STAPS beim Ironman auf Hawaii – ein kleiner Einblick

Aloha liebe Sportsfreunde,

viele Grüße aus Kailua-Kona wünsch ich euch!

Meine Uhr zeigt 18.00 Uhr an, ich habe also noch eine Nacht vor mir, bevor morgen um 6.35 Uhr der Startschuss zu den legendären Ironman-Weltmeisterschaften hier auf Hawaii fällt. Diese Nacht wird kurz: Um 4.45 Uhr in der Früh werde ich das Hotel verlassen und mich in Richtung Dig me beach begeben, um die über 2.400 Startern beim Schwimmstart am Pier anzufeuern.

Seit nunmehr einer Woche bin ich jetzt auf Hawaii und darf mir zum ersten Mal das Spektakel rund um dieses Multisport-Event vor Ort anschauen. Ich habe versucht möglichst viel von der Stimmung aufzusaugen: Das morgendliche Schwimmen am Pier zum Coffee-boat, dieNationenparade beim Ironman auf Hawaii Nationenparade am Ali’i Drive, den hawaiianischen Kaffee, das „Castaway“ der Kona Brewing Company, rohen Thunfisch, das Bestaunen der Schildkröten im Pazifik und vieles mehr. Natürlich habe ich mir auch die verschiedensten Materialentwicklungen auf der Expo angeschaut, Partner besucht, tolle Gespräche geführt und mich sehr darüber gefreut, am gefühlt anderen Ende der Welt so viele bekannte Gesichter zu sehen.

Ich habe aber vor allem versucht zu verstehen, warum dieses Rennen die Bezeichnung des härtesten Rennens der Welt trägt. Das war mir aber bereits nach zwei Tagen klar:

Es ist hier – speziell heute – heiß. Wobei man heiß relativieren muss: Es hat eigentlich „nur“ um die 32 Grad Celsius, allerdings ist die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass die Luft sehr drückend und schwül wirkt. Aufgrund leichten Jetlags bin ich an den ersten Tagen noch um 5.30 Uhr laufen gewesen, was – gerade in Gedenken an den wohl vorherrschenden deutschen Winter bei der Rückkehr nächste Woche – noch recht angenehm war. Verschiebt man den Lauf aber um etwa eine Stunde nach hinten (so wie heute Morgen), gilt gefühlt die Faustformel, dass man nach Beendigung des Laufs noch etwa selbige Zeit, wie für den Lauf selber benötigt wurde, stillsitzen muss, um Herr über das Schwitzen zu werden. Das direkte Duschen nach dem Laufen macht keinen Sinn.

Auch das Schwimmen ist ungewohnt. Im Fühlinger See Kölns schmeckt das Wasser weitaus weniger salzig und der Schwimmen am Dig me beach - Pier beim Ironman auf HawaiiWellengang ist bedeutend geringer. Gerade das „Durchschaukeln“ aufgrund der starken Wellen, gepaart mit großem Durst aufgrund des salzigen Wassers sorgte für das ein oder andere flaue Gefühl. Gut, der Anblick des bunten Fischtreibens unter mir und der morgendliche Kaffee im Wasser beim Coffee-boat sind natürlich jeden Salzgeschmack wert. Auch Schildkröten gibt es im Fühlinger weniger. Aber ich bin mir sicher, dass die Athleten morgen keinen Gedanken ans Coffee-boat verschwenden und keinen Blick für die bunten Fische unter sich haben werden.

Vorgestern bin ich Teile der Radstrecke abgefahren. Was mir als Hawaii-Theoretiker bis dato klar war: Es ist windig und heiß auf der Radstrecke. Was mir aber – offen gesprochen – nicht klar war, ist die widerlich wellige Streckentopografie. Flach ist es eigentlich nie. Es geht nur hoch oder runter – im Übrigen ebenso beim Laufen. Einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden ist quasi unmöglich, sodass man immer wieder reflektieren muss, um nicht zu überpacen. Hinzu kommt der sich drehende Wind. Auf dem Rückweg von Hawi haben die Jan Frodenos und Sebastian Kienles dieser Welt wohl zu erwartenden Rückenwind und fahren per se eher 46 km/h als 36 km/h. Dadurch wirken die „Anstiege“ auch eher wie Wellen, sodass diese Jungs das kleine Kettenblatt vorne wohl auch in Kailua hätten lassen können. Da sich der Wind aber gegen Mittag zu drehen beginnt, hat der Agegrouper im worst case auf Hin- und Rückweg Gegenwind. Das fand ich schon früher in der Theorie immer sehr zermürbend. Als ich jetzt draußen auf dem Highway war und verstanden habe, was der Hawaiianer mit Gegenwind meint, ist mir zudem noch mal ganz deutlich in Erinnerung gerufen worden, warum ich hier – wie bei jedem Ironman, aber hier eben noch mal etwas mehr – wahnsinnigen Respekt vor jedem einzelnen Teilnehmer habe.

Lange Rede, kurzer ehrfürchtiger Sinn: Schon als Tourist wird klar, was den Ironman auf Hawaii auszeichnet. Ich habe in dieser Woche viel über das Rennen gelernt und freu mich über diese Erfahrung. Die hawaiianischen Bedingungen morgen im Rennen zu erleben und an diesem Tag erfolgreich zu finishen – dafür wünsche ich schon jetzt jedem Athleten viel Erfolg und einen tollen Tag!

Expertentalks auf tri-mag.de

Natürlich habe ich auch versucht ein paar Tipps und Infos für die Vorbereitungen auf Hawaii oder im Hinblick auf eine mögliche Qualifikation für die Ironman-WM zu geben. Dazu habe ich mir bis dato drei Mal gemeinsam mit dem triathlon-Magazin-Herausgeber Frank Wechsel ein schattiges Plätzchen auf der Insel gesucht, um spontan und frei heraus über das Training, die Ernährung, das Material und vieles mehr zu plaudern.

Hier unsere „Expertentalks“:

Teil 1 – Was braucht man für eine Hawaii-Qualifikation?

Teil 2 – Das Radfahren beim Ironman Hawaii

Teil 3 – Der Weg zum Ironman Hawaii 2018 beginnt jetzt!

Ab morgen bin ich Fan!

Am heutigen Pre-Race-Abend werde ich noch letzte Vorbereitungen für morgen treffen und mich dann zu diversen Nerd-Talks mit dem ein oder anderen Szene-Mitglied treffen. Zudem findet nebenan die „Thank God I am not racing“-Party statt – das klingt nach einer Veranstaltung auf der ich richtig bin.

Eines zieht sich seit nunmehr einer Woche durch jeden Tag: Die Vorfreude auf das Rennen morgen. Morgen bin ich hier nicht als Sportwissenschaftler oder Coach, sondern vor allem als Fan eines beeindruckenden Rennens mit inspirierenden Athleten. Ich werde an zahlreichen Streckenabschnitten stehen und, wenn schon nicht auf der Strecke selber, aber dann zumindest vom Streckenrand aus, Vollgas zu geben. Ich freu mich wahnsinnig auf alle Athleten, mit denen wir in den letzten Monaten zusammengearbeitet haben wie die Canyon-Athleten um Jan Frodeno, Patrick Lange und Nick Kastelein; aber auch auf jeden einzelnen Age-Grouper, den wir hierher begleiten durften. Tipp für euch für morgen: Erschreckt euch bitte nicht, wenn es plötzlich laut wird! 😉

Euch zuhause wünsche ich viel Spaß in eurer persönlichen langen Hawaii-Nacht. Viel Spaß mit den zahlreichen Berichterstattungen und spezielle Grüße auch nach Hamburg zur langen Hawaii-Nacht des triathlon-Magazins in unserem Institut!

Liebe Grüße,

Björn