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Aerodynamik im Triathlon unter die Lupe genommen von Roy Hinnen

AeRoy Hinnen – Mensch oder Maschine? Was in Sachen Aerodynamik wirklich wichtig ist!

Im vergangenen Jahr haben wir von STAPS gemeinsam mit Triathlon-Coach und Aero-Pionier Roy Hinnen einen ersten Aero-Tag durchgeführt, bei dem wir unterschiedliche Triathlon-Einteiler unter die Lupe genommen haben. Die Resonanz damals: riesig! Grund genug, um unser Projekt gemeinsam mit Roy fortzusetzen und dem „Kind“ einen passenden Namen zu geben: das Projekt AeRoy Hinnen. Wir haben für euch einige Infos zusammengefasst, zudem findet ihr ein Video des Test-Tages am Ende des Artikels.

Anmerkung von STAPS: Die folgenden Ergebnisse sind Einzelfallanalysen, bezogen auf Roy Hinnen. Körper- und positionsspezifischen Unterschiede beziehen sich in diesem Fall auf Roy und werden voraussichtlich bei jedem Sportler zu abweichenden Ergebnissen führen. Grund genug, die eigene Aerodynamik analysieren zu lassen!Aerodynamik im Triathlon unter die Lupe genommen von Roy Hinnen

Mensch oder Maschine? Was in Sachen Aerodynamik wirklich wichtig ist

Die großen Rennen rücken näher. Damit wächst die Aufregung vieler Sportler und gelegentlich auch die Kauf-Motivation. Egal, ob es um Sekunden für eine Quali, die persönliche Bestleistung oder einfach den Kampf gegen die Konkurrenz geht – die Verlockung noch schnell einen neuen Satz Felgen, einen Aerohelm nach Vorbild der Stars oder den vermeintlichen Top-Anzug zu kaufen ist groß. Schließlich suggeriert einem die Werbung, dass all das den entscheidenden Zeitvorteil bringen kann. Doch tut es das wirklich?

Roy Hinnen und STAPS gingen dieser Frage im Augsburger Velodrom nach. „Projekt AeROy Hinnen“ lautete der Arbeitstitel. Dahinter verbarg sich keine geringere Frage als „Mensch oder Maschine?“ Wo verbirgt sich das größte Optimierungspotential in Sachen Aerodynamik auf dem Zeitfahrrad?

Mit der Testplanung und Durchführung war das STAPS Institut aus Köln, Hamburg und München betraut. Geschäftsführer Björn Geesmann arbeitet als Coach seit knapp zehn Jahren mit Athleten aller Leistungsklassen und beschäftigt sich seit langer Zeit mit Aero-Optimierungen. Größen des Triathlon-Sports, wie Jan Frodeno, Andreas Böcherer oder Daniela Sämmler waren in den vergangenen Monaten zu Gast, um auch 2017 perfekt aerodynamisch auf dem Rad zu sitzen.

Roy Hinnen darf man getrost als Aero-Pionier bezeichnen. Immerhin brachte der 50-jährige Schweizer, der seit 1998 auch als Coach tätig ist, schon in den 80er Jahren den Aerolenker nach Europa. „Material hatte im Triathlon schon seit jeher einen hohen Stellenwert,“ erklärt er sein ungebrochenes Interesse an Optimierung. „Wir haben schon damals immensen Aufwand betrieben, um uns und unser Material ständig zu verbessern. Nachdem es seinerzeit noch gar keine entsprechenden Produkte gab, haben wir uns einfach selbst etwas gebaut.“

Vier Testreihen mit unterschiedlichem Fokus

Natürlich lassen sich auch in der Aerodynamik Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Deshalb wurden bereits im Vorfeld vier verschiedene Testdurchläufe ausgearbeitet und geplant. Im wahrsten Sinne von Kopf bis Fuß sollte das Optimierungspotential betrachtet werden. Zunächst ging es um den idealen Helm und die Kopfhaltung. Weiter wurde – wie auch schon beim ersten Aufeinandertreffen von STAPS und Roy Hinnen – im Bereich Kleidung, insbesondere Oberbekleidung, getestet. Ernährung und Transportlösungen, sowie Trittfrequenz und Tretmuster bildeten den Abschluss der zwei Test-Tage.

Dabei wurde vor jedem Test eine sogenannte Baseline ermittelt. Dazu werden zunächst verschiedene Daten in das Alphamantis-System – ein innovatives System, welches den Luftwiderstand des Sportlers in Echtzeit misst – eingegeben. Die Datensammlung ist dabei komplex: Luftdichte, Bahngeometrie, Powermeter-Signale, System-Gewicht aus Rad und Fahrer – die Liste setzt sich weiter fort. Der Testlauf Roy Hinnens erfolgte mit ausgewähltem, und für alle weiteren Testläufe normiertem Material. Rad-Setup, Gang, Position, Anzug, Helm und Brille wurden nach der Baseline nicht mehr verändert, außer sie lagen im Fokus des Tests. Nur so lassen sich akkurate Aussagen bezüglich Watt-Unterschieden treffen.

Test 1: In Deckung! Wie dich die richtige Kopfhaltung schneller macht

Vor wenigen Jahren noch waren die Aerohelme möglichst lang und spitz zulaufend. Bei jeder kleinsten Bewegung, die die windschnittige Kopfbedeckung aus ihrer Idealposition brachte, pfiff es im Wind. Kaum überraschend: Diese Bewegungen kosteten Sekunden. Mittlerweile setzt man deshalb auf fast kugel- besser noch tropfenförmige Helmformen. Doch auch mit diesen Helmen gilt es eine möglichst gute Position einzunehmen und vor allem zu halten. Wie die perfekte Aero-Kopfhaltung aussieht, darum drehte sich die erste Testreihe auf der Radrennbahn in Augsburg.

Aerodynamik im Triathlon unter die Lupe genommen von Roy HinnenDoch beginnen wir mit „preisewerterem“ Material. Warum braucht es überhaupt einen Wettkampfhelm? Tut es nicht auch der ganz normale Straßenhelm? Der Test zeigt deutlich: In sauberer Aeroposition hat die Wettkampfversion durchaus ihre Berechtigung: 8,1 Watt (@40km/h) zusätzlich benötigt beispielsweise ein Specialized S-Works Evade (ein durchaus aerodynamisch optimierter Straßenhelm) im Vergleich zum MET Drone Zeitfahrhelm.

Entscheidend dabei ist jedoch die saubere Aeroposition, wie der Test mit „bewegtem Kopf“ zeigt.

Neben dem MET Drone, der eine leichte Spitze aufweist, schickten wir den deutlich kürzeren Giro Aerohead in den Test. Dabei fuhr Roy Hinnen einmal in je sauberer Aeroposition, im nächsten Durchgang simulierte er eine unruhige Position, schaute in regelmäßigen Abständen nach unten auf den Tacho, und streckte damit die Helmspitze in den Wind.

Das Ergebnis: Der MET Aerohelm brachte in Bewegung sogar 1,6 Watt Verlust. Der Giro 0,5 Watt Verlust. Testsieger war in diesem Fall sogar der Specialized Straßenhelm mit lediglich 0,1 Watt Differenz.

Fazit: Wer tatsächlich vom teuren Aerohelm profitieren möchte, der muss eine optimale Position einnehmen und vor allem auch dauerhaft halten können. Wer dazu neigt, sich viel zu bewegen, der fährt mit dem optimierten Straßenhelm, wie der Specialized einer ist, meist sogar besser.

Wie wichtig die Position selbst in Details ist, zeigten weitere Tests: Ein aufgerichtetes Fahren im „Basebar“ beispielsweise erfordert 51,6 Watt mehr Aufwand bei 40 km/h Geschwindigkeit als das windschnittige Ducken auf dem Zeitfahrlenker. Gut, das Ergebnis dürfte nun nicht überraschend sein.

Anders sieht es bei der Veränderung von Kleinigkeiten aus: Schon eine schmalere Armhaltung kann aus aerodynamischer Sicht von Vorteil sein. Während die breite Position der Extensions (Armpads auf 28,5cm, Extensions auf 16cm) bei Roy Hinnen 255,8 Watt Leistung bei 40 km/h erfordert, sind es bei dem Testlauf mit schmalster möglicher Einstellung (Armpads 25,5cm, Extensions auf 8cm) 252,1 Watt – immerhin 3,7 Watt weniger.Aerodynamik im Triathlon unter die Lupe genommen von Roy Hinnen

Noch besser schneidet derjenige ab, der den Kopf dauerhaft mit Blick nach vorne zwischen den Schultern einziehen kann. Der sogenannte „Shoulder Shrug”, der die Silhouette noch schmaler macht, bringt ganze 9,8 Watt Ersparnis.

Fazit: Mit idealer Sitzposition und kleinen Veränderungen lassen sich deutlich Watt einsparen. Voraussetzung ist jedoch, dass man die Position einnehmen kann (Schlagwort Beweglichkeit) und diese auch dauerhaft halten kann (Schlagwort Stabilität).

Test 2: Kleider machen (schnelle) Leute – Wie du mit der richtigen Wettkampfkleidung Sekunden sparst

Der windschnittige Einteiler findet sich mittlerweile in jedem triathletischen Kleiderschrank. Bereits im letzten Jahr bewiesen Roy Hinnen und STAPS mit einem groß angelegten Aerotest, was für den Wettkampfzwirn am wichtigsten ist: Die perfekte Passform entscheidet über Sekunden. Doch was, wenn das Wettkampf-Wettrikot einmal nicht mitspielt? Was, wenn kaltes Wetter zusätzliche Kleidung nötig macht, oder Hitze nach Kühlung verlangt?

Wer eine Regenjacke zum Witterungsschutz über den Einteiler anzieht, muss mit bis zu 15,8 Watt zusätzlichem Aufwand rechnen. Das normale Radtrikot schneidet mit 6,5 zusätzlichen Watt im Vergleich zum Einteiler ebenfalls nicht besonders gut ab. Es lohnt sich also in einen gutsitzenden Einteiler zu investieren. Wie der Test Aerodynamik im Triathlon unter die Lupe genommen von Roy Hinnendes letzten Jahres zeigte, kommt es aber auch hier nicht auf das Topmodell an, sondern eher darauf, dass er perfekt und faltenlos sitzt. Denn jede Falte kostet Zeit.

Habt ihr euch bei kaltem und regnerischen Wetter nicht auch schon einmal gefragt wie aerodynamisch ein Neoprenanzug ist? Oder bei Hitze, wie es wäre, nur in Shorts zu fahren?

Im „Nur-zum-Spaß-Test“ – schließlich sind beide Varianten laut Regelwerk nicht erlaubt – schneidet der Neo mit lediglich 3,5 zusätzlichen Watt gar nicht schlecht ab. Knapp zehn Watt mehr ergab ein separater Vergleich zur Baseline mit Trikot bei 40 km/h zwischen Fahren mit Oberbekleidung und ohne.

Test 3: So kommst du in Tritt: Wie Trittfrequenz und Tretmuster deine Radzeit beeinflussen

Dampflok oder Turbo-Turbine? Während die einen auf eine hohe Trittfrequenz setzen, schwören die anderen auf wenige Umdrehungen. Auf der Suche nach dem „perfekten“ Tritt werden seit jeher Rad- und Triathlon-Profis analysiert und dennoch ist es schwer eine Antwort darauf zu finden. Warum das so ist, das versuchten Roy Hinnen und STAPS herauszufinden.

Zunächst stellte sich das Team die Frage, ob die Trittfrequenz eine Auswirkung auf die Aerodynamik hat. Dazu wurde Roy mit Trittfrequenzmesser losgeschickt. Mit 65, 85 und 100 Umdrehungen pro Minute fuhr er je einen Testdurchgang. Der Hintergedanke: Kostet die zusätzliche Bewegung bei hoher Trittfrequenz Watt? Das Testergebnis bei 40 Kilometern pro Stunde ergab kaum Unterschiede bei 65 U/min benötigte der Schweizer 262,2 Watt, bei 85 U/min 262,7 Watt und bei 100 U/min 263,2 Watt. vernachlässigbare Größen.

Ähnlich geringe Auswirkungen zeigte ein Testdurchgang mit verändertem Tretmuster. Fuhr Roy mit nach außen gedrehten Knien benötigte er 264,7 Watt – lediglich 0,8 Watt mehr als mit seiner normalen, schmalen Kniehaltung.

Etwas deutlicher sah der Unterschied aus, schafft man es, die Sattelhöhe zu verringern. Was beispielsweise dann nötig ist, wenn der Schuh flacher gebaut ist, oder sich die Cleat-Position in die Mitte des Schuhes verschiebt. Bei einer Baseline von 264,9 Watt wurde die Sattelhöhe um 1 cm verringert. Die Veränderung brachte eine Reduktion auf 262,9 Watt mit sich – zwei Watt Ersparnis. Setzt man im Gegensatz dazu den Athleten um 1cm höher auf das Rad wirkt sich dies mit 0,5 Watt zusätzlichem Aufwand aus.

Test 4: Ernährung im Aerotest – wenn dich deine Wettkampfverpflegung langsam macht

Wer im Ausdauersport konstant Leistung bringen und schnellstmöglich ins Ziel kommen will, der muss sich unterwegs verpflegen. Deshalb wird eingepackt: Zwei Flaschen hinter dem Sattel, eine ins Rahmendreieck, Verpflegung ins Oberrohrtäschchen und zwischen den Extensions. Doch verändert das Gepäck die Aerodynamik? Macht dich deine Verpflegung vielleicht sogar langsam?

Nicht umsonst wurde in den vergangenen Jahren in Sachen Zeitfahrrad vor allem an einer Stelle weiterentwickelt: Systemintegration. Denn klar ist: Ungünstig platzierte Verpflegung macht langsam!Aerodynamik im Triathlon unter die Lupe genommen von Roy Hinnen

Wo also hin, mit all den Flaschen, Riegeln und Gels? Aero-Sieger, wenn es um Gels und Riegel geht, ist mit lediglich 1,2 Watt Verlust die radeigene vollintegrierte Box des Canyon Zeitfahrrad. Sie versteckt sich so gut, dass kaum aerodynamische Nachteile zu finden sind. Dagegen bringen die auf dem Oberrohr aufgeklebten Gels 2,8 Watt Mehraufwand. Wer sich also ein neues Rad zulegen möchte, der sollte auf gut integrierte Verstaumöglichkeiten achten. Alternative ist das Oberrohrtäschchen, das sich mit Klett anbringen lässt. Wichtig dabei ist jedoch, dass es sauber am Steuerrohr abschließt und nichts absteht.

Ebenso im Test waren verschiedene Möglichkeiten der Trinkflaschenbefestigung. Einerseits wäre da die klassische Unterbringung im Rahmendreieck. Oder aber, man montiert einen Flaschenhalter hinter dem Sattel. Dritte Variante ist das Anbringen eines der vielfältigen Lenker-Trinksysteme.

Im Test zeigte die Profile Trinklösung mit flach gelegter Flasche zwischen den Lenkerextensions einen Mehraufwand von 2,9 Watt. Die kompakte Einschieb-Flasche für zwischen die Extensions mit etwas mehr Füllmenge und demnach Aerodynamik im Triathlon unter die Lupe genommen von Roy Hinnenauch Volumen kostet 1,9 Watt bei 40km/h im Vergleich zur Baseline ohne Trinksysteme. Die klassisch im Rahmendreieck platzierten Flaschen waren mit 11,7 zusätzlichen Watt bei 40km/h die denkbar schlechteste Lösung.

Die deutlich günstigste Variante in Sachen Aerodynamik ist es jedoch, Flaschen hinter dem Sattel anzubringen. Wer ganz akribisch ist, der achtet hier zudem auf die Position und rückt die Flaschen so nah wie möglich an den Sattel heran und richtet sie im 45° Winkel nach hinten. Im Vergleich zu senkrecht platzierten Flaschen (0,9 Watt mehr gegenüber ohne Flaschen) bringt der Winkel sogar 0,5 Watt Ersparnis.

Fazit: Mensch UND Maschine

Um auf die Ausgangsfrage nach Mensch und Maschine zurückzukommen: Natürlich hat Material einen großen Einfluss auf die Aerodynamik. Allerdings ist in Bezug auf die Windschnittigkeit weniger entscheidend, ob ein Schein mehr oder weniger über die Ladentheke wechselt. Viel mehr gilt es das Material perfekt auf den Athleten abzustimmen. Wenn das Zusammenspiel funktioniert, dann sind auch die Aerowerte gut. Deshalb rät STAPS Geschäftsführer Björn Geesmann: „Man sollte immer erst an die eigene Position denken, bevor man unnötig viel Geld z.B. in Laufräder investiert. 80% Luftwiderstand gehen vom Sportler selbst aus, da wäre es im ersten Schritt deutlich sinnvoller 500 Euro für eine Sitzpositionsoptimierung oder besser einen Aerotest zu investieren, um 80% Widerstand zu optimieren, als 2.000 € für einen Satz Laufräder bei maximal 5-8% Optimierungspotential.

 

Photo & Text: Christine Waitz

Tony Martin beim Zeitfahren der Tour de France

Auftaktzeitfahren der Tour de France – eine Analyse aus der Sicht eines „Fans von Beruf“

Dies hier ist kein normaler Bericht über das Auftaktzeitfahren der Tour de France. Da es bereits genug Analysen zu den 14 regenreichen und spannenden Kilometern durch Düsseldorf gibt, heute mal ein etwas anderer Beitrag. Ich, Björn, darf euch von meinem vergangenen Samstag berichten – aus der Sicht eines Berufs-Fans.Tour - Strecke Zeitfahren mit Messpunkten

Der Samstagmorgen hat sich angefühlt wie vor einem eigenen Rennen. Komische Nervosität, immer wieder der Blick nach Draußen und auf den Wetter-Radar. Die Startzeiten standen bereits seit Freitag fest. Es war klar, dass Tony zur letzten Startgruppe gehört und um 18.22 Uhr auf die Strecke geht. Beim Frühstück hatte der Wetterradar noch das Ende des Regens Richtung 17.00 Uhr angekündigt – das hätte für trockene Straßen gereicht.

Der Plan meines Fan-Seins war eigentlich schon am Samstagmorgen dahin. In den freien zwei Stunden nach dem Frühstück habe ich mir einen endgültigen Plan geschmiedet, wo ich die Fahrer am besten beobachten kann und welche Punkte strategisch entscheidend sind. Die Wahl ist dabei auf die Oberkasseler Brücke gefallen: Blick von oben auf die wichtige Links-Kurve bei 3,8 Kilometern, dann direkter Kontakt zu den Fahrern auf der Brücke, um sie aus nächster Nähe zu be

obachten, danach wiederum ein Blick von oben auf die Kilometer-Marke 10, die direkt unter der Brücke lag. Ein strategisch perfekter Punkt, um Zwischenzeiten zu nehmen und erste Studien über die Aero-Positionen zu betreiben. Bereits da war klar, dass dieser Tag eher von Hektik, Laptop und Handy bestimmt wird als von Bratwurst und Alt-Bier.
Schnell habe ich noch eine Excel-Tabelle gebaut, die alle Startzeiten der Fahrer beinhaltet und ausrechnet, wie die Abstände an den selbst-gemessenen Zeitpunkten bei Kilometer 3,8 und 10 sind, natürlich farblich gekennzeichnet je nach Standing des Fahrers an der Zwischenzeit. Ein kurzer Abstecher Richtung Start- und Zielbereich und die Absprache mit der sportlichen Leitung von Katusha Alpecin, um die genommenen Zwischenzeiten in das Auto, das Tony begleitet, zu übermitteln – spätestens jetzt wurde aus dem Fan-Tag ein offizieller „Auftrag“, der eine gewisse Brisanz mit sich brachte.

Um 15.30 Uhr habe ich meinen Platz auf der Brücke eingenommen und meinen „Arbeitsplatz“ eingerichtet: Laptop bereit, alle Uhren synchronisiert und zeitgleich geschaltet, Zettel und Stift parat gelegt für Notizen, Blick auf die Kurve, die lange Gerade auf der Brücke neben mir, auf die 10-km-Marke und auch auf die große Leinwand der Tonhalle mit Live-Bildern der ARD. Das Rennen kann losgehen!Tony Martin beim Zeitfahren der Tour de France

Passend zum Start des Rennens das Erwartbare: Es setzte, wie schon am Morgen, erneut der Regen ein, die Straßen waren nass. Neben dem Regen, der natürlich entscheidend für die Fahrweise in den Kurven ist, ist vor allem eines entscheidend: der Wind. Nicht nur auf der Brücke, sondern auch auf den langen Geraden vom Start weg bzw. zum Ziel hin sind sehr windanfällig gewesen.
In den ersten eineinhalb Stunden des Rennens besonders interessant: Die vielversprechenden Zwischenzeiten von Nikias Arndt, eine gute Performance des Katusha Alpecin-Fahrer Reto Hollenstein, der Auftritt von Weltmeister Peter Sagan und dann um kurz vor 17.00 Uhr das Setzen der Bestzeit durch Vasil Kiryienka. Die Bedingung zu diesem Zeitpunkt: Die Straße trocknete ab, da zumindest über eine Stunde kein weiterer Regen fiel, der Wind war relativ still.

Auch der spätere Sieger Geraint Thomas absolvierte die 14 Kilometer bei – für den gestrigen Tag – verhältnismäßig guten Bedingungen. Dass Thomas zum Kreis der Favoriten zu zählen ist, war bereits nach 3,8 Kilometern handgestoppt klar, als er mit Bestzeit in die Linkskurve einbog. Ebenfalls noch sehr gut im Rennen zu diesem Zeitpunkt war Jasha Sütterlin, der bei der 3,8-km-Marke nur 2 Sekunden langsamer war als der zwei Minuten nach ihm gestartete Thomas.

Zeitabstände an das Begleitfahrzeug von Tony Martin

Ausschnitte des SMS-Verlaufs ins Begleitfahrzeug

Passend zum Start der Top-Favoriten und Klassement-Fahrer setzte dann erneut starker Regen ein. Besonders mein Laptop hatte mit dem Wetter zu kämpfen – an ein vernünftiges Regen-Outfit für mich und meinen Lenovo-Rechner habe ich im Vorhinein leider nur bedingt gedacht. Neben dem Regen kam dann erneut starker Wind auf, der die Ergebnisse im Nachgang sicherlich beeinflusst hat.
Vorab abgesprochen war, dass ich bei „meinem“ Messpunkt nach 3,8 km alle wichtigen Zeiten in das Auto hinter Tony funke. Da ergab dann folgenden Zwischenstand, nachdem Tony durchfuhr: Favoriten: Geraint Thomas (+5s), Vasil Kiryienka (+6s) und Alejandro Valverde (+6s). Durchgegeben habe ich die Zeiten von Thomas und dem vorab als Mit-Favoriten gehandelten Primoz Roglic, der zu dem Messpunkt aber bereits 16 Sekunden Rückstand hatte und nicht mehr um das Podium mitfahren konnte.

Von da an begann das lange Warten: Unten in der Kurve war jede Zwischenzeit langsamer als Tonys. Auch Stefan Küng hatte zu diesem Zeitpunkt bei vergleichbaren Wetterbedingungen bereits 3 Sekunden verloren. Die Frage war also vor allem, wie sich der Gegenwind auf dem Rückweg auf die Fahrer auswirkt.
Als Tony dann bei Kilometer 10 die Marke passierte und dort trotz Führung bei 3,8 Kilometer sowie an der offiziellen Zwischenzeitnahme mit 3 Sekunden Rückstand auf Thomas eintraf, war klar, dass auch der Gegenwind das Unterfangen Gelbes Trikot weiter erschweren würde.

Das Ende ist bekannt: Die Zieleinfahrt habe ich auf der Leinwand der Tonhalle verfolgt, Tony fuhr nach Thomas und Kiryienka als 3. ins Ziel. Dass auch noch Küng an ihm vorbeizog, war dann egal. Das Ziel war Platz 1, nicht Platz 2, 3 oder 4. Der Tag war gelaufen, komplett nass habe ich meinen Laptop eingepackt.

Ob das Wetter eine entscheidende Rolle gespielt hat? Ich glaube – ohne es bisher nachgerechnet zu haben –, dass das Wetter einen Einfluss hatte, aber das Podium nicht entscheidend verändert hätte. Geraint Thomas war einfach bärenstark und wäre vermutlich auch bei gleicher Wetterlage nicht zu schlagen gewesen. Stefan Küng war bei quasi gleichen Bedingungen im Ziel fünf Sekunden schneller. Glückwunsch an die beiden zu einem sensationellen Ritt!Vergleich Gerraint Thomas gegen Tony Martin pro Kilometer

Offen gestanden war die Enttäuschung gestern sehr groß und hält auch heute noch an. Gar nicht mal, wegen des möglichen kleinen persönlichen Erfolgs; vor allem für Tony, für Katusha Alpecin und für „Radsport-Deutschland“ wäre es toll gewesen, wenn Tony sich gestern das Gelbe Trikot geholt hätte. Ob das dann jetzt die Enttäuschung des Radsport-Fans ist oder die Enttäuschung von jemandem, der mit Tony in der Vorbereitung zusammengearbeitet hat – keine Ahnung. Das ist das Luxus-Problem, dass man solche Fragen nicht beantworten braucht, wenn man glücklicherweise sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

Abschließend noch ein persönlicher Dank: Danke an Tony für ein spannendes und trotz der Enttäuschung beeindruckenden Rennens. Danke auch an alle Organisatoren, ehrenamtlichen Helfer und Zuschauer, die der Tour de France gestern einen würdigen Auftakt in Düsseldorf bereitet haben – das war ganz große Werbung, um den Radsport in Deutschland weiter nach vorne zu bringen!

*Laptop aus, Eurosport an, Daumendrücken für Greipel, Kittel und Co.*

Photocredit Bilder Tony Martin: Jens Erbeck Fotografie

Tony Martins Vorbereitung im Kampf um das gelbe Trikot der Tour de France

Go for gelb! – Einblick in die Aero-Vorbereitung von Tony Martin

Wenn am Samstagnachmittag Tony Martin ins Auftaktzeitfahren der Tour de France startet, werden zwei Zuschauer ganz gespannt am Streckenrad stehen und Stilstudien betreiben – Björn Geesmann von STAPS und Daniel Schade von gebioMized. Sie sind die Väter von Tony Martins aerodynamischer Position, die ihn auf hohe Geschwindigkeiten bringen und zu Gelb führen soll. Geesmann und Schade arbeiten schon seit Jahren mit Tony Martin zusammen, doch das Projekt Tour-Sieg in Düsseldorf ist schon etwas Einzigartiges. Bereits im vergangenen Herbst, nach den Weltmeisterschaften in Doha, ging das Team auf die Bahn und feilte an Martins Position. „Die große Herausforderung war, dass Tony mit dem Wechsel zu Katusha Alpecin mit komplett neuem Material ausgestattet wurde“, erklärt Geesmann. Nicht nur das Zeitfahrrad änderte sich – vom Specialized Shiv zum Canyon Speedmax –; auch die Parts wie Lenker oder Sattel sowie das gesamte Equipment wie Bekleidung und Helm waren aufgrund der Ausrüsterverträge des neuen Teams komplett andere. „Eigentlich mussten wir bei null beginnen“, sagt Björn Geesmann. „Wir haben sogar die Rahmengröße in Frage gestellt und ein Modell in S und eines in M aufgebaut“, erklärt Geesmann.

Doch bevor überhaupt auf der Bahn nach dem Einsparpotenzial geforscht wurde, ging es zum sogenannten Pre-Fitting. Denn aller Anfang ist ein sogenanntes biomechanischer Check-up. Hier wird zuallererst dieTony Martins Vorbereitung im Kampf um das gelbe Trikot der Tour de France Stabilität des Beckens im Sattel und die Kraftübertragung der Fußsohle am Pedal untersucht. „Nur, wenn der Fahrer stabil im Sattel sitzt, funktioniert die Kraftübertragung auch verlustfrei“, erklärt Daniel Schade. Erkennen lässt sich eine instabile Position beziehungsweise „schlechte“ Position an den sogenannten Shifts – so bezeichnen die Experten das kurze Vor- oder Zurücksetzen auf dem Sattel – sowie bei der Begutachtung des Schaubildes der Druckmessfolie am Sattel. Was liegt im grünen Bereich, welche Stellen sind gelb- oder gar rotgefärbt; und wie hoch ist der Druck hier auf wenigen Quadratzentimetern? „Die Beantwortung ist nicht ganz unerheblich, gerade für Zeitfahren, die etwas länger sind. Der Fahrer muss eine Position auch immer halten können“, erklärt Schade. „Wenn wir hier sehen, dass ungeheuer hoher Druck flächendeckend auf dem Sattel lastet, ist das ein klares Indiz dafür, etwas an der Position oder dem Sattelmodell zu ändern“, so Schade weiter. Ob die Sitzposition dem Optimum nahe kommt, zeigt sich auch direkt an der Messung der Leistung mittels Druckmessfolien in den Schuhsohlen. „Kommt zu wenig bzw. zu ungleichmäßig Leistung an, müssen wir evaluieren“ erklärt Schade. Erst wenn diese beiden Kontaktstellen „abgearbeitet“ sind, beginnen die tatsächlichen aerodynamischen Tests und das magische Dreieck aus den Schenkeln Kraftübertragung am Pedal, Stabilität im Sattel wird durch die Aerodynamik im Cockpit komplettiert.

 

Die Herausforderung bei Tony Martin bestand darin, ein passendes Sattelmodell seines neuen Ausrüsters zu finden, und in Kombination mit der Sitzhöhe und dem Vor- und Nachsitz des Sattels ihn so zu positionieren, dass er sowohl stabil als auch komfortabel im Sattel sitzt. „Für uns war es ganz angenehm, dass er seinen Schuhausstatter nicht wechseln musste– so hatten wir eine Baustelle weniger“, sagt Daniel Schade.

„Früher hat man unglaublich viel Wert auf die Aerodynamik gelegt und sich bei der Position im Sattel sowie der Kraftübertragung aufs Pedal auf das Gefühl das Athleten verlassen“, sagt Björn Geesmann. DieseTony Martins Vorbereitung im Kampf um das gelbe Trikot der Tour de France Zeiten sind vorbei. Heute kann alles sichtbar gemacht werden – in Echtzeit. Und so wird auch bei Aerodynamik-Tests nicht nur der momentane Luftwiderstand des Fahrers ermittelt, sondern auch immer wieder kontrolliert, inwieweit sich die biomechanischen Werte am Sattel bzw. den Fußsohlen verändern. „Wir können einen Fahrer in eine radikale, sehr tiefe Position bringen, dann aber dafür in Kauf nehmen, dass er dies nur kurze Zeit halten kann beziehungsweise dadurch sein Power-Output verringert wird“, erklärt Geesmann. Hier ist immer die Frage zu beantworten, was ist für den Wettkampf besonders wichtig – Komfort, Stabilität oder Aerodynamik? „Gerade für Sprinter baut man Prolog-Positionen, die wirklich schmerzen, dafür unheimlich aerodynamisch sind“, erklärt Schade. Die Strapazen nimmt der Fahrer dann aber gern in Kauf – für fünf Minuten und eine Top-Platzierung.Aerodynamik-Test mit Tony Martin zur Vorbereitung auf die Tour de France

Wenn STAPS und gebioMized auf der Bahn Aerodynamik-Checks machen, erinnert das stark an Formel-1-Tests. In Echtzeit bekommen die Männer an den Laptops jede Veränderung des Luftwiderstands (CdA) mitgeteilt. Möglich macht dies moderne Alphamantis-Technik, die Leistungsdaten, Geschwindigkeit sowie Trittfrequenz aufzeichnet und per WLAN an den Rechner schickt. Die Software errechnet damit unter Berücksichtigung von Parametern wie Bahnlänge, Kurvenneigung und aktuell herrschender Luftdichte den Aero-Wert aus, wodurch sich Prognosen abgeben lassen, welche Auswirkungen die Veränderungen auf einer vorher festgelegte Strecke haben. „Noch während der Fahrer seine Runden dreht, können wir sehen, was welcher Wechsel mit sich bringt“, erklärt Björn Geesmann.
Im Fall von Tony Martin wurde nicht nur das Set-up des Rades unter die Lupe genommen und moderat verändert; es wurden auch verschiedene Helm- und Zeitfahrmodelle sowie Überschuhe und Aerosocken dem Aerodynamik-Check unterzogen. Mit Erfolg, denn es wurde einiges an Watt eingespart. Dies muss dann am Samstag nicht zur Überwindung des Luftwiderstandes eingesetzt werden, sondern kann direkt in Vortrieb verwandelt werden – Go for „Gelb“!

Aero-Interview mit Tony Martin

Übrigens: Tony Martin ist nicht der einzige Tour-de-France-Teilnehmer, der durch die Hände von Björn Geesmann und Daniel Schade ging. Die Equipe Movistar mit dem junge Deutsche Jasha Sütterlin, der die Chance hat, beim Zeitfahren in die Top 5 zu fahren und das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers zu holen, genauso wie Fahrer des Teams Katusha Alpecin. Geesmann und Schade haben also genug zu tun, Stilstudien zu betreiben.

 

Photo: Saron Duchardt | saronduchardt.de

Videos: Canyon & Seb Montaz Studio

Tony Martin im Aero-Interview bei STAPS

Aero-Interview mit Tony Martin

Zur Vorbereitung auf die Saison 2017 arbeiten wir mit dem Profi-Radteam Katusha Alpecin zusammen. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Aero-Partnerschaft mit dem Team um Tony Martin und Alex Kristoff: STAPS neuer Aero-Partner von Katusha Alpecin.

Prominentester und stärkster Neuzugang des Teams ist der Aero-Fitting mit Tony Martin und Katusha Alpecin im Velodrom Valenciaviermalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin. Eines der Saisonziele des 31-jährigen Deutschen ist der Gewinn des Auftaktzeitfahrens bei der Tour de France in Düsseldorf. Bei einem Erfolg würde er dann nach 2015 das Gelbe Trikot erneut überstreifen. Wir haben mit ihm im Velodrom Valencia ein kleines Aero-Interview mit ihm geführt:

Wie gefallen Dir solche Aerodynamik-Test?

Generell denkst Du als Athlet bei solchen Terminen daran, dass du einen Trainingstag verlierst. Also erst einmal nervig. Aber wenn du dann auf der Bahn bist, ein ganzes Team um dich herumhast, dass sich um dich kümmert, und du spürst, dass „step by step“ ein paar Watt herausgekitzelt werden, dann macht das unheimlich Spaß. Das treibt einen dann richtig an.

Wirst Du dann auch selbst zum Tüftler?

Ja man probiert man natürlich vieles aus. Die ganze Unternehmung bekommt eine positive Dynamik, einen Challenge Charakter beziehungsweise ich selbst spürt dann auch ein bisschen einen Findertrieb. Aber es ist Teamwork. Jeder trägt seinen Teil dazu bei – Katusha SportsAero-Fitting mit Tony Martin und Katusha Alpecin im Velodrom Valencia mit der Bekleidung, Canyon mit dem Material, gebioMized mit dem Fitting, STAPS mit dem Testverfahren und ich noch mit dem Performance-Gedanken, was sich wohl wo noch herausholen lässt. Dieser Mix aus verschiedensten Inputs gibt dann am Ende ein schönes Ergebnis. Durch die Baseline-Messung zu Beginn sieht man deutlich, wo man begonnen hat und am Ende zeigt sich, dass man 7 Watt, 12 Watt, wie viel auch immer eingespart. Da sagt man sich dann am Ende des Tages: Da hätte ich heute lange trainieren müssen, um diese Verbesserung herauszuholen.

Rechnest Du tatsächlich dagegen, wie viel Du dafür hättest trainieren müssen?

Natürlich. Diese Verbesserungen, die wir jetzt beim Aerodynamik-Test in Valencia erzielt haben, kann ich in meinen Bereichen durchs Training kaum mehr erreichen.

Aerodynamik_Canyon_Boris Stein_Patrick Lange | gebioMized | CdA Wert

Kampf gegen Widerstände – Aero-Optimierung mit Canyon & gebioMized

Radfahren ist immer auch ein Kampf gegen Widerstände –  Rollwiderstand, Gewichtswiderstand, am schlimmsten ist aber doch der Luftwiderstand. Denn er verändert sich rasant:  je schneller der Athlet unterwegs ist, desto stärker nimmt dieser zu. Andererseits lässt sich dies schnell ändern, vorausgesetzt man weiß wie.

Die Aerodynamik von Mensch und Maschine zu verbessern – das ist eines der großen Projekte, denen wir uns bei STAPS verschrieben haben. Eine optimale Aerodynamik im Radsport und Triathlon muss zwei wesentliche Aspekte berücksichtigen: Den Luftwiderstand des Setups aus Mensch, Maschine und Material minimieren und dabei aber auch die für die Leistungsentfaltung wichtige Stabilität und den Komfort bieten. Die große Kunst liegt dabei im Zusammenspiel aus diesen Aspekten. In diesem Beitrag möchten wir euch einen Überblick geben, wie ein Aerodynamik-Test im Velodrom auf Profi-Level aussieht.

In den vergangenen Wochen haben wir gemeinsam mit unserem Partner gebioMized aus Münster – die Experten für Druckmessungen im Radsport und Triathlon – ein Setup zur aerodynamischen Optimierung entwickelt, welches das Feld der Aerodynamik-Tests auf der Bahn revolutioniert. Unsere ersten „Probanden“ für dieses Setup sind die Triathleten des Koblenzer Radherstellers Canyon gewesen: Patrick Lange, Markus Fachbach und Boris Stein.

Auf der Suche nach dem optimalen Aero-Setup

Auf der Suche nach dem optimalen Aero-Setup gilt folgendes zu bedenken: Aero-Optimierungen sind ein Prozess, der zumeist nicht an einem einzelnen TagAerodynamik_Canyon_Boris Stein_Patrick Lange | gebioMized | CdA Wert vollendet ist. Unsere Gedankenspiele rund um die Position und das Material des Athleten teilen wir grundsätzlich in mehrere Phasen; in kurz-, mittel- und langfristig. Für Boris Stein und Patrick Lange sind sechs Wochen vor den Ironman- Weltmeisterschaften auf Hawaii dramatische Positionsveränderungen – sofern keine großen Mängel vorliegen – quasi ausgeschlossen, um keine Probleme zu riskieren. Weiterführende Ideen und größere Veränderungen die Potential bergen, gehen wir dann im Optimierungs-Prozess mittel- oder langfristig an.

Key-Learnings für die Triathleten des Canyon-Teams

Im Hobby- und Amateurbereich liegt die durchschnittliche Leistungsersparnis unserer Aero-Optimierungen im Bereich von 6 bis 8 Prozent. Das Optimieren im Profi-Bereich unterscheidet sich davon natürlich deutlich, da der Profi-Triathlet zumeist schon diverse Bike-Fittings oder sogar Aerodynamik-Tests absolviert hat – es ist also Detailarbeit gefragt! Wir geben euch einen Einblick in die Key-Learnings der Hawaii-Starter Boris Stein und Patrick Lange:

Boris Stein (Körpergröße: 1,88 m) ist bis zum Test eine Position mit einer Sattelüberhöhung von 22 Zentimetern gefahren. Ein Ausmaß, welches wir aus Aerodynamik_Canyon_Boris Stein_Patrick Lange | gebioMized | CdA Wertdem Zeitfahr-Sektor des Profiradsports kennen. Seine Aerodynamik war eingangs schon sehr gut, welches sich anhand des ermittelten CdA-Werts (CdA: 0,232; 277W @ 43km/h) verdeutlichte. Anhand von Druckmessungen an den Kontaktstellen von Sattel und Armpads konnten wir zudem messen, dass seine Position extrem stabil war und nur kleine Änderungen am Sattel nötig waren, um seinen Komfort dort zu verbessern. Am Ende waren die Details entscheidend: Durch eine Erhöhung seiner Pads inkl. Extensions um 3 Zentimeter (!) haben wir seinen Oberkörper entlastet und – im Hinblick auf den Marathon – seinen Hüftwinkel etwas geöffnet. Zudem konnten wir die Breite, die die Armpads auseinanderliegen, um 2 Zentimeter verringern und darüber seinen CdA-Wert verbessern und drei Watt einsparen. Eine weitere Ersparnis von fünf Watt ermöglichten uns Materialveränderungen durch einen anderen Helm seines Sponsors UVEX. Mit diesen „kleinen“ Veränderungen spart der diesjährige Sieger des Ironman 70.3 Kraichgau im Hinblick auf Hawaii 2,8 Prozent Leistung ein. Was zunächst nach wenig klingt, wirkt sich bei gleicher Zielleistung mit einem halben Kilometer mehr Weg pro Stunde auf der Ironman-Distanz aus – eine Ersparnis von ca. 2:50 Minuten auf der 180 Kilometer langen Radstrecke auf Big Island.

Fazit Boris: Position komfortabler (Entlastung im Oberkörper und Öffnung des Hüftwinkels) und zudem um 0,5 km/h (Ironman-Distanz) schneller!

Mit meiner neuen Position bin beim Radfahren voll zufrieden. Ich habe den Eindruck durch den größeren Hüftwinkel einfacher Druck auf das Pedal  bringen zu können! (Boris Stein)

Weniger stabil, aber ebenfalls schon mit einer sehr guten Aerodynamik versehen war Patrick Lange. Der 1,78 Meter große Gewinner des Ironman Texas konnte schon bei der Baseline-Messung mit einem CdA-Wert von 0,215 überzeugen. Werte, die selbst im Profiradsport als „sehr gut“ bewertet würden. Ein Aerodynamik_Canyon_Boris Stein_Patrick Lange | gebioMized | CdA WertProblem war allerdings Patricks Stabilität, da er sich alle 8 bis 9 Sekunden auf dem Sattel in vertikaler Richtung (y-Richtung) bewegte – er rutschte (Shifts) also zunächst leicht vor, um die Sattelposition dann nach wenigen Sekunden nach hinten zu korrigieren (siehe „Ausreißer“/ Shifts in Grafik). Es war wieder Detailarbeit gefragt: Nach dem Tausch auf einen für Patrick optimaleren Sattel und einer leichten Reduzierung seiner Sitzhöhe (-2 Millimeter) wurde seine Position deutlich stabiler; die Shifts auf dem Sattel waren nahezu vollständig behoben (siehe „Ausreißer“/ Shifts in Grafik). Weitere Stabilität und eine weitere kleine Verbesserung seiner Aerodynamik konnten wir Patrick durch das Neigen seiner Extensions ermöglichen. Um 7 Grad haben wir seine Extensions inkl. Armpads nach oben geneigt, seine Reaktion dadurch war ein verbessertes „Reinfallen lassen“ in die Aeroposition, wodurch er seinen CdA-Wert von 0,215 auf 0,211 verbesserte und bei einer Geschwindigkeit 43 km/h vier Watt sparen konnte.

Fazit Patrick: Position viel stabiler (siehe Shifts) und zudem 1,6 Prozent Leistung gespart!

Ich bin mega happy mit den Einstellungen und dem Gesamtpaket. Selbst beim Lauf [..der 70.3 EM..] konnte ich in Bestleistungsbereiche vordringen, was wiederum zeigt wie gut die Position für mich ist. (Patrick Lange)

Aerodynamik_Canyon_Boris Stein_Patrick Lange | gebioMized | CdA Wert

Die Kooperation mit Canyon und ihren Triathleten in den vergangenen Wochen war für uns sehr spannend und erkenntnisreich. Durch die gemeinsame Arbeit mit gebioMized haben wir den wohl detailreichsten und innovativsten Aerodynamik-Test im Velodrom entwickelt und gemeinsam mit Canyon verfeinert.

Im Hinblick auf den Ironman Hawaii freuen wir uns, dass wir Boris und Patrick in ihrer Vorbereitung unterstützen konnten und wünschen beiden viel Erfolg!

STAPS get-AERO! – ihre individuelle Aero-Analyse!

Unsere Aerodynamik-Optimierungen bieten wir natürlich nicht nur für Profi-Triathleten an. Auch Hobbysportler und Jedermänner können solch eine Aero-Optimierung bei uns machen. Denn mit STAPS get-AERO! haben wir ein Verfahren entwickelt, welches unsere langjährige Expertise in der Aerodynamik mit modernster Messtechnik vereint.

Sie möchten Ihre Aerodynamik verbessern und Ihren Luftwiderstand reduzieren? Dann vereinbaren Sie jetzt mit uns ein kostenfreies 20-minütiges Analysegespräch Ihrer Aero-Position. Alle Details dazu finden Sie hier: Aero-Analyse STAPS!

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Fotos: (c) Saron Duchardt | www.saronduchardt.de

Unsere letzte Beiträge zum Thema Aerodynamik:

Canyon meets STAPS & gebioMized

Aerodynamik auf neues Niveau gehoben: Canyon meets STAPS & gebioMized

In der vergangenen Woche stand im Augsburger Velodrom alles im Zeichen der Aerodynamik: Der Koblenzer Radhersteller Canyon – bekannt durch zahlreiche Innovationen und Entwicklungen auf dem Radmarkt in den letzten Jahren – traf auf die Aero-Fitting Experten von STAPS und gebioMized.

Das Canyon Speedmax CF SLX zählt zweifelsfrei zu den schnellsten Triathlon-Rädern der Welt. Nicht zuletzt der Langdistanz-Weltrekord von Jan Frodeno vom 17. Juli bei der Challenge Roth hat gezeigt, dass das neue Triathlon-Rad aus Koblenz zu den hoch-entwickeltsten Rädern seiner Zunft gehört. Der Grund für die zahlreichen Aero-Details, die das Speedmax vereint, liegt vor allem darin, dass Innovationen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Aerodynamik bei Canyon groß geschrieben werden.

Dass der Koblenzer Radhersteller gleichzeitig auch offen für neue Innovationen ist, durften wir in den vergangenen Wochen selbst erleben: Gemeinsam mit unseren Freunden von gebioMized aus Münster – Fitting-Experten und Hersteller von Maßsätteln- und einlagen – haben wir mit Canyon eine Kooperation aufgebaut. Bei dieser stehen nicht nur Aerodynamik-Entwicklungen, sondern vor allem auch die Positionsoptimierungen der Profi-Triathleten Canyons im Vordergrund.

Den Anfang dazu machten in der vergangenen Woche Patrick Lange (u.a. Sieger des Ironman Texas 2016) und Markus Fachbach (u.a. 5. Platz des Ironman 70.3 Kraichgau 2016), die uns gemeinsam mit dem Canyon Junior Team Liaison Manager Stefan Keul im Velodrom in Augsburg besuchten.

Der Arbeitstag für Patrick und Markus war schwungvoll: Körperliche Assessments, Druckmessungen an den Kontaktstellen Sattel, Armpad und Schuh, Positions-Optimierungen und Material-Tests mittels Alphamantis-System auf der Bahn – ein intensiver und erkenntnisreicher Tag, der die Aerodynamik und Stabilität der beiden noch mal auf ein „neues Niveau“ (Canyon) gehoben hat!

Der STAPS get-AERO! – nicht nur für Profis!

Fotos: (c) Saron Duchardt | www.saronduchardt.de

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