Laila Orenos siegt beim Radmarathon Alpen Challenge

Laila Orenos auf dem Weg zur Titelverteidigung beim Ötzi

In diesem Blog wollen wir einen Einblick geben, wie sich die STAPS-Athletin und mehrfache Ötztaler Radmarathon-Siegerin Laila Orenos auf die Titelverteidigung vorbereitet; und warum Pacing-Strategie und Energieaufnahme unmittelbar zusammenhängen – am Beispiel der Alpen Challenge Lenzerheide.

Die unmittelbare Rennvorbereitung auf die Alpen Challenge Lenzerheide startete bei der Schweizerin Laila Orenos am Samstag mit einer Vorbelastung. Wie viele andere Athleten kommt sie damit besser zurecht als mit einem reinen Ruhetag. In dem eineinhalb Stunden dauernden Training sind ganz kurze Intervalle im Spitzenbereich eingebaut. Diese dienen allerdings nicht mehr dazu, einen Trainingsreiz zu setzen, sondern vielmehr den Muskeltonus hoch zu halten, um am Wettkampftag optimal vorbereitet und aktiviert zu sein. Laila fuhr diese Vorbelastung nach einem kohlenhydratreichen Mittagessen und gefüllten Speichern. Schon die gesamte Woche über ernährte sich die Schweizerin kohlenhydratreich, so dass 300 bis 400 Gramm Kohlenhydrate in der Muskulatur und Leber eingelagert werden konnten – Stichwort Carboloading. Zum Abendessen, das sie nicht zu spät – gegen 19:30 – einnahm, gab es Risotto (Reis 150 Gramm trocken) mit Gemüse und ein kleines Schokodessert.

Trainingsplan von Laila Orenos vor der Alpen Challenge zur Vorbereitung auf den Ötztaler Radmarathon

Der Rennsonntag begann wie bei vielen Alpenmarathons äußerst früh – und damit auch die Nahrungsaufnahme. Daher lagen zwischen dem Wecken um 3:50 Uhr Rote Beete im Training und Wettkampfund dem Frühstück nur 20 Minuten. Aufgetischt wurden Haferbrei (ca. 60-70 Gramm trocken) mit Hafermilch, Nüssen und Früchten. Dazu nahm Laila dann einen Rote-Bete-Shot, wie schon an den Vortagen in dieser Woche. Die Rote-Bete zeigt seine leistungssteigernde Wirkung durch das anorganische Nitrat am besten als Kur vor dem Wettkampf – siehe hierzu: Science with STAPS – Rote Beete!

Während des Rennens war ein wichtiges Ziel nicht nur die vorgegebene Pacing-Strategie durchzuziehen, sondern auch genug Energie nachzutranken – und zwar eine möglichst hohe Menge an Kohlenhydrate. Die generelle Empfehlung liegt bei 1 bis 1,2 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht. Durch Dauertests im Training und in Marathons hat sich herausgestellt, dass Laila flüssige Produkte (Gels und kohlenhydrathaltige Getränke) besser verträgt als feste Nahrung wie Riegel und mit diesen eine Aufnahmefähigkeit von 80 bis 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde erreicht. Mit ein wichtiger Grund dafür, dass ihre hohe Pace in den Rennen nah an ihrer Schwellenleistung liegen kann. Der hohe Verbrauch an Kohlenhydraten kann durch ihre hohe Zufuhr zu Teilen kompensiert und der Leistungsabfall damit herausgezögert werden.

Bei der Alpen Challenge war folgendes ihre Marschverpflegung:

Laila Orenos - Energiezufuhr beim Alpen-Marathon

Abzüglich 5 Prozent Restmengen in Flaschen und Gels nahm Laila während des Rennens also insgesamt 567 Gramm Kohlenhydrate zu sich. Bei der Renndauer von 6:51 Stunden bedeutet das, dass sie 83 Gramm Kohlenhydrate oder 1,4 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde zuführte. Ihr Gesamtenergieverbrauch lag bei 4.430 Kilokalorien, so dass bei der Energiezufuhr von ca. 2.400 Kilokalorien das Bilanzminus von 2.000 Kilokalorien unter anderem durch das eingelagerte Glykogen in Muskulatur und Leber kompensiert wurde.

Weitere interessante Leistungsdaten, die zeigen, wo die „Energie geblieben ist“:

Durchschnittsleistung (190,6 Kilometer, 6:51 Stunden): 180 Watt

Abulapass (19 Kilometer, 1:07 Stunden): 249 Watt

Splügenpass (28,7 Kilometer, 1:50 Stunden): 223 Watt

Schlussanstieg: (8,2 Kilometer, 0:30 Stunden): 245 Watt

Last but not least, sollten wir bei der Flut an Zahlen und Daten, die Platzierung nicht vergessen. Laila gewann wie die Alpen Challenge Lenzerheide souverän mit 16 Minuten Vorsprung gegenüber der Zweitplatzierten Nina Zoller. Mit ihrer Zeit von 6:51:27 Stunde wäre sie bei den Männern sogar auf Platz zwölf gefahren. Trotz der wechselnden und widrigen Wetterbedingungen blieb sie nur fünf Minuten unter dem von ihr aufgestellten Streckenrekord, damals unter optimalen Bedingungen. Auch der Umstieg auf ihr neues Teamrad mit Scheibenbremsen klappte perfekt, sie fühlte sich in den Abfahrten sehr sicher.

Fazit: Der Ötzi kann kommen!

 

Text: Daniel Beck, Photocredit Header: Sportograf

Laila Orenos beim Engadiner Radmarathon – eine Rennanalyse

Auf dem Weg zum Ötzi mit Laila Orenos

Die von uns betreute Schweizerin Laila Orenos ist die Seriensiegerin des Ötztaler Radmarathons und bereitet sich gerade auf die Titelverteidigung vor. Sie nutzte den Engadiner Radmarathon um sich für den Ötztaler Radmarathon in Form zu bringen. Ganz nebenbei gelang es der 34-Jährigen auch, den Streckenrekord auf der langen Runde zu brechen.

Mit Ofenpass, Forcola die Livigno, Bernina-, Flüela- und Albulapass standen bei der 221 Kilometer lange Runde durch das Engadin fünf wahre Giganten aus Stein im Weg, an denen Laila Orenos Laila Orenos - Rennanalyse des Engadiner Radmarathon in der Vorbereitung auf den Ötztaler Radmarathonihre Pacingstrategie für den Ötztaler Radmarathon durchspielen sowie ihre Form testen wollte. Rund sieben Wochen vor dem Saisonhighlight ist das ein idealer Zeitpunkt, um zu sehen, wo der Athlet steht und gegebenenfalls noch das Training zu verändern.

Wir haben uns mit Laila zusammen den Engadiner Radmarathon bewusst ausgesucht, damit sie unter Wettkampfbedingungen kürzere Anstiege schneller fährt. Denn an der Spitze des Frauenfeldes beim Ötzi wird oft sehr unrhythmisch gefahren, was bedeutet, dass phasenweise zum Beispiel auch oberhalb der Schwelle gefahren werden muss, um dranzubleiben. In Zahlen ausgedrückt: die kürzeren Anstiege beim Engadiner Radmarathon sollen mit 30 bis 40 Watt mehr Leistung gefahren werden, als die längeren Anstiege beim Ötzi. Der zweite wichtige Punkt, der aus unsere Sicht für den Radmarathon in der Schweiz sprach, war die Tatsache, dass der Albulapass mit seinen 24 Kilometern dazu genutzt werden soll, gegen Ende des Rennens – nach ca. fünf Stunden – noch möglichst die Ötzipace aufrecht zu erhalten. Laila sollte selbst „erfahren“, dass auch höhere Intensitäten zu Beginn eines Rennens, die Leistung “hinten raus” nicht unbedingt negativ beeinflussen müssen – eine clevere Pacing-Strategie vorausgesetzt.

Laila Orenos - Rennanalyse des Engadiner Radmarathon in der Vorbereitung auf den Ötztaler Radmarathon

Das Rennen im Detail

Erster Anstieg: Ova Spin

Das Rennen startet gleich mit einem ca. sieben Kilometer langen Anstieg in Richtung Ofenpass, der immer sehr schnell gefahren wird. „Hier Emma Pooley zu folgen wäre für mich aber nicht möglich, sie fährt diesen Abschnitt deutlich schneller als ich“, sagt Laila Orenos. Zur Erklärung: Emma Pooley ist eine ehemalige Weltklasserennradfahrerin, sowie aktive -duathletin, die extrem hohe Intensitäten fahren kann. Für Laila Orenos ging es am Ofenpass darum, nicht zu viel Zeit zu verlieren, damit sie eine schnelle Gruppe erwischt, mit der sie kräftesparend aber zügig über die Flachstücke bis zum nächste Anstieg kommt. Das gelang ihr, sie konnte die Zielvorgabe umsetzen.

Länge: 5,8 Kilometer

Zeit: 20:26 min

Zielvorgabe: 270-275 Watt

Erzielte Leistung: 274 Watt

Zweiter Anstieg: Forcola di Livigno

„Auf dem Flachstück bis zur Forcola di Livigno, konnte ich mich gut erholen und verpflegen“ erklärt Orenos, da es dort keine Attacken gab und man dieses Stück einfach als Transfer nutzte. „Erst am Anstieg wurde wieder mehr Druck gemacht. Wir sind dann in einer großen Gruppe auf den Pass gefahren. Nina Zoller und ich blieben zusammen und sind gemeinsam in die Abfahrt“, so Orenos weiter. Die Pacingvorgabe wurde nicht ganz erreicht, da es mit der Gruppe langsam in den Anstieg ging.

Länge: 10 km

Zeit: 27:24 min

Zielvorgabe: 250-260 Watt

Erzielte Leistung: 238 Watt // letzten 4km (14min) 260W

Dritter Anstieg: Berninapass

Nach nur einer kurzen Abfahrt vom Forcola di Livigno, ging es gleich mit Vollgas in den Anstieg zum Bernina. „Da nicht viel Zeit zur Erholung blieb, musste ich reißen lassen, konnte die kleine Lücke aber bis zum Pass wieder schließen“, sagt Orenos. „Oben auf dem Berninapass ist es sehr wichtig mit einer Gruppe in die Abfahrt zu gehen, da es die nächsten 40 Kilometer tendenziell bergab geht“, so Orenos weiter, die dann mit ihrem Peloton im flacheren Teil auf die Gruppe vor ihr auffuhr, in der sich auch Emma Pooley befand.

Länge: 2,8km

Zeit: ca. 12:18 min

Zielvorgabe: 250-260 Watt

Erzielte Leistung: 263 Watt

Vierter Anstieg: Flüelapass

„Hier musste ich zuerst wieder den Rhythmus finden, versuchte trotzdem zügig in den Pass zu fahren. Es reichte aber nicht Nina und Emma zu folgen und ich bin für mich mein Tempo gefahren“,Laila Orenos - Rennanalyse des Engadiner Radmarathon in der Vorbereitung auf den Ötztaler Radmarathon sagt Laila Orenos. Als erstes am Passschild kam Emma Pooley an, 30 Sekunden dahinter Nina Zoller und wieder 30 Sekunden später Laila Orenos. In der unteren Hälfte der Abfahrt konnte Laila Orenos wieder auf Nina Zoller aufschließen. Da Emma Pooley auf dem Flüelapass einen Hungerast erlitt und sich am Gipfel ordentlich verpflegen musste, konnte sie den Rückstand nicht mehr verringern. „Als Zweier-Team sind Nina und ich die gut 30 Kilometer von Davos bis nach Alvaneu gefahren“, so Orenos.

Länge: 12,6 km

Zeit: 51:47min

Zielvorgabe: 240-250 Watt

Erzielte Leistung: 243 Watt  // Beginn des Anstiegs 4km (17min) 254W // Rest 237W

Fünfter Anstieg: Albulapass

Kurz vor dem Anstieg wurde das Duo von einer Gruppe aufgefahren. „Da Emma Pooley aber nicht dabei war, sind Nina und ich zügig in den Albula gefahren. Nach dem ersten Drittel des langenLaila Orenos - Rennanalyse des Engadiner Radmarathon in der Vorbereitung auf den Ötztaler Radmarathon Anstiegs musste mich Nina ziehen lassen und es gelang mir, bis zur Passhöhe meinen Vorsprung kontinuierlich auf 10 Minuten auszubauen“, sagt Laila Orenos, die mit 216 Watt im Durchschnitt unter ihrer Zielvorgabe – der angestrebten Pace beim Ötzi – blieb. Auf den letzten 24 Kilometern bekam die Schweizerin thermische Unterstützung – nämlich Rückenwind, der ihr auch half ihren Vorsprung zu verteidigen. Sie holte sich nicht nur den Sieg, sondern konnte mit ihrer Zeit von 6:51:04 Stunden auch einen neuen Streckenrekord aufstellen.

Länge: 24 km

Zeit: 1:29:32 h

Zielvorgabe: 230-245 Watt

Erzielte Leistung: 216 Watt // ca. 1. Drittel 229W // Rest 213W

Fazit

Wir, wie auch Laila sind sehr zufrieden mit dem Rennen und ihrer Leistungsfähigkeit. Sie konnte trotz eines sehr unrhythmischen Rennens die Leistungsvorgaben aufrecht halten, gerade auch nach der langen Fahrzeit, und wird den diesjährigen Ötzi voraussichtlich mit etwas mehr Leitungsfähigkeit bestreiten können als im Jahr zuvor. „Mir hat diese Bestätigung sehr gut getan und ich weiß jetzt, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, so die Appenzellerin. Die nächsten Schritte auf dem Weg zur angestrebten Titelverteidigung und dem damit verbundenem vierten Sieg (!) in Folge sind ein Trainingslager in den Bergen Mitte Juli, sowie Anfang August die Alpen Challenge in Lenzerheide, die dem Ötzi noch näherkommt, in Bezug auf Länge und Steigungsgrade der Pässe.Laila Orenos - Rennanalyse des Engadiner Radmarathon in der Vorbereitung auf den Ötztaler Radmarathon

Photocredit Beitragsbild Laila Orenos: Alpen Challenge/Henning Angerer

Race Across America-Starter und STAPS-Sportler Guido Löhr

4.800 Kilometer von West nach Ost – STAPS-Sportler beim Race Across America 2017

Niemand wird der Aussage widersprechen, dass das Race Across America das härteste Radrennen der Welt ist. Über 4.800 Kilometer und 30.000 Höhenmeter sind auf dem Weg von Oceanside (Kalifornien) nach Annapolis (Maryland) als Solo-Starter, im 2er-, 4er oder 8er-Team zurück zu legen. Eine Herausforderung, der sich wie schon in den vergangenen Jahren auch dieses Jahr wieder einige STAPS-Sportler stellen.

Nicht nur die Streckenlänge, die zu bewältigenden Höhenmeter und der spätestens am 3. Tag horrende Schlafmangel machen das RAAM besonders. Auch die äußeren Bedingungen sind mehr als widrig: Nach dem Start in Kalifornien durchqueren die Ultraausdauer-Athletinnen und Athleten die Mojawe-Wüste. Temperaturen weit oberhalb der 40 Grad sind dabei quasi „Standard“. Hat man die Wüste hinter sich gelassen, folgen mit den Rocky Mountains nicht nur extrem lange Anstiege, sondern vor allem das dauerhafte Radfahren weit oberhalb von 2.000m über dem Meeresspiegel. Mehr als 1.000 Kilometer der Gesamtstrecke sind oberhalb von 2.000m Höhe zu fahren, der höchste Punkt liegt deutlich über 3.000m – Umgebungsvariablen, die in Europa eigentlich nicht vorzufinden sind.

Race Across America – an Komplexität nicht zu überbieten

Mit dem Race Across America verbindet uns bei STAPS seit Jahren eine ganz besondere Beziehung. Zum einen liefert das Rennen alle extremen Variablen, die in der Sportwissenschaft Anwendung finden. Extreme Temperaturen, die Belastung in großen Höhen, Schlafmangel – wir sind auf allen Ebenen herausgefordert, unsere Expertise in die Praxis umzusetzen. Zum anderen

Stefan Schlegel beim Race Across America

ist das RAAM – anders als man es möglicherweise vermutet – keine „lockere“ Ultra-Fahrt. Um diese Veranstaltung erfolgreich zu beenden, ist eine enorme Leistungsfähigkeit gefragt. Bedenkt man, dass das von uns trainierte Heinemann XP-Team in 2014 die 4.800 Kilometer als 2er-Team in 6 Tagen und 9 Stunden beendete, lässt sich erahnen, welche Intensitäten und Geschwindigkeiten über fast eine Woche Tag und Nacht zu fahren sind. Der Schlüssel zum Erfolg ist neben der Vorbereitung auf die Extrem-Bedingungen und der optimalen Trainingsvorbereitung vor allem eins: die Ernährung der Athleten.

Die Ernährungs-Devise „herkömmlicher“ Rennen auf das Race Across America zu übertragen und zum Beispiel pro Stunde 60-80g Kohlenhydrate aufzunehmen, würde in kläglichem Scheitern enden. Das RAAM ist derartig komplex, dass gerade für die Solo- und 2er-Team-Starter, die nur kaum bis keine Zeit für normale Mahlzeiten haben, ausgefeilte Ernährungsstrategien nötig sind, die weit über Standard-Empfehlungen hinausgehen und individuell auf die Athleten abgestimmt sein müssen.

Die STAPS-Historie beim RAAM

Unsere ersten Athleten hatten wir 2014 am Start des härtesten Radrennens der Welt. Die Solo-Starter Guido Löhr und Stefan Schlegel haben wir dabei auf die Veranstaltung vorbereitet. Die beiden Extremsportler belegten am Ende jeweils Top10-Platzierungen mit Guido Löhr als Rookie des Rennens auf Platz 10, Stefan Schlegel sogar auf Platz 5.

Im gleichen Jahr gelang uns zudem mit dem Heinemann-XP-Team ein besonderer Erfolg: Begleitet von den beiden STAPS-Trainern Jonas Kraienhorst und Björn Geesmann konnte das 2er-Team um die Athleten Anders Asberg und Axel Fehlau das RAAM nicht nur gewinnen, sondern mit 6 Tagen und 9 Stunden gleichzeitig den immer noch bestehenden Streckenrekord aufstellen.

Von den spannenden letzten Meilen, auf denen wir damals ein Duell gegen die „Flying Beasts“ um den Sieg des Ultra-Rennens ausgefochten haben, berichtet dieser Blog-Beitrag:

Throwback-Thursday: Rückblick auf das RAAM 2014

Das Heinemann XP-Team 2.0 und Guido Löhr

RAAM 2017: Guido Löhr, Heinemann XP & GermanG8tors

Auch für die 2017er-Auflage des Rennens durften wir wieder einige Sportler mit unserer Expertise und unseren Erfahrungen auf die 4.800 Kilometer von West nach Ost vorbereiten:

Nach seinem Rookie-Jahr 2014 wagt sich Guido Löhr ein zweites Mal auf die Strecke und möchte in diesem Jahr seine Top10-Platzierung noch einmal nach oben korrigieren.Heinemann XP-Team 2.0 beim Race Across America

Am Start steht auch das Team Heinemann XP 2.0. Ein Mixed-Team bestehend aus Beppo Miebach, Rolf Nett, Rene Döring und Britta Diehl, die ebenfalls in den kommenden Tagen auf die Strecke gehen werden und ihre langjährige RAAM-Erfahrung aus diversen Starts als Fahrer oder Supporter wieder mal unter Beweis stellen wollen.

Ebenfalls dabei ist das 8er-Team der GermanG8tors, von denen einige Fahrer in diesem Jahr von uns auf das RAAM vorbereitet wurden. Teil des Teams ist unter anderem auch unser langjähriger STAPS-Sportler Ralf Schön, der in diesem Jahr neben dem Race Across America auch noch an den Ironman Weltmeisterschaften sowohl auf der 70.3-Distanz (Chattanooga, Tennessee) als auch auf der kompletten Distanz (Kona, Hawaii) teilnehmen wird. Das Besondere bei Ralf: 12 Stunden strukturiertes STAPS-Training pro Woche reichen für derartige Erfolge aus!

RAAM Live-Tracking

Anders, als man es zum Beispiel von Ironman-Veranstaltungen gewohnt ist, ist das Live-Tracking beim Race Across America sehr gut ausgebaut. Dazu empfehlen wir euch folgende Kanäle:

Live-Tracking des Race Across America:

www.raceacrossamerica.org/live-tracking.html

RAAM-Teilnehmer 2017:

www.raceacrossamerica.org/race-roster.html

Blog von Guido Löhr mit allen wichtigen Infos:

www.steilberghoch.com/

Facebook-Kanal Guido Löhr mit zahlreichen Bildern:

www.facebook.com/steilberghoch/

Wir wünschen allen TeilnehmerInnen und Teilnehmern des RAAMs alles Gute, eine verletzungs- und unfallfreie Fahrt durch die Staaten und natürlich viel Spaß und Erfolg!

 

Photocredit Guido Löhr/ Stefan Schlegel: @ Saron Duchardt

Gregor Mühlberger gewinnt Rund um Köln

Rund um Köln 2017 – STAPS am Start, Mühlberger gewinnt!

Rund um Köln – der Kreis schließt sich!

Fast 5 Jahre ist es her, dass Gregor Mühlberger das erste Mal in Köln war. Am 21. November 2012 absolvierte der damals 18-Jährige seine erste STAPS-Leistungsdiagnostik am Buchheimer Ring 87 zur Vorbereitung auf die erste Saison im Continental-Bereich – der Weg in den Profiradsport sollte beginnen.

Nachdem Gregor bereits diverse Junioren-Klassen durchlaufen hatte, wurde besonders Roland Pils – damals sportlicher Leiter des Tirol Cycling Team – auf den jungen Österreicher aufmerksam und verpflichtete ihn als Nachwuchsfahrer für die Tiroler Mannschaft.

Sein heutiger Arbeitgeber BORA-hansgrohe wurde erstmalig 2014 in seinem zweiten U23-Jahr – in dem Gregor bereits einige hochdekorierte Rennen gewinnen Mühlberger im Trikot des Tirol Cycling Teamskonnte und zudem „Glocknerkönig“ der Österreich-Rundfahrt wurde – auf ihn aufmerksam. Damals, noch unter dem Sponsor NetApp Endura, verpflichtete die Equipe um Ralph Denk ihn für die zweite Jahreshälfte als „Praktikanten“. Im gleichen Jahr fuhr der heute 23-Jährige auch erstmalig Rund um Köln, belegte auch damals einen Platz in der Ausreißergruppe und sicherte sich diverse Berg- und Sprintwertungen. Für den Sieg beim Kölner Frühjahrsklassiker (damals noch am Ostermontag) sollte es noch nicht reichen, den sicherte sich in 2014 sein heutiger Sprintkapitän Sam Bennett (BORA-hansgrohe), der auch am gestrigen Sonntag in Köln zu den Favoriten zählte.

Nach einem Abstecher zu Felbermayr-Simplon Wels in 2015 und den Gesamtsiegen der Friedensfahrt (Course de la Paix, 2. Ncup) und der Oberösterreich-Rundfahrt (2.2) konnte er das deutsche Pro-Continental Team BORA-Argon 18 endgültig von sich überzeugen und fuhr von der Saison 2016 an in den Teamfarben des heutigen WorldTour-Teams um Peter Sagan.

In gewisser Art und Weise schloss sich gestern der Kreis für Gregor Mühlberger: Nach seiner Auftakt-Diagnostik auf dem Weg zum Tirol Cycling Team in Köln vor fast 5 Jahren, feierte er gestern nach einer Attacke aus einer 10-köpfigen Spitzengruppe seinen ersten Profisieg bei der 101. Austragung von Rund um Köln.

Herzlichen Glückwunsch, Gregor!

Gregors Profil unter den STAPS-Athleten


Die jungen Helden von Rund um Köln

Wie schon in den vergangenen Jahren waren Teile unseres STAPS-Team auch in diesem Jahr wieder bei Rund um Köln für einen guten Zweck am Start. Als Teil des Teams „Rund um Köln mit Herz“, unterstützt von der Organspende-Organisation „Junge Helden“, absolvierten Jonas Kraienhorst, Anne Schlüchtermann und Björn Geesmann die 68 Kilometer durchs bergische Land.

In den vergangenen Jahren durften wir immer wieder Herz- und Lungentransplantierte bis zum Schloss Bensberg und zurückbegleiten, um die WichtigkeitRund um Köln mit STAPS der Organspende hervorzuheben. Auch in diesem Jahr versammelte sich wieder ein Team um den Transplantierten Christoph Biermann, mit einigen engagierten Studenten der Deutschen Sporthochschule Köln und eben unseren drei STAPSlern.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal darauf aufmerksam machen, dass Organspenden Leben retten können. Ohne Organspender hätten wir in den letzten Jahren nicht mit Christoph Biermann, Elmar Sprink und Co. zusammen Rund um Köln fahren können. Daher unser Wunsch: Setzt euch mit dem Thema auseinander, vielleicht möchtet ja auch ihr Organspender werden.

Hier geht es zu deinem Organspendeausweis: Junge Helden – Organspende

Bericht über “Rund um Köln mit Herz 2016”

Rund um Köln mit STAPS

Lukas Pöstlberger gewinnt die 1. Etappe des Giro d'Italia und holt sich das rosa Trikot

Pöstlbergers Ritt in Rosa – Leistungsdaten der 1. Etappe des Giro d’Italia

In typischer Pösti-Manier hat Lukas Pöstlberger für alle überraschend gestern die 1. Etappe des Giro d’Italia gewonnen und sich damit ins rosa Trikot gefahren.

206 flache Kilometer standen zum Auftakt des 100. Giro d’Italias auf dem Programm. Eine typische Sprinter-Etappe, für die sich die Sprint-Elite um Caleb Ewan (Orica-Scott), Sam Bennett (Bora-hansgrohe) und André Greipel (Lotto Soudal) in Stellung gebracht hat, um den Etappensieg und damit den Sprung ins Trikot des Gesamtführenden unter sich aus zu machen.

Sicherlich auf keiner Favoriten-Liste für den gestrigen Tag stand der spätere Sieger: STAPS-Sportler und Bora-hansgrohe-Profi Lukas Pöstlberger. Für den 25-jährigen Österreicher lag der Fokus der ersten Etappe der Jubiläumsausgabe des Giros in der Sprint-Vorbereitung für Kapitän Sam Bennett. Spätestens als 3,7 Kilometer vor dem Zielstrich die letzten Ausreißer des Tages gestellt wurden, war klar, dass es zum Sprint Royale in Olbia auf Sardinien kommen würde. Etwa 1.800m vor Ziel setzte sich „Pösti“ an die Spitze des Feldes, um seinen Kapitän auf dem winkligen Kurs in Position zu bringen.

Leistungsdaten Giro d'Italia Pöstlberger

Gesamtübersicht der Leistungsdaten der 1. Etappe von Lukas Pöstlberger

In einer scharfen Kurve öffnete sich dann unerwartet ein kleines Loch zwischen Pöstlberger und dem Rest des Feldes und der 25-jährige witterte seine Chance auf den ersten Etappensieg bei seiner Grand-Tour-Premiere. Mit vollem Einsatz und der bekannten #Pöstipower konnte Lukas den Vorsprung auf das Feld tatsächlich auf dem letzten Kilometer aufrechterhalten und sich den Etappensieg und das Rosa Trikot sichern.

550 Watt über zwei Minuten – die Differenz zum „Amateursport“

Für die 206 Kilometer benötige das Peloton um Lukas 5:15h Fahrtzeit – eine Geschwindigkeit von fast 40 km/h. Die durchschnittliche Leistung von Lukas betrug über die Gesamtdauer 201 Watt. Bei diesen Daten wird sich der ein oder andere Nicht-Profi vermutlich noch an den letzten ambitionierten Radmarathon oder die lange Ausgabe eines Jedermann-Rennens erinnert fühlen. Der Unterschied zwischen dem Profi- und „Amateursport“ liegt nicht im Durchschnittlichen, sondern vielmehr in den entscheidenden Phasen des Rennens, in denen der Profi zu weitaus höheren Leistungen und bestmöglicher Erholungsfähigkeit über kürzere Zeiträume in der Lage sein muss, um Rennen dieser Kategorie erfolgreich zu beenden.Leistungsdaten Giro d'Italia Pöstlberger

Betrachtet man die Verteilung der Leistung über die Renndauer, kann man festhalten, dass Lukas sich nahezu zwei Stunden in einem Leistungsbereich unterhalb von 200 Watt aufhielt. Für Lukas auf dem Papier eine Leistung unterhalb des Regenerationsbereichs. Der Knackpunkt ist, dass der Bora-hansgrohe-Profi aufgrund von Positionskämpfen und besonders dem entscheidenden Finale aber auch mehr als 30 Minuten oberhalb von 500 Watt unterwegs war – der Unterschied zum Amateur – und Hobbybereich.

Das Finale und der Ritt in Rosa

Sprintzug Giro d'Italia Pöstlberger

Der Sprintzug von Lukas Pöstlberger 3.500 Meter vor dem Ziel

Auf den letzten 3,5 Kilometer des Rennens war die Ausreißergruppe eingeholt und das Finale wurde durch die Sprinterteams endgültig eingeläutet. Eine Phase, in der Lukas bereits über vier Minuten mit mehr als 480 Watt im Durchschnitt fährt und diese vor allem nicht gleichmäßig pedaliert, sondern immer wieder beschleunigen und rausnehmen muss, um für sich und Sam Bennett eine optimale Position im Finale zu finden.

Das Setzen an die Spitze des Feldes und der 1.200 Meter lange Solo-Ritt zum Ziel

Als Lukas sich 1.800 Meter vor dem Ziel an die Spitze des Feldes setzt um Sam Bennett zum Sprint Royale abzuliefern, zeigt sein Leistungsmesser über 30 Sekunden mehr als 630 Watt an – der Moment, an dem Pösti gleichzeitig das Loch zum Feld reißt und sich einen Vorsprung erarbeitet. Ein kurzes Umschauen, die Realisierung, dass auch ein Solo-Ritt erfolgsversprechend sein kann und das 1,2 Kilometer lange „Einzelzeitfahren“ beginnt: 1.200m mit 560 Watt später und Lukas kann leicht rausnehmen, die Arme in die Luft reißen und seinen ersten Grand-Tour-Erfolg feiern.

Lukas Pöstlberger: ein junger Fahrer, der in den letzten Jahren immer engagiert und voller Elan gearbeitet hat, um seinen Traum als Radprofi zu leben. Dieser Erfolg ist der verdiente Lohn für sein unglaubliches Engagement.

Herzlichen Glückwunsch von STAPS, Lukas!

Photo Credit Titelbild: APA/AFP/LUK BENIES

Tony Martin mit City-Rad zum Zeitfahren der Tour de France in Düsseldorf 4

+++ Eilmeldung: Tony Martin beim Zeitfahren der Tour de France in Düsseldorf mit City-Rad am Start +++

Einige eingeweihte Aero-Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, jetzt ist die Sensation perfekt: Tony Martin wird am 1. Juli beim Zeitfahren der Tour de France in Düsseldorf auf sein Zeitfahr-Rad verzichten und stattdessen mit dem Canyon „Commuter“ – dem City-Rad des Koblenzer Rad-Herstellers – an den Start gehen.

Bereits erste Aerodynamik-Tests im vergangenen Dezember im Trainingslager in Valencia haben gezeigt, dass der Commuter aufgrund seiner ausgefeilten Bauweise nicht einfach nur ein normales City-Rad ist. Das vollintegrierte Vorderlicht, der luftleitende Gepäckträger und auch der Riemenantrieb bieten klare Luftwiderstand-reduzierende Vorteile gegenüber dem Speedmax.

Vorteile, auf die der 4-fache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin beim Tour-Auftakt in Düsseldorf nicht verzichten möchte: „Ein 14 Kilometer langes Zeitfahren zum Start der Tour de France mit derTony Martin mit City-Rad zum Zeitfahren der Tour de France in Düsseldorf 3 Aussicht auf das gelbe Trikot – das sind Situationen, in denen das beste Material am Ende über Millisekunden entscheidet. Um nichts dem Zufall zu überlassen setze ich daher auf das aerodynamischste Rad, auf dem ich je gesessen habe: den Canyon Commuter“, so der detailverliebte Kapitän des Teams Katusha Alpecin (zum Aero-Interview mit Tony Martin).

Für die Welt des Radsports wird diese Nachricht eine Sensation sein, für den Radausrüster Canyon ist der Commuter lediglich das Ergebnis jahrelanger Arbeit auf dem Gebiet der Aerodynamik. Als sich die Verpflichtung von Tony Martin für das Team Katusha Alpecin abzeichnete, begann das Team um Liasion Manager Andreas Walzer bereits mit der Entwicklung eines noch schnelleren, noch aerodynamischeren Rads als dem Speedmax.

Dazu Andreas Walzer: „Außergewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen! Wenn du auf dem Gebiet der Aerodynamik noch größere Schritte machen willst, musst du kreativ sein. Um für Tony das beste Setup für Düsseldorf zu bauen, haben wir daher den Sektor „Aero-Rad“ komplett auf den Kopf gestellt und unsereTony Martin mit City-Rad zum Zeitfahren der Tour de France in Düsseldorf Ideen von Null begonnen. Das Ergebnis wird die komplette Disziplin des Zeitfahrens neu definieren!“.

Ein entscheidender Teil der Entwicklung waren die späteren Aerodynamik-Tests im Velodrom in Valencia, die Canyon, Katusha Alpecin, Tony Martin und STAPS gemeinsam abhielten. Die größte Herausforderung war es dabei, den Aero-Test-erfahrenen Tony Martin von der ungewöhnlichen Maßnahme zu überzeugen.

„Zu Beginn kam ich mit dem Rad noch nicht sonderlich gut zurecht, mit der Zeit wurde es aber immer besser. Am Ende waren kleinste Details entscheidend, um die Jagd nach dem gelben Trikot mit dem Commuter anzugehen!“

Insgesamt mehrere Tage haben sich die Aero-Experten dazu auf der Radbahn eingeschlossen, um jedes noch so kleine Detail mit dem bisherigen Speedmax zu vergleichen: Das Aero-Cockpit gegen das vollintegrierte Vorderlicht, der Ketten- gegen den Riemenantrieb, die Aero-Laufräder gegen die Reifen mit Schutzblechen.

Der Teufel steckt im Detail: Um alle erdenklichen Zehntelsekunden auf der Düsseldorfer Kö einzusparen, wurde jedes noch so kleine Anbauteil der beiden Räder verglichen. Die Ergebnisse waren selbst für erfahrene Aerodynamiker beeindruckend. Dazu Björn Geesmann von STAPS: „Der Commuter besitzt schlichtweg das Potential der „Gamechanger“ im Kampf gegen die Uhr zu sein. Einen Zeitfahrweltmeister wie Tony zu überzeugen ist nicht einfach. Am Ende haben ihn gerade die Vorteile des aerodynamischen Gepäckträgers, der die Luft deutlich besser anlegt und leitet als jedes Scheibenrad, überzeugt.“

Natürlich wird es im Vergleich zum Testmodell beim Test noch ein paar Umbaumaßnahmen geben. Zum Beispiel werden Zipps 8080-Laufräder Tony Martin mit City-Rad zum Zeitfahren der Tour de France in Düsseldorfeingesetzt und ein Aero-Aufsatz montiert, der erst kurz vor der Tour zu sehen sein wird. Denn bisher war die Sitzposition auf diesem aerodynamisch optimierten Rahmen noch nicht optimal – wie sich jeder denken kann. Aber dank der STAPS-Experten konnte auch hier eine Lösung gefunden werden, die beim Tour-Start in Düsseldorf für viel Aufmerksamkeit sorgen wird. Details dazu werden zu einem geeigneten Zeitpunkt bekannt gegeben.

Wir dürfen gespannt sein, ob der Traum vom gelben Trikot in Düsseldorf wahr wird. Mit dem Canyon Commuter haben sich Tonys Chancen auf das gelbe Trikot aber noch einmal deutlich erhöht. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Geheimwaffe des Commuters: Bei Regenwetter wird Tony durch die integrierten Schutzbleche und die Regenreifen deutliche Vorteile gegenüber den anderen Roleuren haben!

Wir wünschen Tony für Düsseldorf viel Erfolg!

Photo: Saron Duchardt | saronduchardt.de / Daniel Beck

Ralf Schön Qualifikation Ironman Hawaii

Zahlenspiele – mit sportlicher Rechnung zum Ironman Hawaii

Mit 12 Stunden wöchentlichem Training den Ironman unter 10 Stunden finishen.

STAPS-Klient Ralf Schön berichtet über sein Training auf und seine Teilnahme am Ironman Florida, mit dem sich der Ingenieur die Qualifikation für Hawaii sichern wollte.

Obwohl der Ironman Florida zu meinen Lieblingswettkämpfen zählt, hatte ich mit ihm vor meinem dritten Start in Folge eine Rechnung offen. Im Vorjahr hatte ich – an zweiter Stelle in meiner Altersklasse liegend – den Marathon total vermasselt hatte und war weit zurückgefallen.

Dieses Jahr sollte alles anders – also besser -werden. Doch ein Ironman ist ähnlich einer Gleichung mit 50 Variablen. Als Ingenieur weiß ich, dass man sie nie optimal lösen kann. Ein entscheidender Faktor ist der Saisonaufbau, der dieses Jahr nahezu perfekt verlief. Nach einer langenMit effizientem Training zum Ironman Hawaii Wettkampfsaison bis in den Dezember des Vorjahres hinein, deren Abschluss der Ironman 70.3 Bahrain mit der Qualifikation für die 70.3-WM war, habe ich erst Ende Januar das Training für 2016 aufgenommen. Dieser vergleichsweise späte Start zeigte sich auch an meinen eher durchschnittlichen Leistungswerten auf dem Rad beim ersten STAPS-Test, wobei gesagt werden muss, dass das Radfahren meine stärkste Disziplin ist, und hier Verbesserungen meiner Leistungsfähigkeit unverhältnismäßig viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Stattdessen widmete ich mich verstärkt dem Schwimm- und Lauftraining. Mit Erfolg – beim zweiten Test im Juni zeigte sich hier auch schon eine deutliche Verbesserung im Laufen. Danach begann mit einem Radtrainingslager in Österreich dann der Auftakt für eine 3-monatige Vorbereitungsphase auf die 70.3-WM in Australien Anfang September. Es folgte der 70.3 Ironman in Hefei (China) Mitte Oktober, bei dem ich mich erneut für die 70.3 Ironman-WM in Chattanooga 2017 qualifizierte. Mit zwei 70.3 Ironman, die ich neun beziehungsweise drei Wochen vor Florida bestritt, hatte ich nun auch die nötigen wettkampfspezifischen Einheiten absolviert.

Der große Tag

Die angesprochenen Variablen begegneten mir auch am Wettkampftag – und zwar noch vor dem Start. Da der Wind gedreht hatte und aus nördlicher Richtung kam, verringerte sich die relative Luftfeuchtigkeit von 90 auf 35 Prozent und die Temperatur erreichte nur maximal 24 Grad. Meine Hydrationsstrategie passte ich daraufhin an und ging mit höher dosierten Kohlehydratmischungen ins Rennen, da man bei diesem Wetter kaum schwitzen würde.

Der Schwimmstart der 2500 Athleten verlief unproblematisch, da er „self-seeding“ vom Strand aus war. Die ersten 50 Meter musste man durch knietiefes Wasser waten, danach war das Wasser sehr unruhig und erschwerte das Schwimmen ungemein. Zwei Runden mit Landgang waren zu bewältigen. Nach 1:05:03 Stunde kam ich als 19. von 325 Teilnehmern wieder an Land, unter den späteren Top 10 meiner Altersklasse war ich Vierter.

Und meine Lieblingsdisziplin, das Radfahren, stand bevor. Im vergangenen Jahr bin ich in Florida die drittschnellste Zeit gefahren, was für mich dann auch zu einer Referenz wurde, die es zu halten beziehungsweise zu verbessern galt. Schließlich zählt jedes Watt und jede Sekunde bei einem Ironman.Mit effizientem Training zum Ironman Hawaii Mein Setup veränderte ich und setzte dieses Jahr auf das neue Canyon Speedmax SLX sowie einen neuen Aeroeinteiler. Hinzu kam noch eine veränderte, aerodynamisch günstigere Sitzposition, die ich zusammen mit Björn Geesmann und seinem Team von STAPS bei Aerotests auf der Radrennbahn in Büttgen ermittelte. Aber das schnellste Bike und die energiesparendste Haltung nützt ohne die notwendige Power nichts. Daher habe ich die letzten 3 Wochen zu Hause fast nur noch auf der Rolle trainiert, und mich auf die Intervalle sowie das Einhalten meiner vorgegebenen Wattwerte konzentriert. Wie die spätere Rennanalyse gezeigt hat, nahm ich den späteren Top 10 meiner Altersklasse mit Ausnahme von zwei Athleten – ja, ich bin ein Zahlenmensch und überkorrekt – alleine auf den ersten 100 Kilometern zwischen 12 und 30 Minuten ab. Danach habe ich das Tempo etwas rausgenommen. Der Wind war immer noch stark und ich bin die zweite Hälfte komplett alleine gefahren. Mit 4:54:02 Stunden war ich zwar 4 Minuten langsamer als im Vorjahr, aber es ging nicht mir an diesem Tag nicht um Radrekorde, sondern um die Qualifikation für Hawaii. Ein Athlet aus meiner Altersklasse ist 5 Minuten schneller gefahren, er erlitt aber das gleiche Schicksal wie ich vergangenes Jahr, beim Marathon brach er dann in der zweiten Hälfte ein.

Das Laufen begann ich also an Position zwei in meiner Altersklasse liegend – genau wie im vergangenen Jahr. Dieses Mal war ich aber ausgeruhter, wenn man davon nach 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren überhaupt sprechen kann. Durch eine nach vorne verlagerte Sitzposition und das Fahren der letzten paar Kilometer mit Rückenwind am Oberlenker fühlten sich meine Beine deutlich geschmeidiger an als im Vorjahr. Ich lief bewusst sehr moderat an und konnte das Tempo auf den ersten 10 Kilometer halten. Da ich als Gesamt 30. auf die Laufstrecke ging, war es sehr leer. An den Verpflegungsstationen wollten gleich 25 begeisterte Helfer nur mir allein Wasser und Gels reichen. Dann musste ich aber einen Dixi-Boxenstopp einlegen, in der Zeit sind vermutlich zwei Athleten meiner AK an mir vorbeigezogen. Bei der Halbmarathondistanz rief mir meine Frau zu, dass ich nun 4. war. Jetzt wurde es kritisch, denn bei nur 4 Slots für Hawaii durfte kein schneller Läufer mehr an mir vorbeikommen. Diesmal war ich mental besser vorbereitet und sagte mir stets: „keine Gehpause an den Verpflegungsstationen“; auch wenn es noch so verlockend wäre – „never give up your race“. Die letzten 10 Kilometer bin ich dann wieder schneller gelaufen und habe dabei noch den Erstplatzieren nach der Radstrecke ein- und überholt. Mit einer Marathonzeit von 3:50:27 Stunden lief ich nach insgesamt 9:59:17 Stunden als Dritter in meiner Altersklasse ins Ziel. Hätte ich gewusst, dass ich 12 Minuten Vorsprung auf den Viertplatzierten hatte, hätte ich wohl doch eine Pause mit einer kühlen Cola eingelegt.

Diesmal ist die Gleichung aufgegangen, auch wenn ich noch viel Verbesserungspotenzial bei mir in einigen Bereichen sehe. Mein Trainingsaufwand war mit durchschnittlich 11,9 Stunden pro Woche in den 6 Monaten (12,2 Stunden pro Woche in den letzten 3 Monaten) vor dem Wettkampf relativMit effizientem Training zum Ironman Hawaii gering aber extrem effektiv. Im Detail setzt sich meine Trainingswoche so zusammen: 2,5 Stunden Schwimmen, 3,7 Stunden Laufen, 5,4 Stunden Radfahren sowie 0,3 Stunden Stabi-Training. Nicht viel für ein Finish unter 10 Stunden eines 48-jährigen mit über 45 Stunden Wochenarbeitszeit. Was qualitatives Training noch ausmacht, zeigt die Tatsache, dass ich seit 2011 mein wöchentliches Training um zwei Stunden gesenkt habe, aber viel leistungsfähiger geworden bin.

Hier gebührt der Dank meinem Trainer Björn Geesmann, der mich seit sechs Jahren betreut. Gerade nach den beiden 70.3 Ironman-Wettbewerben hat er sich wöchentlich nach meinem Befinden erkundigt, um das Training feiner zu dosieren. Auf dem Plan stand zwar regelmäßig etwas mehr, aber aus beruflichen Gründen war nicht mehr drin.

Jetzt habe ich erstmals die Doppel-Qualifikation für Hawaii und die 70.3-WM erzielt. Mal sehen wann ich 2017 in die Saison einsteigen werde und wie viele Stunde ich pro Woche im nächsten Jahr trainiere soll und kann…

Brosi Stein Andi Böcherer Patrick Lange Ironman Hawaii 2016

Ironman Hawaii – 3x Aero unter den Top 7

Schon lange waren die Ironman Weltmeisterschaften nicht mehr so spannend wie am vergangenen Wochenende. Nicht nur das Duell zwischen Sebastian Kienle und Jan Frodeno auf den ersten 15 Kilometern der Laufstrecke, auch die Podiums-Platzierungen waren lange offen. Der Grund – speziell für die besondere Spannung auf der Laufstrecke – liegt auch darin, dass das Profi-Feld auf der Radstrecke weniger selektiert wurde. Zum einen lag das natürlich an der Renntaktik der Athleten, zum anderen aber auch daran, dass sowohl die Dichte der Leistungen als auch die Dichte aero-optimierten Positionen und Materialien immer höher wird.

Noch vor einigen Jahren war der Rad-Split die Spezialdisziplin einiger Ausnahmekönner. Sebastian Kienle darf man dabei natürlich als absolute Nummer eins benennen. In 2014 konnte er sich den Weltmeister-Titel sichern und legte den Grundstein für seinen Erfolg maßgeblich auf dem Rad. Profitiert hat Kienle schon vor einigen Jahren von seiner überragenden Position auf dem Rad; von einem perfekt auf ihn abgestimmten Setup aus Mensch, Material und Maschine.Patrick Lange Boris Stein Canyon Triathlon Ironman Hawaii 2016 Aerodynamik

Am vergangenen Wochenende wurde auf den 180,2 Kilometern deutlich, dass dieser Vorsprung kleiner wird. Neben – natürlich – Jan Frodeno muss man mittlerweile weitere Sportler nennen, die viel Zeit und Einsatz in die Optimierungen ihrer Aerodynamik gesteckt haben und dieses Potential für sich entdeckt haben.

Wir durften in diesem Jahr unter anderem die Canyon-Triathleten Boris Stein und Patrick Lange, sowie Andi Böcherer dabei unterstützen den CdA-Wert (Luftwiderstand) zu senken, die Stabilität auf dem Sattel zu erhöhen, das Material zu optimieren. An dieser Stelle herzliche Glückwunsche an Boris, Patrick und Andi zu drei tollen Wettkämpfen; zu den Plätzen 3, 5 und 7; zum neuen Marathon-Rekord (Patrick Lange) und zum schnellsten Rad-Split der WM (Boris Stein)!

Canyon-Triathleten mit Bestzeiten

Gemeinsam mit unserem Aero-Partner gebioMized durften wir einen Teil zum schnellsten Rad-Split des Boris Stein Triathlon Ironman Hawaii 2016diesjährigen Ironman auf Hawaii beitragen. Nach 4:23:04 Stunden überfuhr Boris Stein die Zeitmessung vor der zweiten Wechselzone und egalisierte dabei auf den 180 Kilometern seinen Rückstand von knapp 6 Minuten nach dem Schwimmen. Eine starke Leistung, über die wir uns sehr gefreut haben!

Bei Patrick Lange hingegen haben wir uns etwas geärgert. Natürlich nicht, wegen seiner Leistung am Samstag – ganz im Gegenteil -, sondern weil wir ihn nach der 5-minütigen Zeitstrafe, die er auf dem Rad bekommen hat, leider nicht mehr im TV auf dem Rad gesehen haben. Wir haben selten bis nie einen so aerodynamischen Triathleten auf dem Rad gesehen und hättenPatrick Lange Triathlon Ironman Hawaii 2016 uns seine Aero-Position gerne noch häufiger in der Wüstenlandschaft angesehen. Mit seiner aero-optimierten Position und seiner herausragenden Verfassung hätte Patrick am letzten Wochenende vermutlich auch nahe an der ersten Gruppe in die Wechselzone einfahren können und vielleicht sogar noch weiter vorne eingreifen können. Beeindruckende Leistung, Patrick!

Gemeinsam mit dem Radhersteller Canyon und gebioMized arbeiten wir seit diesem Jahr mit Boris Stein und Patrick Lange zusammen. Einen Einblick in unsere Testtage mit beiden gibt es hier: Kampf gegen Widerstände – Aero-Optimierung mit Canyon

Andi Böcherer – Aero-Tests unter erschwerten Bedingungen

Auch mehr als 8 Monate nach unserer gemeinsamen Aerodynamik-Optimierung mit Andi Böcherer kommen wir immer noch ins Schwärmen. Die Bedingungen Ende Februar im Velodrom in AugsburgAndi Böcherer Triathlon Ironman Hawaii 2016 Aerodynamik waren alles andere als perfekt. Nach Rückkehr des Winters hatten wir an unserem Testtag mit Andi nie zweistellige Temperaturen auf der Bahn – das ein oder andere Bild deutet die erschwerten Bedingungen an. Die Temperaturen in der Halle konnten uns natürlich nicht davon abhalten, akribisch nach dem ein oder anderen „Watt“ zu suchen, um Andi im Hinblick auf den Ironman Frankfurt und auch auf die Ironman WM auf Hawaii noch schneller zu machen.

Die zweite Wechselzone verließ Andi am Wochenende mit 25 Sekunden Rückstand auf Jan Frodeno undAndi Böcherer Triathlon Ironman Hawaii 2016 Sebastian Kienle, konnte sich also auch noch in der Spitzengruppe halten, als Kienle auf den letzten Kilometern das Feld selektierte. Am Ende konnte er sich unter den Top 5 platzieren. Herzlichen Glückwunsch, Andi!

Zu den ausführlichen Berichten unserer Aero-Optimierungen mit Andi Böcherer geht es hier: STAPS get-AERO! mit Andi Böcherer

Eine ausführliche Aero-Analyse zum Ironman Hawaii gibt es auch im nächsten triathlon-Magazin. Das Hawaii-Special ist ab Samstag erhältlich!

Fotos Ironman Hawaii: Frank Wechsel

Foto Velodrom oben: Saron Duchardt

laila-orenos_oetztaler-radmarathon_fett-und-kohlenhydrat-verbrauch

Optimales Pacing bringt Laila Orenos den Streckenrekord beim Ötztaler

„Bis zum Jaufenpass habe ich mich gar nicht so gut gefühlt“ – eine Aussage, die man so von der Siegerin des Ötztaler Radmarathons und neuen Streckenrekord-Halterin Laila Orenos gar nicht erwartet hätte. Tatsächlich aber hat Laila – so verwirrend es bei einer Zielzeit von 7:42.29 Stunden klingen mag – wohl keinen absoluten Toptag erwischt. Warum ihr trotzdem der Sieg gelang und ganz „nebenbei“ ein neuer Streckenrekord aufgestellt wurde, lag nicht zuletzt an ihrer perfekten Rennstrategie.

Natürlich ist auch ein hohes Leistungsvermögen für solch eine Parforceritt nötig, aber dies allein reicht noch nicht für ein Top-Resultat. Was ein Athlet gerade für solch einen Langstreckenevent wie einen Radmarathon oder einen Langdistanztriathlon benötigt, ist eine perfekte Pacing-Strategie. Und an dieser hat STAPS-Trainer Jonas Kraienhorst zusammen mit Laila in den vergangenen Monaten gearbeitet und sie auch gezielt auf diesen Renntag vorbereitet. Nach 2014 und 2015 wollte die Schweizerin in diesem Jahr das Titel-Triple schaffen. (wir berichteten).

Der Schlüssel zum erfolgreichen Finish bei einem Langstreckenevent – sei es der Sieg oder eine bestimmte Zeit – ist eine durchdachte Renntaktik. Diese besteht aus zwei entscheidenden Faktoren: Der Leistung, mit der gerade die Anstiege „gepact“ werden, und die adäquate individuell angepasste Energieversorgung, speziell durch den „Supertreibstoff“ Kohlenhydrate. Denn die Treibstoffaufnahme ist endlich und der Verbrauch extrem abhängig von der Intensität. Um das zu verdeutlichen, hier der Zusammenhang zwischen Kohlenhydrate und Energieverbrauch: Fahren an der individuellen anaeroben Schwelle verbraucht je nach Leistungsklasse des Athleten 200 bis 350 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde.

Zugeführt werden können – laut wissenschaftlicher Literatur – im besten Fall 1,0 bis 1,2 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht laila-orenos_srm-datei_oetztaler-radmarathon-2016-2pro Stunde, das Defizit muss dann aus den im Körper bereits gespeicherten Vorräten ausgeglichen werden. Hier geht man bei einer optimalen Beladung – Stichwort „Carboloading“ – von 300 bis 450 Gramm aus; abhängig von Trainingszustand und Körpergewicht. Davon sind aber rund 80-120 Gramm abzuziehen – sie sind eine „geblockte“ überlebensnotwendige Reserve.

Was wie ein großes Rechenexempel klingt, ist auch eines. Während sich ein Zeitfahrer aufgrund der kurzen Dauer seines Wettkampfs an der absoluten Dauerleistungsgrenze bewegen kann, muss eine Pacing-Strategie beim Marathon immer von der Energieversorgung her in Relation zur Leistungsabgabe gesetzt werden.

Und weil wir gerade bei „Mathe“ sind:  Der Kohlenhydratverbrauch steigt zur Leistung exponentiell an (parallel zur Laktatproduktion). So können 20 Watt über der Schwelle richtig Körner kosten – und in Summe dann einen Mehrverbrauch von 60 bis 100 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde bedeuten. Das ist der Grund, warum viele Marathonfahrer hinten raus einbrechen – beim Ötztaler dann am Timmelsjoch.

Diesen Fehler hat Laila nicht begangen. Obwohl sie bis zum Jaufenpass nicht das beste Gefühl hatte, hat sie sich immer auf ihre Renntaktik verlassen, die sie zuvor gemeinsam mit Jonas ausgearbeitet hat. Hier geben wir euch einen Überblick über die Pacingstrategie und Taktik in Abhängigkeit vom Rennverlauf:

Spitzengruppe bildet sich bereits am Kühtai

Zwischen 230 und 240 Watt lautete Jonas‘ Vorgabe für Laila für den ersten Anstieg – das Kühtai. Nach nervösem Beginn und hohem Anfangstempo konnte sich bereits an diesem 18,5 Kilometer langen Anstieg eine 4er-Spitzengruppe bilden, in der Laila vertreten war. Ihre Pacing-Vorgabe hat sie dabei mit 242 Watt sehr genau eingehalten und damit das erste Zwischenziel erfüllt. Das Einhalten der Vorgaben verfolgt dabei zwei Ziele: Zum einen fährt Laila auf Sieg und muss dadurch natürlich das höchst-mögliche Tempo in der Rennsituation gehen, zum anderen spielt aber auch der Verbrauch der limitierten Kohlenhydrate, deren Vorräte sich für einige Jedermänner am Timmelsjoch dem Ende nähern, eine entscheidende Rolle.

Die gefahrenen 242 Watt bedeuten für Laila 92 Prozent ihrer anaeroben Schwelle (263 Watt/ 4,7 Watt/kg). Der Kohlenhydrat-Verbrauch – der wie schon beschrieben mit steigender Intensität exponentiell verläuft – kann bei ihrem physiologischen Profil (geringe Laktatbildungsrate (VLamax), mittelgroße maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max)) an der anaeroben Schwelle im Bereich von 230 bis 240 Gramm pro Stunde eingeordnet werden (siehe Grafik). Wäre sie statt der 242 Watt (Kohlenhydrat-Verbrauch: ca. 150 Gramm pro Stunde) z.B. 265 Watt am Kühtai gefahren, wäre ihr Verbrauch etwa um 60 Prozent bzw. 80 bis 90 Gramm Kohlenhydrate höher gewesen.-Kohlenhydrat-verbrauch_laila-orenos_oetztaler-radmarathon-2

Am Jaufenpass den eigenen „Stiefel“ gefahren

Am Fuße des Jaufenpasses ließ Laila für einen kurzen Moment reißen. Die mit viel Schwung in den Anstieg fahrende Italienerin Simona Parente und die Österreicherin Daniela Pintarelli ließ sie voraus, diszipliniert ihrem Plan der vorgegebenen 220 bis 230 Watt folgend (222 Watt über 00:58.56 Stunden). Diese Kontinuität sollte sich auszahlen: Nach der Mitte des Anstieges konnte Laila auf die beiden auffahren und die Österreicherin sogar bis zum Gipfel um 30 Sekunden distanzieren. Aus dem anfänglichen Vierkampf wurde also ein Zweikampf. Die Italienerin (Simona Parente) musste ihrer eher unrhythmischen Fahrweise dann am Timmelsjoch etwas Tribut zollen, als Laila sich absetzen konnte und insgesamt 4:30 Minuten auf die an Zwei liegende rausfahren konnte.Laila Orenos Sieg Ötztaler Radmarathon

Lailas Plan ging am Timmelsjoch endgültig auf: Mit einer durchschnittlichen Leistung von 205 Watt (3,7 Watt/kg) konnte sie immer noch ein hohes Tempo (78 Prozente ihrer anaeroben Schwelle) gehen, welches ihr am Ende zum Sieg verhalf. Als sie dann an der Spitze des Timmelsjochs die Info der Rennleitung bekam, dass ein Streckenrekord in Reichweite ist, konnte sie die verbleibenden Kräfte mobilisieren und sich auch diesen in Sölden sichern (wir berichteten).

8 Gels, ein Riegel, 6 Flaschen Wasser mit Kohlenhydrat-Zusatz

Den Verbrauch der Kohlenhydrate konnte die 33-jährige sehr gut mittels Leistungsmesser und Vorgaben von Jonas steuern. Kohlenhydrate zu verbrauchen bedeutet aber gleichzeitig, diese auch wieder zuführen zu müssen.

Insgesamt 8 Gels (Sponsor Liquid Energy mit je 53 Gramm Kohlenhydraten), einen Riegel (Sponsor High Energy Bar, 28 Gramm Kohlenhydrate), den sie am Brenner „bequem“ zuführen konnte als sie sich in einer guten Gruppe befand; und 6 Flaschen mit einem Kohlenhydrat-Mix (Sponsor Competition, 58 Gramm Kohlenhydrate pro Flasche) hat Laila in regelmäßigen Abständen innerhalb der 7:42 Stunden zu sich genommen. Nach Abzug von ca. 5 Prozent, die etwa die Reste in den Flaschen ausgemacht haben dürften, lag die Zufuhr demnach etwa bei 90 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde (1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht). Die Empfehlung der Kohlenhydrat-Zufuhr in der wissenschaftlichen Literatur liegt bei 1 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht in der Stunde. Dadurch deutet sich bei Laila sehr gut an, welche individuellen Kohlenhydrat-Aufnahmen nicht zuletzt durch ein gezieltes „Training“ des Magen-Darm-Trakts möglich sind.

Das Beispiel von Laila Orenos zeigt, dass mit einer cleveren Pacing-Strategie selbst ein solch großes Abenteuer wie der Ötztaler Radmarathon „berechenbar“ wird und für Jedermann, sofern er ausreichend trainiert und gut vorbereitet ist, mit bestimmten Zielvorgaben machbar ist.

Ötztaler Radmarathon 2016 | Laila Orenos

STAPS-Sportler beim Ötztaler Radmarathon – vom Rookie bis zum Sieger!

Er zählt zu den härtesten und populärsten Rennen für Hobbysportler und Jedermänner – der Ötztaler Radmarathon, der jährlich Ende August stattfindet. Denn bei diesem Marathon durch die Alpen müssen auf einer Strecke von 238 Kilometern insgesamt vier hochalpine Pässe und 5.500 Höhenmetern bezwungen werden. Die 36. Ausgabe des „Ötzis“, am vergangenen Sonntag, wies nahezu perfekte Wetterbedingungen auf und sorgte so für neue Streckenrekorde bei den Männern wie Frauen.

Unter den insgesamt 4.176 Startern befanden sich 20 STAPS-Sportler, die wir auf dem Weg zu diesem legendären Radmarathon vorbereitet haben. Der Ötztaler ist nicht nur durch die Vielzahl an Höhenmetern spektakulär, auch die Dauer des Rennens und die zumeist „speziellen“ Wetterbedingungen – zwischen hochsommerlichen Hitze und winterlicher Kälte – erfordern eine strukturierte und durchdachte Vorbereitung. Auch in diesem Jahr haben wir wieder versucht, unsere Starter so vorzubereiten, dass sie nicht nur in persönlicher Topform am Start stehen, sondern im Wettkampf auch klassische „Anfänger-Fehler“ vermeiden. Das Training hat dabei nicht nur Einheiten umfasst, die die Leistungsfähigkeit fördern, den Fettstoffwechsel trainieren und die „Kraftausdauer“ erhöhen; auch das Trainieren der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme inklusiver einer cleveren „Versorgungstaktik“ und Pacingstrategie zählt für uns Trainer zu den Erfolgsfaktoren bei solch einem schweren und langen Rennen.

Gerne möchten wir euch einen Eindruck über fünf unserer STAPS-Sportler geben, die das Kühtai, den Brennerpass, den Jaufenpass und das Timmelsjoch mit Bravour hinter sich gelassen haben. Neben einem Ötztaler-Rookie und einem zehnfachen Wiederholungstäter nehmen wir dabei auch die Siegerin und neue Rekordhalterin unter die Lupe. Vorweg möchten wir aber natürlich all unseren Ötztaler-Fahrern herzlich gratulieren und freuen uns, dass alle STAPS-Sportler den Marathon in Sölden erfolgreich finishen konnten.

Laila Orenos

Ehre, wem Ehre gebührt: Unser Ötztaler-Bericht startet mit Laila Orenos, die am Wochenende nicht nur den dritten Ötzi-Sieg in Folge einfahren konnte, sondern dabei mit einer Fabelzeit von Laila Orenos Siegerbild Ötztaler Radmarathon7:42.29 Stunden zudem den neuen Streckenrekord bei den Frauen aufgestellt hat. Über die 33-jährige Schweizerin haben wir nach ihrem Sieg bei der Alpen-Challenge bereits umfangreich berichtet. Das Vorhaben vom Ötztaler-Triple konnte sie sich gestern am finalen Anstieg hoch zum Timmelsjoch sichern, als Laila die spätere Zweitplatzierte Simona Parente auf fünf Minuten distanzierte und diesen Vorsprung bis Sölden stabil hielt.

Anhand von Lailas Leistungsdaten wird aufgezeigt, welche enorme Leistungsfähigkeit für eine Rekordfahrt beim Ötzi notwendig ist. Bereits am Kühtai konnte sie sich in einer ersten Spitzengruppe etablieren und ist dabei über eine Stunde hinweg durchschnittlich 242 Watt gefahren. Relativiert auf 56 Kilogramm (4,3 Watt/kg) eine Leistung, bei der sie schon größte Teile des Männerfeldes hinter sich lassen konnte. Durch eine „sparsame“ Fahrweise am Brennerpass (Ø 189 Watt, 1:24.01h) konnte Laila genügend Körner sparen, um anschließend am Jaufenpass zu bestehen (Ø 222 Watt, 58:56min) und sich am Timmelsjoch mit relativen 3,7 Watt/kg (Ø 205 Watt, 1:49.06h) von der Konkurrenz abzusetzen. Mit durchschnittlichen 178 Watt verbrauchte die Triple-Siegerin insgesamt fast 5.000 Kilokalorien an Energie – vergleichbar viele, wie Lukas Pöstlberger in der Spitzengruppe der Euroeyes Cyclassics in der letzten Woche!

Laila Orenos_SRM-Datei_Ötztaler Radmarathon 2016

Wie beeindruckend der neue Streckenrekord ist, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass Laila mit dieser Zeit auch in der Männer-Wertung den 83. Platz belegt hätte. Der dritte Sieg bei der dritten Teilnahme bedeutet gleichzeitig, dass sie vom Ötztaler-Sponsor SRM mit dem dritten Powermeter in Serie ausgestattet wurde. Wir hoffen, dass Laila genügend Räder für so viele Leistungsmesser hat und gratulieren Ihr ganz herzlich zum Titel-Triple!

Wie die Vorbereitung der Ötztaler-Siegerin ausgesehen hat? Welche Leistungswerte für diesen Erfolg Voraussetzung sind? Lest mehr dazu in unserem Artikel zu Lailas Vorbereitung:

STAPS-Kundin Laila Orenos will sich das Triple beim Ötztaler Radmarathon holen

Michael Jahn

Persönliche Bestzeit! Nach seinen vorherigen Teilnahmen in den Jahren 2009 (9:33.56 Stunden) und 2014 (9:43.56 Stunden) konnte der 42-jährige Stolberger seine persönliche Bestzeit um 17 Minuten unterbieten und erreichte das Ziel in Sölden nach 9:16.46 Stunden. Ein Wermutstropfen blieb aber. Michael, der seine Schwellenleistung im Zuge des STAPS-Training auf über 4,3 Watt pro Kilogramm Körpergewicht steigern konnte, hatte sich für dieses Jahr eigentlich das Knacken der 9-Stunden-Marke vorgenommen. Unglücklicherweise wurde er 10 Tage vor dem Rennen im Training von einem Auto angefahren und trug neben Abschürfungen auch eine Rippenprellung davon. Diese schmerzhafte Erfahrung konnte ihn nach all den Trainingskilometern und der guten Vorbereitung aber nicht vom Start in Tirol abhalten und er konnte zumindest seine persönliche Bestzeit aus 2009 knacken. Das Ziel für das kommende Jahr? Der Angriff auf die 9-Stunden-Marke!

Tanja Dittrich

Als Ötztaler-Rookie hat Tanja Dittrich am Wochenende gleich eine sehr souveräne Vorstellung gezeigt. Die 27-jährige Hamburgerin, die mangels Bergen rund um die Hansestadt extra ein Trainingslager in den Alpen machte, konnte in den vergangenen Monaten der STAPS-Trainingsbetreuung tolle Fortschritte machen. Nach dem Trainingsstart im Dezember 2015 bei einer Tanja Dittrich_Ötztaler Radmarathon 2016Schwellenleistung von 2,4 Watt pro Kilogramm Körpergewicht konnte Tanja mit durchschnittlich 8 bis 10 Stunden strukturiertem Training pro Woche ihre Leistungsfähigkeit um genau ein Watt pro Kilogramm Körpergewicht auf 3,4 W/kg steigern.

Ihr Trainingsfleiß und das effektive Training haben sich beim Ötztaler ausgezahlt: Tanja konnte gestern in 10:12.00 Stunden finishen und damit den 60. Rang der Frauen (23. Rang ihrer Altersklasse) belegen. Dabei hatte sie lediglich am Timmelsjoch kurz mit der Hitze zu kämpfen, konnte ihren gesteckten Plan aber souverän verfolgen. Sie stärkte sich ausreichend mit Mineralstoffen und Kohlenhydraten, zog den „Joker“ Koffein an der Labestation des Timmelsjochs und erreichte den höchsten Punkt des Rennens – nicht zuletzt dank des positiven Zuspruchs der Zuschauer – nach 09:37 Stunden. Die restliche Fahrt bis Sölden war für Tanja dann nur noch Formsache!

Klaus Stucke

Der 50-jährige Herrenberger Klaus Stucke ist beim Ötztaler mittlerweile ein Urgestein. Die diesjährige Ausgabe war Klaus‘ 10. Teilnahme an diesem Alpen-Marathon in den vergangenen 12 Jahren. Nach seiner Premiere in 2004 konnte er seine Fahrzeit kontinuierlich verringern, bis er 2014 seine bis dato beste Teilnahme in 10:22 Stunden fuhr.

Im April 2015 haben wir dann erstmalig Kontakt zu Klaus gehabt und konnten ihn auf unserer STAPS on Tour in seinem Heimatort Herrenberg „testen“. Klaus Stucke_Ötztaler Radmarathon 2016Wir freuen uns sehr, dass er uns damals das Vertrauen geschenkt hat und seither trainingsbetreuter STAPS-Sportler ist. Wir haben das mit einer beeindruckenden Entwicklung „zurückgezahlt“. In 2015 konnte der damals 49-jährige bei seiner 9. Teilnahme seine persönliche Bestzeit um fast eine Stunde auf 9:25 Stunden verbessern. Doch damit nicht genug: Am vergangenen Wochenende konnte er diese Bestzeit erneut unterbieten, als die Uhr für Klaus bei 9:17.57 Stunden stoppte. Klaus, der nach eineinhalb Jahren STAPS-Training mittlerweile eine Schwellenleistung oberhalb der 4 Watt/kg aufweist, ist vielleicht eines der besten Beispiele dafür, dass man mit steigendem Alter nicht langsamer werden muss – sondern noch viel schneller werden kann!

Peter Scherrer

Peter Scherrer hat einen Wettkampf-Kalender, der einem Halb-Profi gleicht: Alleine in 2016 nahm er am Glocknerkönig, dem Dolomiti-Marathon, dem Race Around Austria und den 24-Stunden-Rennen in Kelheim und Rad am Ring als Solo-Starter teil. Bei den 24 Stunden von Kelheim belegte er den 4. Gesamtplatz, beim Rad am Ring konnte er insgesamt 7. werden.

Der Ötztaler war für den 58-jährigen, der sich im Winter vor allem mit Ski-Touren und Langlaufen fit hält, ein würdiger Saison-Abschluss, der aber leider unglücklich begann: Direkt in der ersten Abfahrt Richtung Ötz verursachte ein anderer Teilnehmer einen Sturz, in den Peter verwickelt war und Hautabschürfungen davontrug. An Aufgeben war für ihn allerdings – trotz eines Peter Scherrer_Ötztaler Radmarathon 2016kaputten Schuhs – nicht zu denken und er kämpfte sich bis Sölden. Unter diesen Voraussetzungen noch eine Zeit von 8:47.29 Stunden zu erzielen, ist eine klasse Vorstellung und spricht für Peters Kampfgeist, den er während der gesamten Saison schon bei zahlreichen Veranstaltungen bewiesen hat.

Wir freuen uns, dass wir so viele Sportler auf diesen legendären Radmarathon vorbereiten konnten. Besonders glücklich sind wir natürlich, dass all unsere Teilnehmer die 238 Kilometer gefinisht haben und so viele persönliche Erfolge feiern konnten.

Allen Teilnehmern herzlichen Glückwunsch und eine gute Erholung!

Photo Laila Orenos: oetztaler-radmarathon.com