzt und an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, um Lukas im nächsten Jahr in der WorldTour (BORA-Argon 18 wird zu BORA-hansgrohe und erhält voraussichtlich eine WT-Lizenz) zu etablieren. Exklusiv für euch geben wir einen kleinen Einblick in die Physiologie eines zukünftigen World-Tour-Fahrers.

Wenige Prozente, die (noch) den Unterschied machen

Lukas aktuelles Kampfgewicht liegt bei 70 Kilogramm. Mit einem Körperfettanteil von knapp 8 Prozent liegt er dabei voll im Soll. Die Diagnostik vom Wochenende hat aufgezeigt, dass es in puncto Körpergewicht beziehungsweise Körperfettanteil bei ihm etwas Potential gibt, welches allerdings gering und vor allem vom Saisonzeitpunkt abhängig ist. Das individuelle Optimum von ca. 68,5 bis 69 Kilogramm Körpergewicht und 7- bis 7,5 Prozent Körperfett haben wir für die Saisonhöhepunkte in 2017 ins Auge gefasst.

Als Radprofi mit dem Fokus auf Frühjahrsklassiker und mittelschweren Eintagesrennen ist Lukas physiologisches Profils relativ gut zu definieren: Neben einer eher geringen maximalen Laktatbildungsrate (VLamax) sollte der BORA-Argon 18-Profi möglichst viel Sauerstoff aufnehmen und verarbeiten können; demnach eine hohe maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) haben. Pöstlberger | Leistungsdiagnostik RadBeide Punkte vereint Lukas, diese physiologischen Stoffwechselparameter lassen sich aber noch feintunen. Mit einer maximalen Laktatbildungsrate von 0,40 mmol/l/s besitzt er die Fähigkeit, hohe Dauerleistungen treten zu können; die VLamax ist aber gleichzeitig noch so „hoch“, dass Lukas immer wieder in der Lage ist, erfolgreiche Attacken zu lancieren oder über Pavé-Abschnitte bei den Klassikern mit kurzfristig hohen Leistungen „drüber zu drücken“. Im maximalen Zustand bringt er die Fähigkeit mit, 5.700 ml/min (also 81,2 ml/min/kg) aufzunehmen. Aus der Sicht eines Hobby- oder Amateursportlers ist eine VO2max von 81,2 ml/min/kg sicherlich beträchtlich. Um sich zukünftig in der WorldTour zu etablieren gilt es für Lukas allerdings hier noch 3 bis 5 Prozent zuzulegen – eine VO2max von über 80 ml/min/kg sind in der WorldTour „Standard“.

Aktuell liegt die Schwellenleistung des jungen Österreichers bei 395 Watt. Gepaart mit seinen großen technischen wie taktischen Fähigkeiten sind die Voraussetzungen für einen Start in der WorldTour für 2017 gegeben. Sich dort aber dauerhaft durchzusetzen, wird auch für Lukas ein hartes Stück täglicher Trainingsarbeit, die wir gemeinsam mit ihm angehen.

A long day in the office – bis 300 Meter vor Ziel in der Spitzengruppe

Nach der Diagnostik am Samstag stand auch „Pösti“ am Sonntag bei der 21. Auflage der Cyclassics am Start. Das Rennen begann für ihn turbulent: Bereits nach wenigen Kilometern konnte er sich gemeinsam vom Feld lösen und bildete mit sechs weiteren Fahrern die Spitzengruppe des Tages. Diese auf drei Fahrer geschrumpfte Spitzengruppe – die von den Sprinter-Teams unterschätzt wurde – konnte bis 300 m vor dem Zielstrich auf der

Leistungsdaten | Waseberg | EuroEyes Cyclassics Hamburg

Waseberg – 3 Runden

Mönckebergstraße ihre Führung behaupten. Erst im echten Finale konnten Lukas und die zwei verbliebenen Mitstreiter des „Tete de la Course“ gestellt werden, bevor sich dann Caleb Ewan (Orica-Bikeexchange) im Massensprint durchsetzte. Für Pösti ein ärgerlicher Ausgang des Rennens, gleichzeitig aber eine tolle Vorstellung, bei der der 24-Jährige sehr positiv auf sich aufmerksam machen konnte.

Dass die 217,7 km ihm in der Führung einiges abverlangten, zeigen seine Leistungsdaten. Insgesamt 4:54 Stunden mit einem Schnitt von 43km/h verbrachte Lukas bei den Cyclassics im Sattel. Da er in der Spitzengruppe viel arbeiten musste, zeigte der Leistungsmesser am Ende durchschnittlich 277 Watt. Der Energieverbrauch lag bei fast 5.000 Kilokalorien (kcal)– demnach satte 1.000 kcal/ Stunde.

Den 500 Meter langen Waseberg, der während der letzten 40 Kilometer drei Mal überquert werden musste, bezwang Pösti jeweils unterhalb von zwei Minuten mit durchschnittlichen Leistungswerten von 468, 519 und 457 Watt. Genug Leistung, um gerade auf den letzten Runden die Spitzengruppe maßgeblich zu verkleinern.

Dass Lukas im Finale alles versucht hat, um das jagende Peloton auf Distanz zu halten, zeigt die Auswertung seiner letzten zehn Rennkilometer. Mit sehr wechselhaften Belastungen (Ablösungen

Leistungsdaten | Elbchaussee Mönckebergstraße | Cyclassics Hamburg

Elbchaussee – Reeperbahn – Mönckebergstraße

in der Gruppe) und häufig wiederkehrenden Spitzen jenseits der 400 Watt wehrte er sich gegen das herannahende Feld. Der Leistungsmesser zeigte in diesem Abschnitt durchschnittlich Werte von über 370 Watt an – aufgrund der häufigen Belastungswechsel sicherlich harte 10 Kilometer, auf denen Lukas und seine Mitstreiter den Teams von Giant-Alpecin, Lotto-Soudal und Etixx-Quickstep einiges abverlangten.

Am Ende wurde er leider 300 Meter vor dem Ziel gestellt. Wir hätten Lukas das Podium in Hamburg natürlich sehr gegönnt, freuen uns aber auch mit ihm über einen sensationellen Auftritt!Leistungsdaten | Euroeyes Cyclassics Hamburg