Aerodynamik-Test | Triathlon-Anzug Test | Roy Hinnen

get-AERO! – der große Triathlon-Anzug-Test mit Roy Hinnen

Einteiler oder Zweiteiler? Ohne Ärmel oder mit Ärmeln bis zu den Ellenbogen? Das sind nur zwei der zahlreichen Fragen, die ein Triathlet an seinen Anzug stellt. Ergänzend dazu sollte man sich bei der Wahl nach dem richtigen Stück „Stoff“ auch immer fragen, ob die Passform ideal und der Anzug aerodynamisch ist und ob man in diesem auch gut laufen kann. Um bei der Wahl nach dem perfekten Triathlon-Anzug eine kleine Hilfestellung zu geben, haben wir gemeinsam mit Triathlon-Legende Roy Hinnen und triathlon.de verschiedene Anzüge getestet:

Anzug ist individuell!

Vorweg das Wichtigste: Die aerodynamischen Auswirkungen eines Anzugs sind immer individuell. In Abhängigkeit der Körperkonstitution, der Position auf dem Rad und der Passform des Anzugs wirkt jeder Anzug anders. Daher gibt der folgende Test einen guten Eindruck über die unterschiedlichen Auswirkungen verschiedenster Anzüge, kann aber nicht als pauschal bewertet werden.

Da das Thema der unterschiedlichen Triathlon-Anzüge immer bedeutender wird, haben wir uns gemeinsam mit Roy Hinnen und triathlon.de Mitte Mai auf der Radrennbahn in Augsburg getroffen und die Eigenschaften 11 verschiedener Anzüge unter die Aerodynamik-Lupe genommen.

Aerodynamik-Test | Triathlon-Anzug Test | Roy Hinnen

Foto: triathlon.de

Drei Kernpunkte der Anzug-Aerodynamik

Die Auswahl des richtigen Anzugs? Bei der Entscheidungsfindung und der Analyse der Aerodynamik zählen drei Kernpunkte: 1. das Material des Anzugs, 2. die Passform und 3. die Position des Triathleten samt seiner Körperkonstitution. Um den individuell-aerodynamischten Anzug ausfindig zu machen, sollten immer alle drei Kernpunkte im Einklang stehen. Auch das beste Material kombiniert mit einer sehr guten Sitzposition ist nachteilig, wenn der Anzug nicht „sitzt“ und Falten wirft. Ebenso kann der Anzug aber perfekt passen, das Material aber nicht vorteilhaft gewählt sein: An unterschiedlichen Stellen des Anzugs – und damit an unterschiedlichen Teilen des Anzugs – wirken sich verschiedenste Materialien und Gewebe-Muster unterschiedlich aus.

Testablauf mit namhaften Herstellern

Gemeinsam mit Testpilot Roy Hinnen haben wir 11 verschiedene Anzüge verglichen: Als Referenz (und Vergleich zu reinen Zeitfahr-Anzügen aus dem Profi-Radsport) haben wir den Castelli BP 3.0 eingesetzt, der komplett lange Arme (bis zu den Händen) hat und sich in den letzten Monaten immer wieder als schnellster Einteiler herausgestellt hat.

Von zahlreichen namhaften Herstellern (u.a. 2XU, Kiwami, Saysky, Skinfit) haben wir Anzüge in Roys passender Größe zur Verfügung gestellt bekommen – durchgehend mit Armen bis zu den Ellenbogen. Ebenfalls getestet haben wir einen sehr alten Henniez-Anzug (schulterfrei), mit dem Roy in früheren Jahren diverse Bestzeiten aufgestellt hat, sowie den aktuellen Anzug der Schweizer Nationalmannschaft (schulterfrei). Im folgenden eine Auflistung der CdA-Werte (Parameter des Luftwiderstands), als auch die Leistungen, die Roy in den jeweiligen Anzügen für 36, 40 und 45 km/h fahren muss:

Aerodynamik-Test | Triathlon-Anzug Test | Roy Hinnen

Überraschende (individuelle) Ergebnisse

Wie groß die unterschiedlichen Auswirkungen eines Anzugs sein können lässt sich nicht nur an den CdA-Werten, sondern auch an den Leistungsersparnissen zwischen einem aerodynamischen und einem weniger-aerodynamischen Anzug aufzeigen: Bei 45km/h liegen zwischen dem überraschenden Tagessieger PA-Suit und dem Anzug der Schweizer Nationalmannschaft 13 Watt (3,5%).

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Foto: triathlon.de

Die Ergebnisse lassen sich in mehrere Gruppen einteilen: Klare Sieger für Roy waren der als Newcomer ins Rennen gegangene PA-Suit, sowie Anzüge von Skinfit und des dänischen Herstellers Saysky. Der Zone3-Anzug folgte mit etwas Abstand (aber auch Vorsprung auf Platz 5) an vierter Stelle. Der Anzug von Jan Frodenos Sponsor 2XU und der Zoot belegten direkt aufeinanderfolgend die Plätze 5 und 6. Etwas abgeschlagen im unteren Mittelfeld fanden sich die Anzüge von Kiwami, der Castelli San Remo und ein Anzug von Assos wieder. Abgeschlagen lagen der „Retro“-Henniez Anzug und der Nationalmannschafts-Anzug der Schweizer auf den letzten Plätzen.

Die Ergebnisse sind zwar „individuell“ und daher nicht als valide anzusehen, klare Tendenzen sind aber in Sicht: Der PA-Suit zum Beispiel liegt seit einigen Monaten bei unseren Aerodynamik-Tests immer wieder im vorderen Bereich und stellt sich als sehr guter Anzug heraus – vorausgesetzt die Passform stimmt.

Lange Arme schlagen kurze Arme

Zu einem pauschalen Urteil lassen wir uns aber – nicht nur aufgrund der Ergebnisse des Tages, sondern auch aus der Erfahrung der letzten Monate und Jahre heraus – hinreißen: Ärmellose Anzüge sind langsamer als Anzüge mit Ärmeln bis zu den Ellenbogen. Die Begründung liefern wir gleich mit: Durch einen ärmellosen Anzug steht viel Haut im Wind und Haut besitzt aufgrund seiner „Glätte“ eher schlechte aerodynamische Eigenschaften. Dabei ist weniger die Anströmung der Haut als vielmehr das schnelle „Abreißen“ der Luft an der glatten Haut und die damit verbundenen Verwirbelungen nachteilig. Des Weiteren wird durch ärmellose Anzüge das Schultergelenk freigelegt, wodurch ein relativ breites, kantiges Gelenk im Wind steht.

Wir bedanken uns für diesen spannenden und aufschlussreichen Testtag bei Roy Hinnen und triathlon.de!

Du hast Fragen zu diesem Aerodynamik-Test oder möchtest vielleicht selber mal die schnellsten Anzüge für dich ausfindig machen oder deine Position auf dem Rad mit unseren Aero-Experten optimieren? Lass dich gerne von uns beraten (Kontakt STAPS) oder besuch unsere Aero-Seite unter staps-online.com/get-aero.

Unser Testtag im Video: