Laila Orenos - Sieg beim Ötztaler Radmarathon 2017

Der vierte Sieg in Folge beim Ötztaler – Laila Orenos im Interview

Zu Boden ging die Schweizerin Laila Orenos erst, nachdem sie als Siegerin den Zielstrich beim Ötztaler Radmarathon überfahren hatte – nach 7:50:44 Stunden. Dafür aber mit aller Härte. Da die STAPS-Sportlerin von Muskelkrämpfen gepeinigt war, musste sie die vielen Glückwünsche im Liegen entgegennehmen. Wir gratulieren und haben mit ihr ein kleines Interview geführt.

War der vierte Sieg bislang Dein härtester?

Ganz gewiss. Ich habe mich zwar im vergangenen Jahr die ganze Zeit nicht so gut gefühlt – trotz des Sieges und der Rekordzeit, aber dieses Jahr war es brutal. Dieses Mal lief es eigentlich von Beginn an perfekt. Auch das Kühtai hoch konnte ich meinen Rhythmus finden und habe kaum Zeit auf die anderen Konkurrentinnen verloren, die am ersten Anstieg meist schneller sind als ich.

Wann kam der Einbruch?

Zu Beginn des Anstiegs zum Timmelsjoch hatte ich Krämpfe. Die habe ich zwar dank eines speziellen Muskelkrämpfe-Shots gut in den Griff bekommen, aber ich konnte die angestrebte Leistung plötzlich nicht mehr bringen. Zudem wurde mir dann auch sehr sehr übel, was zur Folge hatte, dass ich nichts mehr essen und nur noch wenig trinken konnte. Eine unglückliche Kombination.

Wie hast Du es geschafft, vorne zu bleiben?

Es war Glück im Unglück. Bei meinem Teamkollegen Ralf lief es nicht so gut und er ist von vorne zurückgefallen. Er hat mich dann auch immer wieder motiviert, dass ich genug Druck aufs Pedal gebe und kämpfe. Wäre Ralf nicht da gewesen, hätte ich das Rennen abgeschenkt. Ich wäre zwar zu Ende gefahren, aber ich hätte nicht mehr versucht, auf Biegen und Brechen hochzuklettern.

Es gab also dunkle Momente?

Ja, ich habe mich schon gefragt: Für was quälst Du dich jetzt, wenn Du doch eh gleich eingeholt wirst? Es war schon sehr sehr hart, denn mein Puls war weit über meiner Schwelle, nicht aber die Wattwerte. Es war die schlimmste Krise, die ich je in einem Rennen hatte. Ich habe mich im Endeffekt von St. Leonhardt bis ins Ziel gequält. Es ist ehrlich gesagt ein saublödes Gefühl, wenn Du langsam wirst und nur noch da hochkriechst. Ralf war auch beim Bergabfahren hinunter vom Timmelsjoch eine große Hilfe, da ich in seinem Windschatten bleiben konnte.

Ab dem Timmelsjoch wurde es dann besser?

Nein, ich habe mich über den Gegenanstieg gequält und in der Abfahrt kamen die Krämpfe dann wieder zurück. Am Ende waren sie so stark, dass ich im Ziel nicht mal mehr aus den Pedalen ausklicken konnte – es zog von der Zehenspitze bis in die Hüfte an beiden Beinen.

Ist solch ein Sieg unter Schmerzen im Nachhinein nicht viel schöner, weil er emotionaler ist?

Klar, umso schlimmer das Rennen ist, desto mehr hat man dann zu erzählen. Das perfekte Rennen gibt es so selten – 2015 war es das. Aber diesmal war es wirklich sehr sehr intensiv.

Hast Du eine Erklärung für die Krise?

Nein, das werde ich jetzt noch gemeinsam mit meinem Coach Jonas von STAPS analysieren.

Aber trotz aller Qualen, Du willst Deinen Titel 2018 verteidigen?

Ja, natürlich. Der Ötztaler Radmarathon ist ein sehr schönes Rennen. Das will ich auch noch so lange bestreiten, so lange ich sportlich da die vier Gipfel mit Anstand hochkomme. Da wird es dann aber nicht mehr um den Sieg gehen, sondern um den Spaß.

Die Rennanalyse von Laila und ihrem Coach Jonas veröffentlichen wir für euch in den nächsten Tagen – seid gespannt, wo der „Fehler“ lag.

Laila Orenos - Sieg beim Ötztaler Radmarathon 2017

Photo Credit Header: Ötztaler Tourismus

Photo Credit Beitrag: Daniel Beck