Science and Cycling Kongress Tour de France

Science & Cycling – Konferenz 2016 (Caen, Frankreich)

Auch in diesem Jahr fand am Startort der Tour de France wieder der Science & Cycling Kongress statt – STAPS dürfte dabei natürlich nicht fehlen. Wie schon im letzten Jahr (siehe unten) möchten wir euch auch in diesem Jahr einen kleinen Einblick in die Themen des Kongresses geben:

Hitzeakklimatisation in der Badewanne

Die Straßenweltmeisterschaften finden dieses Jahr im Oktober (9.-16.10.2016) in Doha, Katar statt. Ein heiß debattiertes Thema bleibt – nicht zuletzt aufgrund der Umgebungsbedingungen in Katar – nach wie vor die Hitze und verschiedene Möglichkeiten der Akklimatisation an heiße Bedingungen.

Leider ergibt sich nicht für jeden Sportler die Möglichkeit kurzfristig ein Trainingslager in warmen Gefilden aufzusuchen um sich an das Klima zu adaptieren. Eine Alternative zum Hitze-Camp könnte dabei – so profan es klingen mag – ein heißes Bad sein. Eine kürzlich veröffentliche Studie zeigt, dass sich eine Anpassung an die Hitze durch ein Bad direkt nach dem Training positiv auf die Leistung in warmen Temperaturen auswirkt. An sechs Tagen

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haben die Probanden in kühlen Temperaturen trainiert und anschließend ein Bad bei 40° Grad genommen, wodurch sich die Leistung im Schnitt um knapp 5% in der Hitze verbesserte (Zurawlew et al., 2015).

Frei nach dem Motto: “Train-cool, bathe-hot“ könnte zukünftig die Vorbereitung auf einen heißen Wettkampf Zuhause in der Wanne stattfinden.

Praktische Tipps von STAPS:

  • moderates Training über ca. 40min in angenehmen Temperaturen (ca. 16-21 Grad)
  • nach dem Training direkt ein heißes Bad nehmen (40 Grad Wassertemperatur für 15min)
  • die Länge des Bades täglich um ca. 5min erhöhen
  • insgesamt mindestens 6 Tage hintereinander als Akklimatisation einplanen

Der Kopf spielt mit

Meist unterschätzt, aber häufig entscheidend: Der Kopf!

Die Fokussierung auf ein bestimmtes Ziel kann einen deutlichen Effekt auf das Belastungsempfinden, die Pace-Regulierung und die Leistung haben. Dabei kann zum Beispiel das bewusste Fokussieren auf die Umgebung (Ablenkungsstrategie) die Wahrnehmung für ein unangenehmes Gefühl schwächen und das Belastungsempfinden reduzieren. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich durch diese Ablenkung und den Mangel an Konzentration die Pace verringert.

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Anerkannt und häufig praktiziert zur Optimierung des mentalen Faktors sind das Selbstgespräch (self-talk) und die Visualisierung (imagery). Die Empfehlungen für die Praxis wären positive Selbstgespräche wie z.B.: „das schaffst du“ oder „ich fühle mich super“. Beim Visualisieren könnte man sich beispielsweise vorstellen, wie die Beine wie die Zahnräder einer Dampflok konstant ineinander greifen und sich vorwärts bewegen. Mit solchen Techniken arbeiten auch die Profis um sich in schwierigen Momenten mit positiven Gedanken nach vorne zu bringen.

Praktische Tipps von STAPS:

  • mehrere Phasen aufschreiben mit denen man sich wohlfühlt. Am besten zwei für die frühen Phasen einer Betätigung und zwei für die späte Phase (z.B. „ich fühle mich super“ oder „du musst jetzt durchhalten“)
  • diese Phrasen in den jeweiligen Phasen des Wettkampfes/Trainings einbauen
  • die Vorstellung wie die Beine zum Motor einer Dampflokomotive werden und sich stetig nach vorne bewegen

Koffein: Responder und Non-Resonder?Science and Cycling Kongress Tour de France

Im Bereich der Nahrungsergänzung bleibt Koffein weiterhin ein Favorit der Leistungssteigerung. Koffein wirkt als Booster auf kurzen als auch auf langen Distanzen. Aber gilt das wirklich für jeden? Nach einer aktuellen Studie ist diese Selbstverständlichkeit nicht unbedingt als Gesetz anzusehen. Koffein könnte für einige Sportler im schlimmsten Fall sogar leistungsminimierend sein – je nachdem wie der Körper mit der Verstoffwechselung zurechtkommt. Verantwortlich für die unterschiedlichen Ergebnisse ist ein Gen namens CYP1A2, welches mitverantwortlich für die Geschwindigkeit der Verstoffwechselung im Körper ist. Bei den Personen die Koffein sehr langsam verarbeiten kommt es eher zu einem Leistungsabfall. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Anzahl der Personen bei den kein Leistungsschub zu erwarten ist eher gering ist.

Beiträge des Science & Cycling – Kongress in Utrecht 2015